Legendary Skis – es gibt im Sport wie in der Wissenschaft wie Erfindungen, die zunächst als geistiger Dünnschiss abgetan werden, weil sie ihrer Zeit zu weit voraus waren. In dieser neuen Rubrik huldigen wir Skimodellen, die Freeskiing revolutioniert haben. Den Anfang übernimmt natürlich Shane McConkeys Pontoon.

Genialität hat einen Namen

Shane McConkey war einer dieser Rider, bei denen nicht das eigene Fahrkönnen, sondern das damalige Material die Grenzen des Machbaren vorgab. Ständig machte er sich Gedanken darüber, wie man die Skikonstruktion verändern müsste, um die Vision seines Ridings Realität werden zu lassen. Als Shane einem Kumpel beim Wasserskifahren zusah, wurde ihm klar: „Frischer, tiefer Powder verhält sich eigentlich genauso wie Wasser!“ Um ebenso mühelos durch den lockeren Schnee gleiten zu können, wie er es beim Wasserskifahrer gesehen hatte, musste er die Konstruktionsweise des Wasser- auf einen Alpinski übertragen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf skizzierte Shane 1996 in einer Bar im argentinischen Resort Las Lenas seinen idealen Powderski auf einer Serviette: Der breiteste Punkt unter der Bindung, damit ausreichend Auftrieb generiert wird. Tip und Tail laufen schmaler aus, um ein Verschneiden beim Turn zu verhindern. Zudem müssen die Skienden jederzeit aus dem Schnee ragen, also nach oben aufgebogen werden.

Zu visionär

Heute sind die Prinzipien „Reverse Sidecut“ und „Reverse Camber“ weit verbreitet. Als Shane seinen Jungs – allesamt gestandene Big-Mountain-Rider – in jener besagten Bar seinen Entwurf vor die Nase setzte, hielten sie seine Idee schlichtweg für absoluten Schwachsinn. Schließlich widersprach seine Vision allen Regeln der konservativen Konstruktionskunst im Skibau. Als harter Freeride-Hund führte kein Weg am Riesenslalom-Carver vorbei. Auch wenn man damit nach den Regeln der Physik im Powder von Haus aus zum Absaufen verurteilt war. So verschwand die Skizze in McConkeys goldener Schublade für Geistesblitze und abgedrehte Ideen.

Round Two

In den folgenden Jahren wurden die Skimodelle von den Entwicklern dann in eher homöopathischen Dosen verbreitert. Allerdings hielt man am konventionellen Shape – mit all seinen Nachteilen im Powder – fest. Das wollte Shane nicht akzeptieren. Er schreckte nicht einmal davor zurück, sich eine Alpinbindung auf ein altes Paar Wasserski zu schrauben und damit in Alaska ein paar Lines zu shredden und seine Theorie zu untermauern. Mit Erfolg: Er überzeugte seinen damaligen Sponsor, Volant, einen Ski nach seinen Vorstellungen zu bauen: den Spatula. Shane war von den ersten Testfahrten begeistert, doch die wirtschaftlichen Probleme der Firma machten ihm einen Strich durch die Rechnung.

Da ist das Ding

McConkey hatte nun den Beweis, dass er den richtigen Riecher hatte und bestand beim Wechsel ins K2 Team darauf, dass man seine Idee dort zusammen weiterentwickelte. 2006 wurden die Bemühungen des Kanadiers, den perfekten Powderski zu bauen, schließlich mit der Markteinführung des K2 Pontoon belohnt. Die Dimensionen waren revolutionär: 160 – 130 – 120. Eine gewaltige, quasi unsinkbare Schaufel, die megabreite Plattform, das schmal auslaufende Pintail und die positive Vorspannung erfüllten ihren Zweck: Ungläubiges Staunen bei jedem, der zum ersten Mal damit unterwegs war und über den Schnee flog. Das Klischee vom bis dahin nie dagewesenen, mühelosen Powdersurfen traf voll und ganz auf das Fahrverhalten des Pontoon zu.

Shanes Erbe

Durch den gewaltigen Erfolg dieser neuen Skigeometrie dauerte es auch nicht lange, bis andere Hersteller ihre eigenen Modelle mit Reverse Camber/ Sidecut und Rocker nachlegten. Das kraftraubende Tiefschnee-Herumgehopse auf schmalen Skiern gehörte damit endgültig der Vergangenheit an. 2012 – also nach McConkeys Tod – kam dann der „Pon2oon“ als überarbeitetes Nachfolgermodell heraus. Man ließ das Pintail weniger spitz und deutlich flacher auslaufen und versteifte das Heck. Die Performance im kompakten Schnee und bei höheren Geschwindigkeiten wurde dadurch deutlich verbessert. Und auch wenn der Pon2oon bereits zwei Jahre später wieder aus der Produktpalette gestrichen wurde, findet man sein und damit Shanes Vermächtnis nach wie vor in den aktuellen Modellen der unterschiedlichsten Hersteller wieder…