Eine Dekade „Bent Chetlers“. Zu diesem runden Geburtstag haben wir Schöpfer Chris Benchetler himself zu seinem Baby befragt, das Freeskiing maßgeblich beeinflusst hat.

1. Kaum zu glauben, dass sich dein Pro-Modell schon seit zehn Jahren in der Szene hält, ohne an Reiz und Aktualität verloren zu haben! Erinnerst du dich noch an deinen allerersten Prototyp?
Na klar – als wäre es gestern gewesen! Damals reisten wir mit einem fetten Team nach Alaska, um den ersten Prototyp zu testen. Mit den Ingenieuren, die mit an Bord waren, wollten wir Flex, Rocker-Design und Shape finalisieren. Als ich dann im Sommer nach Österreich flog, um die zweite Entwicklungsphase des „Bent Chetler“ auf dem Dachstein abzuspulen, realisierte ich schon nach den ersten Schwüngen, dass wir etwas Außergewöhnliches erschaffen hatten.

2. Wie lief die Zusammenarbeit mit den Ingenieuren aus Altenmark über all die Jahre?
Seit meinem ersten Tag pflege ich eine unglaublich familiäre Beziehung mit dem gesamten Team von Atomic. Gerade in der Anfangszeit unserer Zusammenarbeit war ich wirklich oft in Österreich. Inzwischen versuche ich, wenigstens einmal pro Jahr im Headquarter aufzuschlagen.

3. Wie bist du damals überhaupt auf die Form des „Bent Chetler“ gekommen?
Bevor ich zu Atomic wechselte, hatte ich K2-Latten an den Füßen. Als mir die Jungs aus Seattle einen Prototyp des „Made ’n AK“ schickten, war klar, dass dieser Shape Freeskiing komplett verändern würde. Der Ski mit seinen für damalige Verhältnisse immensen Rockern hatte aber noch viele Schwachstellen. Als genau in dieser Zeit Atomic bei mir anklopfte, ergriff ich die Chance und kreierte auf dem Vorbild des „Made ’n AK“ den ersten „Bent Chetler“, indem ich einfach die Fehler beseitigte.

4. Hast du eigentlich den „Bent Chetler“ an dein Riding angepasst oder war es umgekehrt?
Treffender würde diesen Prozess die erste Variante beschreiben. Mit den bestehenden Modellen von damals fühlte sich mein Riding mit Butters, Switch Landings und Smear Turns irgendwie nie frei an. Ich wusste also, was mein Ski können sollte, und habe ihn eben genau so mit Atomic dann realisieren können.

5. In den vergangenen zehn Jahren hast du den Ski kontinuierlich weiterentwickelt. Was waren dabei die größten Neuerungen?
Atomic versucht ständig, mit neuen Materialien die Konstruktionen zu verbessern. Ich glaube aber, dass die HRZN-Technologie den „Bent Chetler“ am gravierendsten verändert hat. Die Idee zu den kantenlosen konvexen Skienden kam mir, als ich ein Surfbrett von Rob Machado in den Händen hielt. Wir haben eine Menge Prototypen ausprobiert, bis wir diesen multi­dimensionalen Rocker finalisiert hatten, der definitiv zum Game Changer beigetragen hat.

6. Gibt es überhaupt noch Wege, diesen Ski zu ­verbessern?
Ich denke, schon, obwohl man die Möglichkeiten nicht sofort erkennt. Dennoch versuche ich, alle meine Ideen zu verwirklichen – auch wenn es inzwischen nur noch in sehr kleinen Schritten vorwärtsgeht.

7. Und wenn du über den Atomic-­Tellerrand hinausblickst, wohin führt die Entwicklung im ­Skibau?
Wir werden immer wieder neue Materialien und Technologien im Skibau finden. Ich hoffe allerdings, dass der Fokus in der Zukunft auf einer nachhaltigen Produktion liegt.

8. Lass uns am Schluss noch kurz über Nimbus sprechen: Geht da wieder etwas zusammen?
Inzwischen hat jeder eine echte Fami­lie zu Hause, was es uns, mal ganz abgesehen von den schrumpfenden Budgets, schwierig macht, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Wir wollen aber diesen Winter definitiv wieder gemeinsam in Japan durch den Pow surfen. Vielleicht ergibt sich daraus ja etwas Größeres. Vorerst hängen aber wie gesagt alle in ihren eigenen Projekten und Familien fest.