Von der Gipfelstation der neuen Gondel am Punta Helbronner, der italienischen Seite des Mont Blanc, machen wir uns auf in Richtung Toula-Gletscher. Dann traversieren wir um die Aiguille d’Entrèves. Unser Ziel ist die Ostflanke der Tour Ronde, die wir erklimmen müssen.

Auf dieser Seite ist es nicht der riesige Schneedom, der das Antlitz des höchsten Gipfel Europas auf der französischen Seite ausmacht und die Leute dort in seinen Bann zieht. Hier zeigt der Mont Blanc bzw. der Monte Bianco ein anderes Gesicht – hoch hinauf zieht sich das schroffe Terrain aus Felsen, Eis und Schnee. Auf der Chamonix-Seite sehen wir Horden von Freeridern und Alpinisten, die das Vallée Blanche hinauffellen und ihre Spuren hinterlassen. Unter uns lässt die Sonne das unberührte steile South Face glitzern. 500 Höhenmeter feinste Abfahrt, bevor es auf dem Brenva-Gletscher ausläuft.

Nur ein paar vereinzelte Tracks verraten, dass sich noch andere Freerider hierhin verirrt haben wie eine kleine Gruppe auf dem Bergkamm über uns.

Tony Lamiche ist ein außergewöhnlicher Skifahrer und Alpinist, der sich auf das Befahren extremer Steilwände spezialisiert hat. Wir können uns glücklich schätzen, dass er unser ­Guide ist. Mit seinen Ski präpariert er uns den Drop-in und schneidet mit seinen Kanten einen Block aus der Wechte. Es rieselt weit mehr in die Tiefe als nur ein wenig Sluff. Kurz darauf bug­siert Tony seine Skispitzen in Richtung Falllinie und droppt ein. Mit weiten, langen Race Turns rast er durch den Powder und erreicht die Safe Zone, wo ich ihn kurze Zeit später einhole. Von hier aus ist die Perspek­tive auf den Mont Blanc wieder ei­ne andere. Alles in allem, muss ich sa­gen, schindet der Berg von der ita­lie­nischen Seite noch mehr Eindruck als von Chamonix aus. Zudem sind wir hier größtenteils unter uns. Nur ein paar vereinzelte Tracks verraten, dass sich noch andere Freerider hierhin verirrt haben wie eine kleine Gruppe auf dem Bergkamm über uns.