Wie wird Slopestyle bewertet und wer sind die Judges bei Olympia?

0
Wie wird Slopestyle bewertet und wer sind die Judges?
Wie wird Slopestyle bewertet und wer sind die Judges?

Am Wochenende finden die Slopestyle Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea statt. Zeit sich über die Richtlinien zur Bewertung der Runs zu informieren und wer sind eigentlich die Wettkampfrichter?

Slopestyle Bewertungskriterien bei den Olympischen Spielen 2018

Über das Judging bei Slopestyle Events wird regelmäßig sehr leidenschaftlich diskutiert. Dies liegt hauptsächlich daran, dass in der Bewertung eines Slopestyle Runs immer ein gewisser Anteil an Subjektivität enthalten ist. Wie also genau entscheiden die Judges, welchen Score sie dem Fahrer geben?

Die Slopestyle Judging Kriterien

Bei den Olympischen Spielen gelten die gleichen Judging Kriterien wie bei quasi allen anderen großen Slopestyle Wettbewerben wie der DEW Tour, den X Games oder bei den FIS Slopestyle Weltcups. Die Grundlage bildet die Judging Philosopy der Association of Freeski Professionals (AFP).

Overall Impression

Das wichtigste Kriterium bei der Bewertung eines Slopestyle Runs ist die sogenannte Overall Impression, also die (subjektive) Bewertung des kompletten Runs. Die Judges achten dabei auf die Gesamtperformance, also wie sicher sich der Fahrer durch den Kurs bewegt, wie kreativ er das Setup nutzt und wie kreativ sowie technisch seine Tricks sind.

Dieses Kriterium ist deshalb so wichtig, da hierdurch die Freiheit des Slopestyles in der Ausführung gewährleistet werden soll. Freeskiing lebt von der unterschiedlichen Ausführung („im Freeskiing kann man fahren wie man will) und die Overall Impression soll diese Freiheit in einem (Teil)Score festhalten.

Neben der Overall Impression sind 5 weitere Faktoren für die Bewertung eines Slopestyle Runs festgelegt:

  • Progression
  • Amplitude
  • Variety
  • Execution
  • Difficulty

Progression

Hierbei geht es darum, wie oft ein Trick bereits gemacht wurde bzw. wie oft dieser Trick in Contests gezeigt wird oder ob er überhaupt schon einmal in einem Slopestyle Wettbewerb gestanden wurde. Die Judges müssen daher immer auf dem neuesten Stand sein, welche Tricks die Fahrer aktuell im Slopestyle zeigen. Ein Trick, der bisher noch nie in einem Contest gestanden wurde, wird höher bewertet als ein „Standard“ Trick. Zudem wird bei einer unsauberen Ausführung eines sehr seltenen Tricks weniger vom Score abgezogen.

Folgen Punkte spielen eine Rolle beim Kriterium Progression:

  • Neue und ungewöhnliche Tricks
  • Neue oder mehr Drehungen mit ungewöhnliche Achsen oder Rotationen
  • Neue, ungewöhnliche oder schwierige Grabs
  • Neue Trickvariationen von bereits vorhandenen Tricks oder Grabs
  • Kreativität (Grabs, Line, Kursnutzung im Allgemeinen)

Amplitude

Hierbei geht es um die Sprunghöhe, die vor allem in der Halfpipe sehr entscheiden ist. Hierbei muss der Fahrer in allen Hits einen möglichst höhen Sprung zeigen.

Variety

Beim Variety Kriterium geht es um die Vielseitigkeit des Runs. Wenn ein Fahrer immer nur den gleichen Trick zeigt, ist dieser Punkt nicht erfüllt bzw. wird einen sehr geringen Teilscore einbringen. Die Fahrer sollten in ihrem Run möglichst viele verschiedene Tricks, Grabs und Drehachse zeigen.

Unter Variety fallen die folgenden Punkte:

  • Verschiedene Anfahrtsrichtungen: Vorwärts oder rückwärts (forward oder switch)
  • Verschiedene Drehrichtungen Sprung: Linksrum oder rechtsrum (leftside oder rightside)
  • Verschiedene Drehachsen: Single Spin („normaler Sprung“, off-axis (z.B. Cork oder Bio), Inverted (über Kopf), Flatspin (Flip, der nicht komplett über Kopf geht, also eine besondere Variante der off-axis Drehung), Double Cork (zwei mal off-axis in einem Sprung), Triple Cork (drei mal off-axis in einem Sprung)
  • Halfpipe: Spins mit Drehrichtung zum Ende der Pipe (down the pipe spins) and Drehrichtung zum Anfang der Pipe (ally-oop spins)
  • Verschiedene Grabs: Jeder Trick sollte im Idealfall mit einem anderen Grab durchgeführt werden

Execution

Bei der Execution bewerten die Judges eine Vielzahl an Bewegungen der Fahrer: Absprung, Landung, Grabs, Kontrolle in der Luft, Hand im Schnee und Stürze. Folgende Fragen dienen den Judges als Leitlinien für das Kriterium Execution:

  • Wie sauber war der Absprung?
  • Wie lange wurde der Grab gehalten?
  • Wie ruhig war der Fahrer in der Luft? Musste er mit den Armen den Sprung ausgleichen oder wurde der Trick in Ruhe sowie mit Kontrolle in der Luft ausgeführt?
  • Wurde das Feature (Rail, Box u.ä.) bis zum Ende gefahren?
  • Wie sauber waren die Landungen? War der Fahrer bei den Landungen mit der Hand im Schnee oder ist er mit Rückenlage gelandet (Backseat)?
  • Halfpipe: Hat der Fahrer die Transition, also den optimalen Landepunkt in der Halfpipe getroffen oder ist er zu weit unten (oder zu weit oben auf dem Deck) gelandet?
  • War die Line in der Halfpipe clean und wurden die Transitions überall korrekt gefahren?

Difficulty

Hierbei geht es um die technische Schwierigkeit der Tricks. Der Judge muss hierfür natürlich einschätzen können, wie schwer ein bestimmter Trick, am Kicker in Kombination mit einem Grab, ist. Hierbei ist besonders wichtig zu wissen, dass jeder Mensch eine natürliche (einfacher) und eine unnatürliche Drehrichtung (schwieriger) besitzt. Der Fahrer sollte in seinem Slopestyle Run verschiedene Drehrichtungen einbauen und somit zeigen.

Folgende Punkte spielen für das Kriterium Difficulty eine Rolle:

  • Anzahl der Rotationen
  • Richtung der Rotation (links/rechts, natural/unnatural)
  • Richtung der Anfahrt (vorwärts/rückwärts, forward/switch)
  • Grabs können die Rotation erheblich erschweren, vor allem wenn die Rotation sehr hoch ist wie z.B. bei einem 1260, also 3,5 Umdrehungen.
  • Die Drehachse des Tricks: gerade, off-axis, über Kopf, flatspin, double cork, triple cork
  • Kreative Runs sowie Transfers, also Sprünge innerhalb des Kurses, die auf den ersten Blick so nicht gedacht waren, erhöhen die Schwierigkeit eines Runs ebenfalls.

Der Score

Neben den oben genannten Judging Kriterien ist ein weiterer Punkt von hoher Wichtigkeit: Die Scores, der maximale Wert beträgt 100, ist immer daraus ausgelegt, ein Ranking festzulegen. Daraus folgt, dass die Scores von unterschiedlichen Contests und auch innerhalb eines Contests aber in unterschiedlichen Qualifikations Heats, nicht miteinander vergleichbar sind. Am Ende jedes Wettbewerbes zählt nur das Ranking, die Höhe des Scores ist unwichtig.

Das AFP Judging

Im folgenden Video erklärt die AFP ausführlich die Judging Kriterien.

Und wer bewertet den Slopestyle Contest bei Olympia 2018?

Für den wohl wichtigsten Contest des Jahres sind natürlich erfahrene Judges am Start:

  • Phil Belanger (CAN – Head Judge)
  • Steele Spence (USA)
  • Lao Chazelas (FRA)
  • Arnaud Cottet (SUI)
  • Urh Bulc (SLO)
  • Ole Kristian Strøm (NOR)

Alle Judges geben pro Run ihre persönliche Wertung ab (zwischen 0 und 100) und der Durchschnitt aus allen Werten ergibt dann den Endscore für den Fahrer.

Das Format im Slopestyle besteht bei Olympia aus einer Qualifikations und einer Finalrunde. In der Qualifikation hat jeder Fahrer zwei Runs, im Finale drei und der jeweils beste Score zählt für das endgültige Ranking.

Wer die Judges genau sind und warum sie die entsprechende Qualifkation zur Bewertung eines olympischen Contests mitbringen, haben unsere Kollegen von newschoolers.com ausführlich beschrieben.