Es gibt wohl nur wenige Rider wie Markus Eder, die in allen Spielarten des Freeskiings zur internationalen Weltelite gehören. Wir haben den Vibram Teamrider nach seinem Sieg der Freeride World Tour ans Mic gebeten.

Interview: Roman Lachner

Hi Makke, Glückwunsch zum Gesamtsieg der Freeride World Tour. Das war eine nahezu perfekte Saison für dich. Nach den beiden ersten Plätzen in Hakuba und Fieberbrunn konnte ja fast nichts mehr schief gehen, oder?

Ja, nach den ersten drei Stopps hatte ich schon einen ordentlichen Vorsprung auf Kristoffer Turdell. In Andorra hätte ich mit dem sechsten Platz den Sack schon zumachen können, aber der Druck und sein Kind haben mich dann doch etwas zurückgeworfen.

War es schwierig für dich die Motivation hoch zu halten, um 100 Prozent zu geben zu können oder hast du auch schon etwas den Safety Run-Aspekt mit zu berücksichtigen?

Wenn ich einen Run finde, der mir zusagt, fahre ich immer im Grenzbereich und bin voll motiviert und konzentriert. Es fällt mir also schwer einen Gang zurückzuschalten … Außerdem war die Erwartung an mich ganz klar, dass ich den Sieg sicher nach Hause fahren würde. Bisher hat es mich immer motiviert, die Leute vom Gegenteil ihrer Meinung durch mein Riding zu überzeugen. Diese Saison musste ich nun den Erwartungen der Anderen gerecht werden, was mir besonders in Andorra schwer gefallen ist.

Dein Butter in Verbier im vergangen Jahr war und ist legendär. Wie bist du damals auf die Idee gekommen diesen Style in deinen Run im schwierigsten Terrain der Tour einzubauen?

Ich wollte seit Saisonbeginn etwas Spezielles machen. Etwas anderes als 3er oder Backflips. Das Format jedoch ist ziemlich hart und erlaubt einem nicht wirklich etwas zu probieren, da ja vier von fünf Resultaten in die Wertung einfließen. Letztes Jahr in Verbier wollte ich eigentlich ein Butter 7er machen, aber ich habe mich dann oben am Start doch für die safere Variante entschieden. Ich bin ziemlich glücklich über die Entscheidung, da der Takeoff damals nicht gerade der beste war und das Resultat dann trotzdem großen Beifall bekam.

Markus Eder inspiziert den Bec De Rosse beim Freeride World Tour Finale in Verbier, Schweiz - Foto: Adam Klingeteg / Red Bull Content Pool
Markus Eder inspiziert den Bec De Rosse beim Freeride World Tour Finale in Verbier, Schweiz – Foto: Adam Klingeteg / Red Bull Content Pool

Da sind wir schon beim Freestyle angelangt. Hättest du vor zehn Jahren im Entferntesten daran gedacht bei der Freeride World Tour mitzufahren und diese letztlich auch noch zu gewinnen?

Ha ha. Nein, das hätte ich auf keinen Fall gedacht. Damals war Freestyle alles für mich und ich wollte mit Freeriden nicht wirklich etwas am Hut haben. Beim Linecatcher 2011 in Vars habe ich dann zum ersten Mal gesehen, wie fett das ganze Backcountry Ding eigentlich ist und von da an ging es auch immer weiter in diese Richtung bei mir.

Foto: Red Bull Content Pool
Foto: Red Bull Content Pool

Gibt es für dich generell eine Trennung der einzelnen Freeski-Richtungen? Park, Freeride, BC Freestyle und Urban? Oder siehst du das ähnlich wie Candide, der Skifahren als eine gesamte Disziplin betrachtet?

Ich komme ja noch aus der Generation, wo jeder alles gemacht hat. Park, Pow, Filmen und Contests. Ich wollte immer alles machen und denke auch, dass mich genau diese Einstellung dahin gebracht hat, wo ich jetzt stehe.

Wenn ich müde vom Parkfahren war, konnte ich es kaum erwarten endlich mal wieder Powdern zu gehen und umgekehrt. Es ist einfach cool, wenn man am Saisonende den Rucksack mit Sonde und Schaufel, Piepser, Felle und die ganzen Sorgen über Lawinen oder Sicherheit hinter sich lassen und mit dem Hoodie einen slushy Park shredden kann. Das gleiche gilt auch für Filmen und Contests.

© Pally Learmond / Völkl

War für deinen Erfolg bei der Tour auch der neue Revolt mitverantwortlich, den ihr Völkl-Teamrider euch an ein Freestyle-orientiertes Freeriding angepasst habt?

Ja, ganz bestimmt! Der Revolt 121 ist eine Herzensangelegenheit für das gesamte Team. Schinka, unser legendärer Teammanager, hat alle Rider für die Entwicklung des Freestyle Background-Konzepts mit ins Boot geholt. Wir haben uns auch schon seit Jahren Gedanken darüber gemacht, wie der perfekte Ski sein sollte. Das Ergebnis ist nun der Revolt 121.

Wir hatten alle die selbe Vorstellung, aber bis ich den Ski dann im Dezember auch wirklich fahren durfte. war ich mir noch nicht sicher, ob wir auch alles richtig gemacht haben. Mit dem Ski schlussendlich die Tour zu gewinnen war die ultimative Bestätigung. Man kann Senden damit, er fühlt sich aber trotzdem mega verspielt an und Racen auf der Piste macht mir mit dem Ski auch wieder echt Spaß.

Man vergisst schnell, dass neben den Skiern, auch die Boots maßgeblich an der Perfomance im Schnee mitverantwortlich sind. Hattest du da auch mit deinen Sponsoren Dalbello und Vibram an neuen Produkten gearbeitet?

Der Lupo T.I. ist ja eigentlich ein Tourenboot. Leicht, aus speziellem Plastik, mit dem Karbon Schaft und der herausnehmbaren Zunge, jedoch mit den selben Eigenschaften wie der Parkboot von Dalbello. Ich fahre den Schuch wirklich in jedem Terrain: Park, Big Lines und auch für längere Skitouren. Die super Zusammenarbeit mit Vibram freut mich ebenfalls mega. Es ist eine Italienische Firma die über vier Generationen weitergegeben wurde, also immer noch ein Familienunternehmen ist. Vom Boss bis zu den Fabrikmitarbeitern sind alle mega Stolz, mit Leidenschaftlich bei der Arbeit und innovationsgeleitet.

Zurzeit teste ich zusammen mit dem Team die neue Arctic Grip Technologie, wie hart bzw. wie weich die Sohlen sein müssen, um den besten Grip zu bekommen und dabei trotzdem noch eine lange Lebensdauer zu garantieren.

Markus Eder
Markus Eder

Jetzt ist die Contest-Saison rum –  was steht bei dir noch auf dem Plan? Bist du wieder mit MSP am Produzieren?

Meine Saisons gehen ja normalerweise ziemlich lange, letztes Jahr war ich eigentlich nonstop bis Ende Mai am Shooten, nachdem die Freeride World Tour vorbei war. Die Tour ist der Hammer, aber sie hat mich ziemlich fertig gemacht. Heuer habe ich mir den Rest vom Winter freigehalten, was etwas den Dampf für mich rausgenommen hat.

Wir werden mit Völkl wahrscheinlich noch Skier testen gehen, bei den Audi Nines würde ich auch noch gerne vorbeischauen. Ansonsten möchte ich die verbleibende Saison mit Freunden genießen und machen wonach mir der Kopf steht.

Und wie sieht es mit eigenen Projekten aus? Das Video am Stilfser Joch hat medial ganz schön eingeschlagen?

Ja, das war alles ziemlich crazy am Stilfser Joch. Auch die Roadshow und Alptopia haben echt Bock gemacht und gut funktioniert. Ich habe einige Ideen im Kopf, die ich unbedingt verwirklichen möchte. Zurzeit sind sie jedoch nur ein Gedankenkonstrukt.

Und wo siehst du generell deine Zukunft? Willst du weiterhin alle Spielarten des Skifahrens mitnehmen? Nicht, dass wir dich am Ende für die italienische Nationalmannschaft im Riesenslalom an den Start gehen sehen?

Ich habe keine Ahnung wohin mich die Reise führen wird. Das wusste ich noch nie, aber auf alle Fälle will ich weiterhin alles machen, was ich bisher mache. Filmen, Contests, Park, Pow. Eines ist jedoch klar: Die italienische Nationalmannschaft sieht mich bestimmt nie wieder!