Seit Ende des 20. und Beginn des 21. Jahrhundert sprießen Freestyle-Sportarten aus dem Boden wie nie zuvor.

Dabei sind die Ursprünge, wie Daniel Gärtner in seinem Buch „Trends im Sport- und Freizeitverhalten“ beschreibt, hauptsächlich im Surfen und im späteren Skateboarding zu finden. Im späteren Verlauf kamen immer mehr Elemente aus unterschiedlichen Kampfsportarten, dem Geräteturnen oder auch dem Breakdance hinzu und einige Freestyle Sportarten schafften es über einen Trend hinaus zur olympischen Disziplin. Hierzu gehören bekanntermaßen das Freestyle-Skiing oder auch die Halfpipe.

Der große Boom und die Beliebtheit der Freestylesportarten lässt sich nicht nur daran erkennen, dass einige Sportarten es zur olympischen Disziplin geschafft haben, sondern auch daran, dass während der Wintersportwettbewerbe die Freestyle-Disziplinen zu den Favoriten bei den Anbietern von Live-Sportwetten gehören.

Zillertal Arena, Austria

Wer es mit dem Freestylen ernst meint und auf ein professionelles Niveau aufsteigen will, der wird schnell feststellen, dass der reine Spaß am Sport und den Übungen, Bewegungen sowie dem Experimentieren mit dem eigenen Körper in der jeweiligen Saison des Sports schon lange nicht mehr ausreicht. Im Gegenteil: Freestyle ist zum Leistungssport geworden und es gehört ebenso ein ganzjähriges Training dazu wie bei anderen Leistungssportarten. Allerdings haben die Freestyler in Wintersportarten den Nachteil, dass nicht das ganze Jahr über Schnee zu finden ist. Daher haben sich viele ihre eigenen Techniken und ausgefallenen Trainingsmethoden überlegt, die kreativ, effektiv und spannend zugleich sind.

Vorbereitung außerhalb der Saison – Training ohne Schnee

Die Praxis hat gezeigt, dass sportliche Höchtleistungen beim Snowboard- und Skiing-Freestyle nur dann erreicht werden können, wenn die notwendigen Bewegungsabläufe, Grundlagen und Erfahrungen bereits im Kindesalter in Fleisch und Blut übergingen.

Das viral gegangene Trainingsvideo des Freestylers Andri Ragettli ging um die Welt, weil es so kreativ und abwechslungsreich war. Doch genau das ist es, was das Training eines Freestylers außerhalb der Saison ausmacht.

Da die Bewegungsabläufe so komplex, vielseitig und abwechslungsreich sind, muss auch das Training diesen Umstand widerspiegeln. Außerhalb der Saison in den Monaten Juni bis November empfehlen die meisten Freestyler daher so häufig wie möglich Übungen auf Rollen, um Grundformen zu festigen und neue Tricks aufzubauen. Hierfür eignen sich Skateboard oder auch Inlineskates gleichermaßen. Das Absolvieren großer Distanzen auf Parkours, Anlagen und Elementen gehört ebenso zum Grundrepertoire in dieser Periode wie der Transfer zum Schnee.

In der Übergangsperiode von April bis Mai trainieren Freestyler in der Regel mindestens 3 mal pro Woche und versuchen, möglichst viele andere Sportarten auszuprobieren und zu erkunden. Auch hier spielt der Transfer zu Rollsportarten meist eine große Rolle, da neue Tricks und Möglichkeiten erkundet werden können, die beim späteren Aufbau der eigenen Übung hilfreich sein können.

Bewegungsabläufe lassen sich auch auf einem Trampolin hervorragend festigen, weshalb viele Freestyler das Sprunggerät zum Intensivtraining nutzen und zudem gefahrlos neue Positionen in der Luft studieren, ausprobieren und trainieren.

Der Zusammenhang zwischen Freestyle und Skaten bzw. Inlineskaten

Nicht nur die Tatsache, dass sich der Freestyle aus dem Surfen und Skaten entwickelt hat, macht den Zusammenhang der Disziplinen heute deutlich. Generell ist das Training auf Skates und Inlineskates eine hervorragende Ergänzung zum Training auf dem Schnee. Dies gilt insbesondere für das Freestyle-Skiing und die Halfpipe. Zwar sind nicht alle Freestyler auf dem Schnee auch geübte Skateboardfahrer, aber die Praxis zeigt, dass eine Affinität zum Skaten und Inlineskaten dazu führt, dass ein deutlich besseres Gespür für Übungen, Balance und die Tricks vorhanden ist als bei reinen Snowboardern. Das ist auch der Grund, warum es zum Erfolg im Freestyle-Skiing nicht nur darauf ankommt, gut Ski fahren zu können, sondern eben auch, die verschiedenen Elemente aus anderen Bereichen gut adaptieren zu können.

Generell sind alle Übungen sinnvoll, die zu einer besseren Athletik und allgemeinen Fitness beitragen. Insbesondere auch Elemente aus dem Geräte- und Bodenturnen sowie dem Kampfsport helfen vielen Freestylern dabei, fundamentale Skills durch eine Vielzahl verschiedener Umgebungen und Sportarten zu erlernen und die eigenen Kapazitäten durch die Verbesserung der körperlichen Fitness zu erweitern. Wer also dachte, als Freestyler im Wintersport müsse man nicht so hart und viel über das ganze Jahr hinweg trainieren, der wird schnell erkennen, dass das Gegenteil der Fall ist. Kaum eine Disziplin erfordert ein so umfangreiches und komplexes Trainingsprogramm wie das eines Freestylers.