Wetterrückblick zur Saisoneröffnung
Im Zeitraum von Donnerstag, dem 20.11., bis Mittwoch, dem 26.11.2025, sorgte eine Kaltfront aus Westen in Verbindung mit einem Tief südlich des Alpenhauptkamms für signifikante Niederschläge. Oberhalb von rund 1800 m fielen verbreitet 20 cm Neuschnee. Entlang der Grenze zu Italien und Slowenien wurden gebietsweise Neuschneemengen von bis zu 50 cm verzeichnet.
Der Wind agierte dabei, insbesondere entlang der Grenze zu Salzburg, zeitweise stark aus wechselnden Richtungen. In den südlichen Beurteilungsregionen blieben die Windgeschwindigkeiten insgesamt geringer. Nachfolgend sind die Aufzeichnungen der relevanten Wetterstationen dargestellt.

Abbildung 2: Daten der automatischen Wetterstation Plöcken – Mauthner Alm Wind (1765 m).

Im Anschluss an die Niederschlagsphase dominierte häufig wolkenloser Himmel, während der Wind meist nur noch schwach bis mäßig wehte. In einigen Regionen hielt sich eine hochnebelartige Bewölkung bis auf Kammniveau, sodass oft nur die höchsten Peaks der Hohen Tauern frei lagen. Dort trat zeitweise starker Südwestwind mit Spitzen um 50 km/h auf.
Verlauf der Gefahrenstufe
Aufgrund der isolierten Gefahrenstellen wurde die Lawinengefahr initial von Dienstag, 25.11.2025 bis Donnerstag, 04.12.2025 in der Höhe meist mit Stufe 2 (mäßig) bewertet. Bedingt durch den Rückgang der potenziellen Lawinengröße und der Anzahl der Hotspots sank die Beurteilung ab Freitag, 05.12.2025 verbreitet auf Stufe 1 (gering).

Analyse der Schneedecke
Besonders an Schattenhängen oberhalb von ca. 2600 m haben sich in den vergangenen Wochen sowohl bodennah als auch im mittleren Teil der Schneedecke kantig aufgebaute Schichten (Faceted Crystals) gebildet.

Begünstigt durch klaren Himmel und kalte Nächte zwischen dem 29.11. und 04.12.2025 vollzog sich auch im oberen Teil der Schneedecke, vorwiegend in der Höhe, eine aufbauende Umwandlung.
Ein observiertes Profil aus dem Einzugsgebiet des Gartnerkofels diente als Basis für weitere Berechnungen mit dem Modell SNOWPACK ab dem 28.11.2025. Die aufbauende Umwandlung im oberen Drittel ist in der Simulation deutlich erkennbar.

Durch die aufbauende Umwandlung verringert sich die Anzahl der Bindungen innerhalb dieser Schichten (Sinterung nimmt ab). Folglich wurde ein Rückgang der Störanfälligkeit und der Auslösebereitschaft beobachtet.
Der LWD Kärnten führte am 04.12.2025 Schneedeckenuntersuchungen sowie Stationswartungen im Bereich des Mölltaler Gletschers durch.

Abbildung 8: Wartungsarbeiten an der automatischen Wetterstation Eissee.Bei den durchgeführten Stabilitätstests, insbesondere beim ECT, konnte in den kantigen Schichten keine Bruchfortpflanzung (Propagation) erzeugt werden.

Oberflächenreif und meteorologische Prozesse
Ein wesentlicher Faktor der letzten Tage war die Bildung von Oberflächenreif (Surface Hoar), da die Temperatur der Schneeoberfläche häufig unter den Taupunkt sank. Dieser Prozess entsteht durch starke nächtliche Abstrahlung, wodurch die Schneeoberfläche unter den Taupunkt der aufliegenden Luftschicht abkühlt. Der Wasserdampf sublimiert direkt als Reif auf der kalten Oberfläche. Eine hohe relative Luftfeuchtigkeit begünstigt diesen Vorgang.
Die Analyse der automatischen Wetterstation Heiligenblut Viebichl Hochtor (2407 m) zeigt die Zeiträume mit Potenzial für Reifbildung (grau hinterlegt).

Die tiefe Schneeoberflächentemperatur auf 3000 m, hier an einem Osthang nach nächtlicher Abstrahlung, ließ sich auch im Schneeprofil nachvollziehen.

Abbildung 12: Schneeprofil im Bereich Baumbachspitze am 04.12.2025.Diese Bedingungen förderten die aufbauende Umwandlung der Schneedecke. Aufgrund einer insgesamt geringeren Luftfeuchtigkeit im Hochgebirge war das Potenzial für flächigen Oberflächenreif in diesem Höhenbereich jedoch limitiert.
Ausblick
Die verbleibenden Gefahrenstellen konzentrieren sich aktuell auf sehr steile Schattenhänge im Hochgebirge. Vor allem in Rinnen und Mulden können hier vereinzelt kleine Schneebrettlawinen ausgelöst werden.



