In dieser „Industry Talk“ Episode haben wir den Elevenate Gründer Jimmy Odén zum Interview gebeten und interessante Einblicke in die Firma sowie deren Arbeit bekommen – aus der PRIME Skiing #17 Print Issue.

Foto: Elevenate
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Wir hatten hier im „Industry Talk“ schon die unterschiedlichsten, teilweise märchenhafte Entstehungsgeschichten diverser Brands. Jimmy Odén schreibt mit seiner Marke Elevenate eine ganz eigene Story, denn er ist unseres Wissens nach der erste Mountain Guide, der zusammen mit seiner Frau ein eigenes Label gründete.

Interview: Roman Lachner

Hi Jimmy, wie geht’s dir? Scheint ganz so, als hättet ihr da oben in Åre einen ähnlich heißen und trockenen Sommer erleben dürfen wie wir hier in München. Kam da am Åresjön so etwas wie mediterranes Feeling auf?

So weit mag ich jetzt nicht gehen. Aber der Sommer bei uns zu Hause in Åre war wie fast überall in Schweden ungewöhnlich heiß, ja, beinahe tropisch. Ich möchte mich aber nicht beschweren, denn so waren wir extrem viel draußen beim Biken, Schwimmen oder Trail Running.

Foto: Elevenate
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Es könnte definitiv schlimmer sein, als in Åre sein Office zu haben. Vor knapp zehn Jahren bist du mit deiner Frau von Verbier zurück nach Schweden gezogen, um Elevenate zu gründen. Mit eurem Background, du als Guide und Sarah als Skiprofi und Designerin, kommt einiges an Know-how zusammen, um eurer Brand eine unverwechselbare Seele einzuhauchen. Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen, euer eigenes Label zu gründen?

Von uns hat jeder vor der Firmengründung jährlich über 150 Tage auf Skiern gestanden – und das 20 Jahre lang. Somit kommen wir gemeinsam auf über 6.000 Tage im Schnee. Elevenate war wohl eine natürliche Weiterentwicklung, um unsere Erfahrung und unsere Leidenschaft weiterzugeben.

Mit Sarahs Know-how als Designerin, unter anderem bei Peak Performance, wollten wir es wagen, ein eigenes Label zu kreieren und Produkte genau nach unseren Vorstellungen zu entwerfen. Seitdem hat sich unsere Brand von einem kleinen Projekt zu einer etablierten Marke entwickelt mit Artikeln, die in sorgfältig ausgewählten Ski-Shops und natürlich auch weltweit über unseren Onlineshop verkauft werden. Wir sind seither also in vielerlei Hinsicht gewachsen.

Unsere Leidenschaft und die Philosophie hinter Eleve­nate haben wir uns dabei aber immer er­hal­ten. Wir wollen Klamotten her­stel­len, die wir im Freien tragen können – maßgeschneidert, anatomisch geformt, hochwertig und direkt vor der Haustür in den Bergen rund um Åre getestet.

Foto: Elevenate
Foto: Elevenate

Wie ist es eigentlich, so ein Abenteuer mit dem Partner einzugehen? Es heißt doch immer, man solle Job und Privatleben so gut wie möglich voneinander trennen. Klar, in unserem überschaubaren Freeski-Sektor ist dies kaum möglich.

Ich glaube, sobald der Entschluss getroffen wurde, sich selbstständig zu machen und sein eigenes Business aufzuziehen, verschwimmen die Grenzen ohnehin zwischen dem privaten und beruflichen Teil des Lebens. Wenn beide wie bei uns dann an einem Strang ziehen und das gleiche Verständnis und das gleiche Maß an Passion für dieses Projekt mitbringen, kann das nur von Vorteil sein.

Foto: Elevenate
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Bestimmt. Euer Hobby hattet ihr bei­de ohnehin schon vorher zum Be­ruf gemacht. Im Sommer wart ihr beide viel in der Natur, wie du eben schon erwähnt hast. Kommt ihr im Winter auch noch so viel in die Berge wie früher?

150 Tage wie früher bekommen wir natürlich nicht mehr zusammen, so viel steht fest. Ich guide aber immer noch gelegentlich und versuche, so oft wie möglich draußen zu sein. Natürlich auch weil wir unsere Prototypen selber testen wollen.

Foto: Elevenate
Foto: Elevenate

Bislang habe ich noch keinen Moun­tain Guide kennengelernt, der ein Outerwear-Label aufgezogen hat. Glaubst du, im Vergleich zu üblichen Rider-Owned Brands hast du eine andere Sichtweise auf die Performance-Produkte?

Bergführer verbringen definitiv noch mehr Zeit in den Bergen als alle anderen Menschen – selbst als Pros.

Aus diesem Grund strapazieren sie ihr Material deutlich intensiver. Mit meinen inzwischen 30 Jahren Erfah­rung als Guide habe ich mir ein solides Verständnis angeeignet, was Qualität, Verarbeitung und Performance von Outerwear angeht. Genau diese Bedürfnisse wollen wir mit unseren Modellen erfüllen – und dies bis ins kleinste Detail.

Bis wir final ein Produkt auf Serienreife getrimmt haben, vergehen unzählige Tests von Prototypen in den Bergen rund um Åre und stundenlange Diskussionen über den perfekten Verlauf und die passende Farbe der noch so kleinsten Naht. Wir waren und wir sind Hardcore-Skifahrer. Aus diesem Grund halten wir es im Büro aus, um dort unsere Passion umzusetzen Wir wollen stolz auf unsere Produkte sein, wenn wir sie draußen in den Bergen sehen.

Was heißt Elevenate eigentlich? Gibt es eine tieferen Sinn hinter dem Namen eures Labels?

Stellt man sich die Elf als Zahl vor, so stehen die beiden Einsen nebeneinander für die parallelen Spuren, die wir nach der Abfahrt im Powder hinterlassen. Wir haben mit der Endung „-ate“ dieses Bild zu einem Verb transformiert. Wir beschreiben also mit dem Namen Elevenate die Aktion, wie unsere Lines in den Schnee kommen.

Nicht nur der Funktionalität, Langlebigkeit und tollem Design habt ihr euch verschrieben, sondern auch nachhaltiger Produktion. Wie versucht ihr konkret, euren ökologischen Fußabdruck so gering wie mög­lich zu halten?

Wir glauben, dass ein Schritt zur Ver­ringerung der Umweltbelastung darin besteht, nicht mehr als nötig zu konsumieren. In der Praxis bedeutet das, dass unsere Produkte so lange wie möglich halten sollten. Wir suchen aus diesem Grund extrem robustes und stabiles Material aus, das wir dann so hochwertig wie möglich verarbeiten. Soweit möglich versuchen wir, bei all unseren Artikeln zudem bluesign-zertifizierte oder recycelte Materialien zu verwenden. Und schließlich versuchen wir, beim Transport auf Luftfracht zu verzichten, soweit dies irgendwie umsetzbar ist.

Foto: Elevenate
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Was ist für die Zukunft geplant?

Elevenate wächst immer weiter. Wir sind wahnsinnig stolz, den nächsten Schritt in Angriff genommen zu haben – und zwar den Sprung von ei­ner klei­nen Skimarke hin zu einer ganz­jäh­rigen Lifestyle-Marke zu vollziehen, die die die komplette Bandbreite an Möglichkeiten abdeckt, die uns die Berge bieten. Sehen wir die Resorts in den Tälern als Base für all unsere Aktivitäten, die wir in der Natur rund um dieses Zentrum betreiben oder nutzen auch das Angebot zwischen un­seren Tagestrips in den Ortschaften, so kann man doch von einer modernen Bergkultur und einem Lifestyle sprechen.

Foto: Elevenate
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Dann wünschen wir euch natürlich für die Zukunft viel Erfolg! Und vergesst nicht, eure Prototypen so oft wie möglich selber zu testen.