In den vergangenen Tagen haben sich die Aussichten auf Neuschnee für die Südwestalpen mit jedem neuen Modelllauf sukzessive verschlechtert. Dass die Dolomiten von diesem Setup nicht profitieren würden, zeichnete sich bereits frühzeitig ab, doch nun wurden auch für viele andere Regionen die prognostizierten Summen nach unten korrigiert. Die wachsende Diskrepanz zwischen den verschiedenen Wettermodellen deutet auf eine unsichere Lage hin. Ein Blick auf die aktuellen Berechnungen zeigt, was von der ursprünglichen Vorhersage übrig geblieben ist.
Kleine Veränderungen mit großer Wirkung
Noch vor zwei Tagen deutete alles auf einen Trog hin, der ab Freitag Schnee in die Südalpen bringen sollte. In den darauffolgenden Modellberechnungen gewann jedoch die Hochdruckblockade im Osten der Alpen zunehmend an Dominanz, was dieses Szenario weitgehend zunichtemachte. Ein Vergleich der Karten von vorgestern und heute Morgen zeigt: Obwohl das grundlegende Muster sehr ähnlich aussieht, haben minimale Verschiebungen massive Auswirkungen auf die Frage nach Schnee oder keinem Schnee. In diesem Fall scheint das ECMWF-Modell im Vergleich zum GFS die präzisere Einschätzung geliefert zu haben, da dessen gesamtes Ensemble bereits seit einiger Zeit deutlich niedrigere Mengen anzeigte.

Auf den Höhenwetterkarten (500 hPa, ca. 5,5 km Höhe) zeigen die aktuellen Läufe zwar immer noch einen sehr ähnlichen Trog, dieser wurde jedoch durch einen dominanteren Hochdruckblock, der sich von Süditalien bis ins Baltikum erstreckt, etwas weiter nach Westen abgedrängt. Dieses Hoch bleibt über das Wochenende bestimmend und blockiert heranziehende Systeme.
Dennoch gelingt es einem Kaltlufttropfen, sich von der Hauptströmung abzuschnüren und sich vorübergehend über dem Mittelmeer festzusetzen. Die Folge ist ein schnelles Drehen der Strömung auf Südost, ohne dass sich zuvor ein klassischer Südstau entwickeln kann. Der Schneefall beschränkt sich dadurch auf einen kleinen Winkel der Südalpen.
Zwei Schneephasen
Abgesehen von leichtem Schneefall im Tessin und den angrenzenden Gebieten ab heute Nacht, wird der erste nennenswerte Schnee von Freitag auf Samstag im Piemont und den französischen Südalpen erwartet. Anfangs bleiben die Temperaturen noch relativ mild, mit einer Schneefallgrenze meist zwischen 1300 und 1600 Metern. Die Modelle, einschließlich einiger hochauflösender Varianten, weisen nach wie vor große Unterschiede bei den Niederschlagsmengen auf, weshalb für diese erste Phase Nowcasting unerlässlich sein wird.
Von den Écrins bis zu den Seealpen sind derzeit etwa 15 bis 30 cm zu erwarten, wobei lokal höhere Mengen möglich sind. Insbesondere auf der französischen Seite könnten Schauer, die über dem Mittelmeer aktiviert werden, bei entsprechender Zugbahn lokal für mehr Niederschlag sorgen. In den Gebieten nördlich von Turin werden 10 bis 20 cm prognostiziert, mit Ausreißern nach oben in begünstigten Staulagen.
Im Laufe des Samstags lässt die Niederschlagsintensität nach, wobei sich der Schneefall im westlichen Piemont durch anhaltende orographische Hebung noch etwas länger halten kann. Die zweite Phase setzt im Verlauf des Sonntags ein und dauert bis Montag an. Dabei strömt kältere Luft aus Osten ein, wodurch die Schneefallgrenze generell auf tiefere Lagen sinkt. Sie startet bei etwa 1000-1200 Metern, kann aber bei anhaltendem Niederschlag bis in viele Täler fallen.
Laut mehreren Modellen bleiben die Summen durchaus substanziell, wobei der Fokus diesmal hauptsächlich auf der italienischen Seite liegt (mit Ausnahme der französischen Grenzregionen, die von einem Retour d’Est profitieren). Somit dürften ab Montag im Piemont echte Powder-Bedingungen herrschen. Von Prato Nevoso bis Prali ist bis zu einem halben Meter Neuschnee möglich. Ein Vorteil in dieser Region ist die bereits vorhandene solide Base aus dem letzten PA#2-Event, weshalb weniger Neuschnee nötig ist, um gute Bedingungen im Gelände vorzufinden.
Weiter nördlich fallen die erwarteten Mengen geringer aus, die Aussichten sind jedoch nicht grundsätzlich schlecht. Mittelfristig ist Vorsicht geboten, da auch die Rückseite dieses Schneeereignisses schwächer ausfällt: Am Dienstag fließt zunehmend kalte Kontinentalluft aus Osten in die Po-Ebene und der Himmel klart großflächig auf.



