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Full Moon – Die Stille der Nacht

Diese Story erschien in der PRIME Skiing Printausgabe #30

Der komplette Movie „Full Moon“ von El Flamingo Films sowie ein ausführlicher Blick in die Entstehung von und mit Jochen Mesle sowie Max Kroneck.

Text: Jochen Mesle, Max Kroneck
Fotos: El Flamingo Films, Julian Rohn

Der Film: „Full Moon“ – Night Skiing Without Artificial Light

„Some of you might have been on a full moon ski tour before. It ́s a really special vibe which is hard to describe when you haven ́t experienced it by yourself. With this movie we wanted to capture that feeling of being out there skiing in a clear full moon night. There is not much that distracts you from the pure beauty of the mountains.“ – Jochen Mesle

Die Story: „Full Moon – Die Stille der Nacht“

Jochen Mesle und Max Kroneck haben in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass man mit ungewöhnlichen Projekten und kreativen Ideen medial einiges bewegen kann. Nach „Eis und Palmen“ haben die beiden jetzt mit „Full Moon“ erneut einen Kurzfilm produziert, der die Grenzen des Normalen aufbricht und Freeriden in einem gänzlich neuen „Licht“ präsentiert.

Sobald die Sonne untergeht und die Lifte stillstehen, endet eigentlich auch ein Skitag. Die Stille der Nacht legt sich über die Alpen. Es kehrt Ruhe ein in den Bergen – doch wir werden erst wach. Als neue Herausforde­rung haben wir, Jochen und Max, uns zusammen mit dem Filmteam von El Fla­mingo in ein ganz neues Umfeld be­ge­ben: die Nacht!

„Die Dimensionen der Berge verschwimmen, auch die Zeit ist eine andere, denn der Lauf des Monds weicht stark von dem der Sonne ab – und so wird es ein Wettlauf gegen die Zeit.“
„Die Dimensionen der Berge verschwimmen, auch die Zeit ist eine andere, denn der Lauf des Monds weicht stark von dem der Sonne ab – und so wird es ein Wettlauf gegen die Zeit.“

Während alle schlafen, haben wir nun die Berge für uns allein. Im Schein des Vollmonds tauchen wir in eine ganz ungewohnte Bergwelt ein. Die Stim­mung ist schwer zu beschreiben, wenn man es noch nicht selbst erlebt hat – doch einen Versuch wollen wir heute starten und euch mitnehmen auf eines unserer Film-Highlights.

Bei Vollmond mitten in der Nacht Ski zu fahren und das Ganze ohne künst­li­­ches Licht filmisch festzuhalten klang für uns zwar nach einem spannenden Projekt, aber auch ein wenig nach Wellness im schö­nen Montafon. Denn wer nachts „ar­beitet“, kann den ganzen Tag entspannt in der Sonne genießen.

Doch gleich in der ersten Nacht werden wir schon von der Rea­lität aufgeweckt – nachts ist dann doch alles an­ders.

Die Dimensionen der Berge verschwimmen, auch die Zeit ist eine andere, denn der Lauf des Monds weicht stark von dem der Sonne ab – und so wird es ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Nacht ist kurz und der Tag wirkt noch viel kürzer.

Der Vollmond lässt sich bekanntlich nur einmal im Monat blicken und ist nur wenige Tage davor und danach voll genug, um die Winterlandschaft in ein traumhaftes Licht zu betten, was in der Stille der Nacht eine un­glaub­lich idyllische Wirkung entfaltet. So war im Vorhinein klar, wann wir uns im Montafon einfinden würden. Nur kommt bei der indirekten Son­nen­einstrahlung über den Mond der entscheidende Faktor dazu, dass, wenn man überhaupt eine Chance zum Ski­fahren haben will, sich keine noch so dünne Wolke vor den Licht­geber schieben darf. Nachdem wir leider den Januar-Vollmond verpasst hatten und der Februar nicht mit gu­ten Schneebedingungen glänzte, ka­men wir im März voll auf unsere Kosten.

Die Nächte ver­gingen im Montafon wie im Flug. Um die Einstellungen in den Kasten zu bekommen, mussten die Jungs durch die Nacht hetzen.
Die Nächte ver­gingen im Montafon wie im Flug. Um die Einstellungen in den Kasten zu bekommen, mussten die Jungs durch die Nacht hetzen.

Mit Filmer und Fotograf im Gepäck standen wir mit offenen Mündern ganz allein mitten in der Bergland­schaft und es fiel uns tatsächlich schwer, uns auf unsere Lines zu konzentrieren. Alles wirkte so surreal schön. Nach einer Stunde Zustieg fanden wir uns schon am Einstieg zu einer kurzen Linie wieder und waren so nervös wie seit Jahren nicht mehr. Klar muss man bei der Line- und Trick-­Wahl ein wenig zurückschrau­ben und, was Lawinen und Exposure anbelangt, komplett bedacht vor­ge­hen. Nachts ist aber alles viel intensiver, größer und aufregender, sodass man schnell auf seine Kosten kommt. Nach einer Buddy Line, die man bei Tage direkt links liegen lassen würde, waren wir richtig happy und umso motivierter für die restliche Nacht.

Klassisch wie von tagsüber gewohnt machten wir uns an die Planung einer Abschluss-Line quasi im Monduntergangslicht. Nach der Hälfte des ­Hikes meinte Jochen:

„Du Max, hast du auch das Gefühl, dass die Schatten brutal schnell wandern!?“

Wir hatten natürlich nicht bedacht, dass der Voll­mond auf einer wesentlich steile­ren Bahn als die Sonne unterwegs ist und somit das letzte Licht ebenfalls deutlich schneller schwindet. Eine halbe Stunde später fanden wir uns in der absoluten Finsternis noch mitten in der Wand wieder und konnten den Schnee nur noch hören und spüren – mit Sehen war nichts mehr. Also Stirnlampe an und ab ins Tal.

In der „unnatürlichen“ Skibeleuchtung werden selbst chillige Buddy Lines zur aufregenden ­Erfahrung.
In der „unnatürlichen“ Skibeleuchtung werden selbst chillige Buddy Lines zur aufregenden ­Erfahrung.

Dann startete wieder unser tägliches oder auch nächtliches Dilemma: Um fünf Uhr in der Früh endlich ins Bett, doch wer kann schon länger schlafen als bis neun Uhr? Also früh­stücken, Daten sichern, Akkus laden, Sachen packen und dann wieder spätestens um 14 Uhr hoch auf den Berg. Wir wollten uns ja noch bei Tageslicht an­schau­en, wo wir in der Nacht fahren und filmen würden. Nach Liftschluss hatten wir dann die Mög­lich­keit, die Zeit bis zum Mond­auf­gang in einer Hütte totzuschlagen, bevor wir uns bei Mondschein völ­lig verausgabten. So endeten wir im Zom­­bie-Modus: Skitouren mit ge­schlos­senen Augen, Filmen, ohne auf Record zu drücken, und die Nächte wurden länger und länger…

„Nachts ist aber alles viel intensiver, größer und aufregender, ­sodass man schnell auf seine Kosten kommt.“
„Nachts ist aber alles viel intensiver, größer und aufregender, ­sodass man schnell auf seine Kosten kommt.“

Auch wenn es auf Anhieb für die meis­ten nicht ersichtlich ist, war der Film­dreh von „Full Moon“ tatsächlich das anstrengendste Projekt, das wir je durch­geführt haben. Der fehlende Schlaf, die skifahrerische Herausfor­de­rung – mit kaum Sicht, dafür mit umso mehr Gespür und Gehör zu fah­ren –, das komplexe filmische Neu­land sowie die ständigen Kom­pli­ka­tio­nen mit dem Kamera-Equipment führten schnell dazu, dass wir alle komplett am Limit waren. Weitaus mehr als bei unserem Ski-und-Bike-­Packing-Projekt „Eis & Palmen“. Den­noch und vielleicht gerade deswegen sind wir alle etwas stolz und sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Abschließend lässt sich nur sagen: Schaut in den Mondkalender, plant eine sichere, entspannte Skitour, achtet auf Wildruhezonen und ab in ein un­vergleichbares Erlebnis – packt aber auch eine Teekanne ein, legt mal eine Pause ein und genießt die Ruhe!

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