Update Powderalarm #4
Der Niederschlagszyklus des vierten Powderalarms hat bereits bis zu 35 cm Neuschnee geliefert, und auf der italienischen Seite beginnt das Event gerade erst richtig. Es ist Zeit für einen detaillierten Blick auf die bisherigen Schneemengen und die Regionen, in denen der Powder noch anwachsen wird. Der heutige Überblick umfasst:
- Die aktuelle Schneelage
- Neueste Erkenntnisse: Mehr Schnee für das Nord-Piemont?
- Lawinengefahr – nach wie vor akut
- Powder-Geschehen in den Pyrenäen
- Ausblick auf eine konsistente Wetterlage
Was bisher gefallen ist
Ein kurzer Check der Webcams und Wetterstationen zeigt, dass beide Seiten des Alpenhauptkamms signifikante Neuschneemengen verzeichnen. Auf der französischen Seite führen Auron und Puy St. Vincent mit rund 30 cm die Liste an, während Pra-Loup, Orcières-Merlette ebenfalls Freshies abbekommen haben.
Näher am Alpenhauptkamm verzeichnen Gebiete wie Val d’Isère und Montgenèvre ebenfalls Neuschnee. Auf der italienischen Seite sind großflächig bereits 10–15 cm gefallen, mit tieferen Pockets in Ceresole (30 cm), Limone (25 cm), Bardonecchia (25 cm) und Macugnana (20 cm). Tiefer im Aostatal fallen die Mengen bisher geringer aus, hier liegen wir allgemein bei 5–10 cm.
Update: Nord-Piemont lädt nach
Während der Schneefall in den französischen Südalpen am Nachmittag nachlässt, bietet sich auf der italienischen Seite ein anderes Bild. Der Schnee fällt hier stetig und anhaltend bis Montagabend weiter. Die Intensität wird schwanken, aber die Dauer des Niederschlags ist hier der entscheidende Faktor. Unsere frühere Prognose von 40–80 cm für das Piemont, mit lokalen Spitzen bis zu einem Meter, hat unverändert Bestand. Die Schneefallgrenze liegt vorteilhaft niedrig bei ca. 1.000 Metern.
Neu in der Analyse: Die Zone zwischen der A32 (Modane) und der A5 (Courmayeur) kristallisiert sich nun deutlich als Sweet Spot heraus. Champorcher meldet bereits 25 cm, und mindestens die gleiche Menge wird noch erwartet. Das Monte-Rosa-Massiv könnte insgesamt 25–50 cm erreichen, wobei ein großer Teil davon bereits gefallen ist.
Entlang des Alpenhauptkamms wird der Schnee erneut stark durch Wind verfrachtet – ein Faktor, der bei der Wahl der Lines zwingend berücksichtigt werden muss.
Lawinensituation
Da der Neuschnee auf eine bereits sehr instabile Altschneedecke fällt, liegt die Gefahrenstufe fast überall bei mindestens 3, in den französischen Alpen lokal bei 4. Der Schnee der letzten Woche war bereits extrem leicht auszulösen. In Kombination mit dem Neuschnee und den jüngsten Triebschneeansammlungen bleibt die Situation vielerorts heikel.
Je nach weiteren Neuschneemengen könnten Teile des Piemont ebenfalls in eine hohe Gefahrenstufe kippen. Dieser Winter hat ein kritisches Fundament aufgebaut; konservative Routenwahl ist daher keine Option, sondern Pflicht. Wald, flaches Gelände und saubere Auslaufzonen sind ratsam.
Stay safe, ride smart.
Powder auch in den Pyrenäen
Während die Westalpen gestern im Fokus standen, sind auch die Pyrenäen ein relevanter Faktor. Dank der Zugbahn des Tiefdruckgebiets fällt der Schnee bei einer Süd- und später Ostströmung. Oberhalb von 1400–1600 m verzeichnen viele Gebiete bereits 30–80 cm Schnee. Heute begünstigt der Schneefall Hänge am und südlich des Hauptkamms.
Bis Montag dreht die Strömung mehr auf Ost, was die Niederschläge an der Ostflanke des Massivs, insbesondere auf der französischen Seite, intensiviert und die Schneefallgrenze sinken lässt.
Auf der spanischen Seite ist die Schneehöhe aktuell überdurchschnittlich, mit rund 90 cm auf 2200 m. Auf der französischen Seite zeigt sich ein scharfer Kontrast: Etwa 40 cm auf 2000 m im Westen gegenüber 100–140 cm im Osten, wo auch eine solide Basis bis auf 1500 m vorhanden ist. Die Hauptgefahren hier sind Triebschneeansammlungen und große Neuschneemengen. Andere Schneedecke, gleiche Regeln – lokale Lageberichte prüfen, bevor man in den Hang einfährt.
- Lagebericht Frankreich (Lokal hohe Gefahr!)
- Lagebericht Spanien
Ostalpen: Föhnlage
Während der innere Alpenbogen Italiens bis Dienstag weiter Schnee sammelt, herrscht in weiten Teilen der restlichen Alpen Föhn.
Nördlich der Alpen ist es sonnig und mild bei rund +2°C auf 2000 m und lokal starkem Föhnwind. Südlich des Kamms ist es kühler, aber mit hartnäckigen Wolkendecken unter 2000 m, besonders heute. Diese sollten morgen allmählich aufbrechen.
Die Modelle deuten auf einen Streifschuss von ca. 5 cm für Teile der Dolomiten und Kärnten zwischen Sonntagnachmittag und Montagmorgen hin.
Stabiles Wetteruster wahrscheinlich
Dieses Setup erinnert stark an den PowderAlert #2 von Ende Dezember, als ein Mittelmeertief kontinuierlich Schneefälle ins Piemont und die umliegenden Regionen schaufelte. Die Druckverteilung für die kommenden zwei Wochen deutet stark darauf hin, dass diesem großräumigen Muster der letzten Wochen weiter gefolgt wird.
Hochdruck über Nord-/Nordosteuropa drückt trockene (teils kalte) Luft nach Mitteleuropa, während Tiefdruckgebiete über Südeuropa wiederholt Niederschläge in den Südwesten leiten. Dieses Signal ist in den Wetterkarten für die nächsten zwei Wochen deutlich erkennbar.
Auffällig ist die Ähnlichkeit des Druckmusters der nächsten Woche im Vergleich zur aktuellen Situation – nur kälter. Selbst in den langfristigen Ensembles bleibt eine ausgeprägte Tiefdruckachse sichtbar. Die Details entscheiden über die Jackpots. Ein kleines, aggressives Tief, das zwischen diese größeren Muster rutscht, kann das Szenario schnell ändern – genau wie am letzten Wochenende, als eine etwas nördlichere Zugbahn große Mengen in den (Nord-)Westalpen ablud. Südwest- und Südeuropa bleiben in der nächsten Periode aktiv, und die Alpen kommen ab dem nächsten Wochenende wieder ins Spiel. Eine erste schwache Front könnte die französischen Alpen bereits am Donnerstag erreichen.






