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Severin ‚Gucci‘ Guggemoos kann man mittlerweile getrost als OG der deutschen Freeski Szene bezeichnen. Wir haben ihm zum großen PRIME Interview gebeten und auch noch seinen brandneuen Season Edit 18/19 im Gepäck.

Severin Guggemoos im Interview (1/3)

Video Severin Guggemoos Season Edit 2018/2019 | Cuts by Jürgen Nigg

Severin „Gucci“ Guggemoos steht bereits sein ganzes Leben auf zwei Brettern und kennt den Freeski-Zirkus seit seinen ersten Tagen. Der Garmischer repräsentiert wie kaum ein anderer die deutschsprachige Core-Szene im Freestyle. „Gucci“ lebt das Skifahren mit den Werten, die Freeskiing zu seiner großen Beliebtheit geführt haben: Spaß, Freiheit, Freunde, Musik und Reisen.

Location: Innsbruck - Foto: Jörg Angeli
Location: Innsbruck – Foto: Jörg Angeli

Dein Spitzname „Gucci“ lässt schon vermuten, dass du nicht der typische Contest-Rider bist. Dennoch findet man dich in der Datenbank der FIS, wenn man deinen vollen Namen googelt. Erzähl uns doch mal, wie es dazu gekommen ist und wie deine Laufbahn in der Skiindustrie dich schlussendlich in die Freeski-Szene gebracht hat.

Schon als Kind war ich sehr aktiv: zweimal in der Woche Training und am Wochenende die üblichen Rennen. Das Ganze habe ich auf jeden Fall meinen Eltern zu verdanken. Mein Vater hat mich damals überallhin mitgenommen – sei es zur legendären Dammkar, deren spektakulären Run ich schon mit fünf Jahren gefahren bin, oder zum ersten Buckelpisten- Contest mit 14. Diesen habe ich auf Anhieb gewonnen, was mich schließlich zum Freestyle-Sport Buckelpiste brachte, wo ich unter anderem einen deutschen Juniorenmeistertitel und mehrere Deutschland-Pokale für mich entscheiden konnte.

Location: Nordkette Innsbruck - Foto Jörg Angeli
Location: Nordkette Innsbruck – Foto Jörg Angeli

Zusammen mit Bene Mayr habe ich übrigens meine ersten Backflips gestanden und bin in dieser Zeit recht viel herumgekommen. Als die Sache langsam ernst wurde und ich als Vorläufer eines Weltcups in Oberstdorf den Contest eröffnen durfte, dachte ich: „Hey, vielleicht wird aus dem Kindheitstraum des professionellen Skifahrers tatsächlich noch etwas!“

Leider hatte ich aber in der Vergangenheit immer wieder Differenzen mit dem DSV, weshalb ich aufgrund der fehlenden Unterstützung des Skiverbands das Handtuch schmeißen und meine Karriere als aktiver Sportler beenden musste. Schließlich wollte ich nicht ohne Schulabschluss dastehen.

Location: Innsbruck - Foto: Jörg Angeli
Location: Innsbruck – Foto: Jörg Angeli

Dir wird häufig nachgesagt, ein sehr stylisher Fahrer zu sein. Was bedeutet Style für dich und kann man Style lernen?

Hm, schwierige Frage! Style ist für mich alles. In meinen Augen ist ein stylisher Straight Air mit Method Grab oder ein schöner 180° mehr wert als ein räudig gedrehter Double 10.

Das Problem heutzutage ist aber hauptsächlich, dass viele der Park Rider überhaupt nicht mehr richtig Skifahren können.

Cruise Control ist das A und O. Joona Kangas hat da meiner Meinung nach einen absolut einzigartigen Fahrstil, den ich über alles liebe!

Location: Snowpark Patscherkofel - Foto: Jörg Angeli
Location: Snowpark Patscherkofel – Foto: Jörg Angeli

Henrik Harlaut bringt es in seinem neuen Film „The Regiment“ auf den Punkt: „Style is like everything – if you don’t have style and the trick doesn’t have style – it’s unnecessary. Not unnecessary, but it’s just a trick on a paper, you know.“

Aber um deine Frage zu beantworten: Ja, ich glaube man kann Style lernen. Talent ist nicht einmal die halbe Miete. Wenn ich zwar von Haus aus gut fahre, aber nicht aktiv bin, hat ein „unstylisher“ Fahrer bessere Chancen, sich weiterzuentwickeln als ein Wannabe-Styler.

Apropos Style: Welche Fahrer haben dich inspiriert?

No 1. ist ganz klar Tanner Hall.

Egal welches Segment ich mir früher angeschaut habe, ich wollte so Ski fahren wie er.

Außerdem entwickelt er sich nach wie vor jede Saison immer noch weiter. Sammy Carlson und Candide Thovex stehen bei mir zusammen auf Platz zwei. Beide sind unglaubliche Rider, egal in welchem Terrain. Den Platz danach teilen sich Henrik Harlaut und Phil Casabon – einfach eine Wahnsinns-Combo. Schließlich muss ich noch Torge Nagel, Jürgen Nigg, Kea Kühnel und Sebi Schmitz auflisten, die meine größten Einflüsse aus der Heimat darstellen.

Location: Snowpark LAAX - Foto: Jörg Angeli
Location: Snowpark LAAX – Foto: Jörg Angeli

Schön zu hören, dass auch lokale Rider Einfluss auf dich haben! Viele Core-Fahrer sind mittlerweile auf den FIS-Zug aufgesprungen, seit Slopestyle vor gut fünf Jahren olympische Disziplin geworden ist. Wie erklärst du dir diese Entwicklung?

Nun ja, wenn du nicht irgendein „Pow-Skihaserl“ bist, das gerade damit beschäftigt ist, einer Ski-Company die Kohle aus der Tasche zu ziehen, bleibt dir nichts anderes übrig, als im Contest-Zirkus aktiv zu sein. Ich möchte an dieser Stelle niemandem zu nahe treten, aber wenn ich auf einer Instagram-Seite, auf der in der Beschreibung „Freeskier“ steht, nach 15 Posts das erste Ski-Bild sehe und sonst nur halb nackte Posen, ist das für mich nicht mehr für den Sport repräsentativ.

Ich finde Contests in unserem Sport gut und sehr wichtig – du wirst mich jedoch nicht dabei ertappen, wie ich mir einen Vlog von Andri Ragettli & Co. reinziehe. Die Dew Tour hat da meiner Meinung nach genau den Zahn der Zeit getroffen und mit der Modified Superpipe den richtigen Weg für die Contests der Zukunft eingeschlagen. Die Zuschauer haben leider eh meistens keinen genauen Plan, was passiert, warum also nicht aus einer langweiligen Halfpipe einen coolen Contest mit Extra-Features machen?

Severin Guggemoos - Foto: Jörg Angeli
Severin Guggemoos – Foto: Jörg Angeli