Da der operative GFS-Run derzeit recht sprunghaft verläuft, bezieht der Autor sich auf das realistischere Ensemble-Mittel (NCEP).
Die Alpen liegen aktuell in einer Zangenlage zwischen einem Trog im Westen und einem Hochdruckgebiet im Osten, was in einer beständigen Südströmung resultiert. Dies sorgt für eine signifikante Erwärmung, die unterhalb von 1800 Metern zu Gleitschnee-Lawinen führen kann.
Weiter oben beeinflusst der Wind weiterhin die Schneedecke, wodurch die Lawinengefahr stark variiert und sich schnell ändern kann. Die Südströmung transportiert zudem Feuchtigkeit, was vorerst im Piemont oberhalb von etwa 1400 Metern für ergiebige Schneefälle sorgen dürfte.
Zunehmende Bewölkung und relativ milde Bedingungen
In den kommenden Tagen bleiben die Bedingungen in den Alpen recht ruhig. Es wird weiterhin sonnige Abschnitte geben, doch Ausläufer von Störungen sorgen – besonders im Westen und Süden – für zunehmende Bewölkung. Tagsüber liegt die Nullgradgrenze in den Südalpen zwischen 1400 und 1800 Metern, während sie nördlich des Alpenhauptkamms und in den französischen Nordalpen auf 2000 bis 2400 Meter klettert.
Da die Südströmung am Freitag und Samstag zunimmt, werden sich diese Unterschiede weiter verstärken, wobei der Südföhn an Kraft gewinnt.
Im Tessin, in Graubünden sowie im äußersten Norden des Piemont und der Lombardei können ab Donnerstag erste Stauniederschläge auftreten. Viel wird hierbei jedoch nicht erwartet: Mehr als 5 bis 10 Zentimeter oberhalb von 1600 Metern sind unwahrscheinlich.

Schnee im Piemont ab Sonntag – 50 cm durchaus möglich
Sonntag und Montag dürften die interessantesten Tage werden. Aus Süden heranziehende Niederschläge erreichen die Seealpen und breiten sich über das Piemont aus. Auch die südfranzösischen Grenzregionen sollten Schnee abbekommen, mit etwas Glück auch das Aostatal und das Wallis. Der stärkste Schneefall wird voraussichtlich erneut in den Seealpen und den südlichen Teilen des italienischen Innenbogens auftreten.
Dabei prognostizieren die Modelle Summen zwischen 20 und 120 Zentimetern. Als Indikation nutze ich das Ensemble-Mittel. Ein halber Meter erscheint derzeit als vorsichtige, aber realistische Einschätzung. Die Schneefallgrenze liegt bei rund 1500 Metern, kann aber bei intensiverem Niederschlag um einige hundert Meter sinken.
Meist trocken und mild in anderen Regionen
Gestern wies Henri bereits auf die große Unsicherheit in den Modellberechnungen hin und bemerkte zu Recht Probleme bei einigen Berechnungen für die Südalpen. Heute Morgen zeichnete sich ein klarerer Trend ab, den wir bereits vermutet hatten: Unter dem Einfluss des osteuropäischen Hochdrucks bleiben die östlichen Südalpen voraussichtlich trocken. Dieses Muster haben wir in dieser Saison wiederholt gesehen, was für diese Regionen bisher sehr ungünstig war.
Vorerst bleiben die Alpen unter einer Südströmung mit entsprechend milden Bedingungen. Erst in der letzten Januarwoche steigt die Chance auf kältere Luft aus Osten – wenn auch nicht zwingend mit viel Niederschlag.

Lawinenwarnstufe 3-4 durch Wind und schwaches Fundament
Wir hatten einige fantastische Tage, besonders in den Westalpen, mit viel Sonne auf 50 bis 130 Zentimetern Fresh Snow. Die extreme Lawinengefahr war breit angekündigt worden, was viele Freerider dazu veranlasste, im mellowen Gelände und in den Treeruns zu bleiben. Angesichts der tödlichen Lawinen oberhalb der Baumgrenze war dies eine weise Entscheidung.
Jetzt, da die Gefahrenstufe in den meisten Regionen auf Level 3 gesunken ist, werden wieder mehr Lines attraktiv. Allerdings ist das schwache Fundament der Schneedecke (Altschneeproblem) immer noch vorhanden und bleibt ein Grund für größte Vorsicht. Tiefere, sonnenexponierte Hänge sind durch das wärmere Wetter anfälliger für Gleitschnee-Lawinen geworden. Lokales Wissen und eine gründliche Vorbereitung sind essenziell.

