Seit heute ist der zwanzigste(!) Freeski Full Movie von Level 1 Productions online erhältlich. Wie gut ist der letzte jährliche Film geworden?

Rider: Noah Albaladejo - Foto: Brady Perron
Rider: Noah Albaladejo – Foto: Brady Perron

Als Level 1 im Sommer 2019 ankündigte, dass „Romance“ ihr letzter jährlicher Freeski Full Movie werden wird, war die Enttäuschung in der Szene zunächst groß. Sie wich jedoch sehr schnell großer Dankbarkeit gegenüber der weltbekannten Freeski-Produktionsfirma. Zwanzig Jahre lang arbeitete Gründer Josh Bermann und seine Crew jedes Jahr an einem neuen Streifen und nicht wenige davon sind bis heute legendär.

Anlässlich des Jubiläums von zwei Jahrzenten Skifilmen spendiert uns Level 1 aktuell alle bisher veröffentlichten Titel kostenlos im Internet inklusive interessanter Podcast mit jeweils wechselnden Athleten. Alle Level 1 Filme sowie Podcast findet ihr in unserem Sammelartikel.

Ist „Romance“ ein würdiger Abschluss?

Kommen wir nun zu dem aktuellen Full Movie „Romance“. Wir ziehen an dieser Stelle unser Fazit des Artikels vor, da wir unnötige Spoiler vermeiden wollen. Weiter unten findet ihr zusätliche Details zu den einzelnen Segmenten.

Mit einer Spielzeit von knapp über einer Stunde gehört „Romance“ definitiv zu den längeren Produktionen im Freeskiing und auch das Riders Lineup schlägt wieder einmal ordentlich über die Stränge. Offiziell werden 28 Fahrer gelistet, unter ihnen etliche Big Names und OGs wie Tom Wallisch, Mike Hornbeck, Chris Logan, Parker White, Wiley Miller, Will Wesson, McRae Williams, Phil Casabon, Ahmet Dadali und viele mehr.

"Romance" ist feinster Ski Porn mit einer Spiellänge von knapp über einer Stunde. - Rider: KC Deane - Foto: Colin Wiseman
„Romance“ ist feinster Ski Porn mit einer Spiellänge von knapp über einer Stunde. – Rider: KC Deane – Foto: Colin Wiseman

Nachdem Level 1 bei einigen Filmen wie z.B. „Habit“ in der Vergangenheit auf ein Narrativ mit einer Stimme aus dem Off gearbeitet hatte, um damit eine Storyline aufzubauen, setzen sie bei „Romance“ auf reine Ski-Porn-Segmente. Die meisten Parts teilen sich mehrere Fahrer und sind unterteilt nach Location bzw. „Disziplin“ (Street, Backcountry, Park, Powder). Lediglich das Ender-Segment darf Lucas Stål Madison für sich alleine beanspruchen. Die Musikauswahl ist Level 1 typisch gemischt: fette HipHop Tracks überwiegen zwar, jedoch werden auch andere Genres von Indie-Pop bis hin zu Funk bedient. Hier sollte für jeden etwas mit dabei sein. Ein elektronischer Track wie zum Beispiel beim Opening Segment in „ZigZag“ ist dieses Mal nicht mit dabei.

Da werden die Studenten der University of Minnesota Duluth in der Nähe des Lake Superior (USA) nicht schlecht gestaunt haben: Tom Wallisch verwirklicht einen Traum und cleared ein "Spiral Rail" - Foto: Josh Bishop
Da werden die Studenten der University of Minnesota Duluth in der Nähe des Lake Superior (USA) nicht schlecht gestaunt haben: Tom Wallisch verwirklicht einen Traum und cleared ein „Spiral Rail“ – Foto: Josh Bishop

Das „Problem“ das Level 1 schon seit einigen Jahren hat, ist, dass sie die Latte für Freeski-Filme selber sehr, sehr hoch gelegt haben und es in jeder Saison schwieriger wird, dieses hohe Niveau noch einmal zu übertreffen. Im Prinzip gilt für „Romance“ das gleiche, wie schon für „Habit“ und „ZigZag“: Die Crew hat es über die gesamte Länge des Films geschafft, mindestens das Niveau ihrer bisherigen Produktionen zu erreichen und an einzelnen Stellen auch zu übertreffen. Zum einen liegt dies an einzelnen Tricks, vor allem in den Street- und Park-Segmenten, und zum anderen an dem revolutionären Part von Sämi Ortlieb (zusammen mit Rob Heule, Remco Kayser sowie Laurent De Martin). So etwas haben wir bisher in keinem Freeski-Movie gesehen!

Links: Ahmet Dadali beim Street-Shooting in Sarajevo (Foto: Ethan Stone) - Rechts: Laurent De Martin beim obligatorischen Park Shooting an einer massiven Hip (Foto: Ilanna Barkusky)
Links: Ahmet Dadali beim Street-Shooting in Sarajevo (Foto: Ethan Stone) – Rechts: Laurent De Martin beim obligatorischen Park Shooting an einer massiven Hip (Foto: Ilanna Barkusky)

Zusammenfassend kann man also sagen, dass „Romance“ ein absolut würdiger Abschluss für die lange Level 1 Historie ist. Sie bleiben ihrem Motto treu, schaffen es erneut ihr Niveau zu halten und übertreffen es stellenweise sogar und sorgen damit wieder einmal für staunende Gesichter.

Die knapp 12 €, die Level 1 für „Romance“ als digitalen Download verlangt sind in Anbetracht der Qualität des Films ein absolutes Schnäppchen. Für die DVD/BD-Kombo müsst ihr knapp 30 Dollar (ca. 27 Euro) hinlegen, allerdings würden wir euch an dieser Stelle gleich die „Complete Movie Collection“ ans Herz legen, bei der ihr alle zwanzig Filme von Level 1 von „Balance“ bis „Romance“ in einem Paket bekommt – es lohnt sich!


Video: „Romance“ Teaser (2019) – Level 1 Productions

„Romance“ jetzt anschauen oder bestellen

Romance ist ab sofort auf allen gängigen digitalen Plattformen erhältlich. Wer eine Silberscheibe mit Hardcover bevorzugt, der kann auf der offiziellen Level 1 Seite eine Kombo aus DVD sowie Blu-Ray bestellen.

Zudem legen wir euch sehr stark den Besuch einer Premierenparty ans Herz – es gibt doch nichts besseres, als einen so großartigen Film zusammen mit einer motivierten Crowd zu genießen. Alle Termine findet ihr im Level 1 Calendar.

Rider: Lucas Stål Madison - Foto: Yasuyuki Shimanuki
Rider: Lucas Stål Madison – Foto: Yasuyuki Shimanuki

Die „Romance“ Segmente im Detail

Für alle, die noch mehr über die einzelnen Segmente erfahren wollen.

Dem Opening Part in einem Freeski Full Movie kommt seit jeher eine besondere Bedeutung zu. Dieses Mal sehen wir nach einem Intro mit vielen Rückblicken auf 20 Jahre Level 1 gleich drei große Big Names auf dem Schirm: X Games Real Ski Gewinner Phil Casabon, OG Mike Hornbeck und den legendären Tom Wallisch, der sich nach einer längeren Verletzungspause eindrucksvoll zurückmeldet.

Ist nach einer längeren Verletzung zurück im Film-Business: Tom Wallisch - Foto: Josh Bishop
Ist nach einer längeren Verletzung zurück im Film-Business: Tom Wallisch – Foto: Josh Bishop

Zu einem fetten Track von Cormega mit AZ, Redman und Styles P präsentieren uns Wallisch, Hornbeck und Casabon allerfeinste Street Action – instant Hype! Mittlerweile weiß auch Hornbeck, wann er für Wallisch jubeln muss.

„I definitely know when to chear now“ – Mike Hornbeck

Ein absolut würdiger Opener, der sofort für den typischen Level 1 Vibe sorgt!

Weiter geht’s mit einem etwas smootheren Japan Part (nicht der letzte im Film) sowie weiteren Backcountry und Powder Shots mit dem Power-Duo Chris Logan sowie Parker White, mit einem für die beiden typischen Redneck-Sound. Danach legt Will Wesson eins seiner wohl besten Segmente seiner bisherigen Karriere hin und überrascht uns nicht nur mit seinen ungewöhnlichen Tricks, sondern auch mit Features, die sich sonst wohl keiner trauen würde zu fahren, wie beispielsweise ein Handrail mit etlichen spitzen Skatestoppern – danach war mit Sicherheit erstmal wieder ein neues Paar Ski notwendig. Außerdem cleared er zusammen mit Khai Krepela das wohl längste Rail, das jemals in einem Level 1 Movie gefilmt wurde. Nachdem Will Lip auf das Rail springt, hätten wir zwar den „einzigen Trick der Welt“ erwartet, aber leider fährt er dann doch „nur“ gerade aus dem Feature raus.

Will Wesson auf dem wahrscheinlich längstem Rail ever - Foto: Alex Havey
Will Wesson auf dem wahrscheinlich längstem Rail ever – Foto: Alex Havey

Weiter geht’s nach diesem Paukenschlag über Sarajevo mit Ahmet Dadali sowie Tom Ritsch in die Schweiz mit einem Kombipart aus Powder sowie Street mit Laurent De Martin sowie Tanner Rainville sowie einem nahtlosen Übergang zu Sämi Ortlieb, der in „Romance“ wohl die meisten Shots aller Rider gesammelt hat. Sein bereits angesprochener Stop-Motion Part ist absolut unglaublich. Wir können uns nur schwer vorstellen, wie viel Arbeit in das Editing dieses Segments geflossen sein muss. Remco Kayser, der SuperUnknown XV Gewinner, bekommt in diesem Teil des Films seinen Auftritt und hat uns mit seinem smoothen Style sowie technischen Tricks beeindruckt.

Danach kommt dann die Big Mountain Fraktion mit einigen fetten Lines, Jumps sowie Drops von Thayne Rich sowie Duncan Adams und Wiley Miller auf ihre Kosten. Anschließend geht es wieder auf die Straße, wo Emile Bergeron, Will Berman und Noah Albaladejo Street Spots auseinandernehmen – unter anderem einige Features, die aus dem X Games Real Ski Video von Phil Casabon bekannt sind.

Nach einem weiteren Powder/Big Mountain Part, in dem wir unter anderem einige harte Bails von McRae Williams sowie Colby Stevenson zu sehen bekommen, kommt der Auftritt von Kegan Kilbride. Er hat sich mit seinen heftigen Street-Tricks den alleinigen Auftritt in diesem Part ohne Zweifel verdient!

Keegan Kilbride wird mit seinem Street Segment mehr als zufrieden sein - Banger! - Foto: Savannah Pitts
Keegan Kilbride wird mit seinem Street Segment mehr als zufrieden sein – Banger! – Foto: Savannah Pitts

Der zweigeteilte Ender-Part gehört dann den Jungs aus Skandinavien rund um Magnus Gramer sowie LSM, die uns wie gewohnt mit weirden Tricks, Drehungen und kreativen Manövern immer wieder staunen lassen, bevor Lucas Stål Madison den Film mit seinen besten Powder-Shots aus Japan beendet!

Jeder, der auch nur ansatzweise Gefallen an Park- und/oder Street-Skiing findet, sollte „Romance“ gesehen haben!