Mit der neuen Attack Hybrid 2026 steigt Tyrolia in die Liga der Hybridbindungen ein – und kombiniert erstmals volle Alpin-Performance mit Tourentauglichkeit in einem simplen System. Wie gut das Konzept in der Praxis funktioniert und ob es eine echte Alternative zu CAST oder Duke PT ist, zeigen wir im exklusiven Test.
Die neue Tyrolia Attack Hybrid 2026 im Praxistest
Als letzter der großen Bindungshersteller bringt nun auch Tyrolia eine Hybridbindung auf den Markt. Ähnlich dem Konzept von CAST und der Marker Duke PT setzt Tyrolia hier auf einen austauschbaren Vorderbacken..
In unserem exklusiven Test klären wir, was das System kann und wie es sich von den Alternativen unterscheidet.

So funktioniert das Hybrid-System der Attack
Das System der Attack Hybrid basiert auf der Idee, ähnlich wie bei CAST für die Look Pivot entwickelt, den Vorderbacken für den Aufstieg gegen ein Pin-Vorderbacken zu tauschen. Für die Abfahrt wird zurückgetauscht, man fährt also mit einer vollwertigen Alpinbindung inklusive der gewünschten Elastizität.
Im Gegensatz zu den bereits am Markt erhältlichen Varianten von CAST und Marker ist es mit der Attack Hybrid möglich, im Notfall auch mit dem Pin-Vorderbacken abzufahren. Das kann bei kurzen Abfahrten hilfreich sein, die man ungern als normale Fellabfahrten durchzieht oder wenn der Alpinvorderbacken verloren gegangen ist bzw. vergessen wurde.

Beim Gewicht liegt die Attack Hybrid zwischen der Marker Duke PT und der Salomon Shift 2. Tyrolia nutzt hier, möglicherweise inspiriert von älteren „Hacks“ aus dem TGR-Forum, die Idee von Rental-Bindungen, bei denen die Bindungsbacken auf Schienen geschoben werden. Dadurch lässt sich der Vorderbacken einfach tauschen.
Der Alpin-Vorderbacken wird in der Stellung „Ski“ fixiert, während der Pin-Vorderbacken die Stellungen „Hike“ und „Emergency“ ermöglicht. Der Hinterbacken wird ganz normal über eine Schraube für den Anpressdruck fixiert und eingestellt. Der Montagepunkt ist fix, da die Einrastpunkte am Vorderbacken nicht verstellbar sind. Den Hinterbacken könnte man theoretisch abnehmen, müsste aber vor jeder Abfahrt den Anpressdruck neu einstellen.
Eine Steighilfe würde dann fehlen und Tyrolia rät generell davon ab. Möglich wäre ein Wechsel zwischen mehreren Skiern, sofern Tyrolia die Baseplates der Attack Hybrid einzeln anböte. Das Bohrmuster ist leider nicht mit den normalen Tyrolia-Rentalplatten kompatibel.

Aufstieg: Tourenmodus und Handling im Gelände
Die Vorderbacken ließen sich im Test immer problemlos wechseln. Vereisungen traten keine auf, selbst bei vereisungsanfälligen Bedingungen. Die Metallzuglasche zur Entriegelung lässt sich auch mit dünnen Handschuhen gut bedienen. Das Umlegen eines kleinen Hebels genügt, um die Vorderbacken zu entfernen. Danach werden die Stopper durch Umklappen des Hebels und Drauftreten fixiert, bevor man losgeht.
Der Aufstieg im Pin-Modus funktioniert wie gewohnt. Man spürt zwar den etwas schwereren Hinterbacken im Vergleich zu reinen Tourenbindungen, das Verhalten ist aber sehr ähnlich zu CAST oder Duke PT. Die Steighilfe sitzt stabil in der Nullstellung. Mit dem Stock lässt sie sich nicht immer einfach hochklappen, hält aber zuverlässig.

Abfahrt: Fahrverhalten und Kraftübertragung im Detail
Im weichen Schnee funktioniert für mich mittlerweile auch das Fahren mit Pin-Tech-Bindungen gut. Sobald die Bedingungen wechselhaft, hart oder schlagig werden, ist der elastischere Alpinvorderbacken deutlich angenehmer. Nach dem Umbau fährt sich die Attack Hybrid wie eine klassische Alpinbindung.
Die Bindung ist zwar „nur“ eine 14er, doch im Test konnte sie mit den 16- oder 18-DIN-Modellen von Marker und Look problemlos mithalten. Vermutlich hat Tyrolia auf eine stärkere Version verzichtet, um Gewicht zu sparen, oder weil die Basis der 14er-Rentalbindung bereits gut in das Konzept passte und man dadurch gewichtstechnisch eine eigene kleine Nische für die Bindung bekommen hat und sich damit vom CAST System und der Marker Duke PT differenzieren konnte.

Der Stand ist niedrig, es entsteht kein zusätzliches Spiel durch die Toe-Platte. Die Kraftübertragung ist direkt, das Fahrgefühl vollwertig alpin, auch bei hoher Geschwindigkeit und z.B. im Park.
Ein Vorteil gegenüber anderen Systemen mit tauschbaren Vorderbacken ist die Möglichkeit, mit dem Pin-Vorderbacken im Notfall abzufahren. Optisch erinnert das an die Marker Kingpin. Der Modus ist zwar nicht für reguläre Abfahrten gedacht, bringt einen aber sicher vom Berg, wenn der Alpin-Vorderbacken fehlen sollte.

Vergleich mit anderen Systemen
Im Vergleich zum CAST System bietet die Attack Hybrid ein deutlich einfacheres Handling beim Umbau. Die CAST liefert zwar die höchste Downhill-Performance, ist aber schwer und in der Handhabung umständlicher.
Die Marker Duke PT ist ebenfalls etwas schwerer und baut höher auf. Die Atomic Shift 2 ist leichter und effizienter im Aufstieg, besitzt aber mehr bewegliche Teile und ist dadurch als Alpinbindung filigraner und anfälliger.
Die Tyrolia Attack Hybrid ist am einfachsten zu bedienen, solide konstruiert, niedrig gebaut und kommt ohne unnötige Mechanik aus. Sie ist klar auf Resort- und Sidecountry-Einsatz ausgelegt und weniger auf längere Touren.

Technische Details
Die Tyrolia Attack Hybrid gibt es als 14 MN/PT Version mit einem DIN-Bereich von vier bis vierzehn und als 11 MN/PT Version mit einem Bereich von drei bis elf.
Die beiden Varianten unterscheiden sich im Heel-Design. Die Hybrid 11 nutzt den SX-FR-Heel aus der Attack LYT 11, die Hybrid 14 den NX-FR-Heel aus der Attack 14 MN.
Die Standhöhe liegt bei 28mm am Vorderbacken und 32mm am Hinterbacken. Der seitliche Elastizitätsweg beträgt 30mm, der vertikale an der Ferse 16mm.
Die Bindung hat zwei Steighilfepositionen (0° und 9°). Bremsen gibt es in 95, 110 und 130 Millimetern Breite, Steigeisen in 90, 105 und 120mm (Dynafit-kompatibel).

Die Konstruktion wurde im Vergleich zur bestehenden Bindung überarbeitet und besteht nun zu 30 Prozent aus Carbonfasern anstelle von Glasfasern. Dadurch ist die Bindung leichter als eine klassische Attack, aber wirkt trotzdem stabiler als z.B. eine Shift 2.
Das Gewicht liegt bei ca. 380g für den Downhill-Toe, 120g für den Tech-Toe und 1140 g pro Ski in der Abfahrtskonfiguration. Im Aufstiegsmodus bringt das System 880g pro Ski auf die Waage, das Gesamtsystem inkl. Toepieces im Rucksack ca. 1260g je Ski.
Das mitgelieferte, optionale Schutz-Case für die Toe-Pieces wiegt ca. 160g und bietet die Möglichkeit, die Einzelteile so zu fixieren, dass im Rucksack nichts klappert. Die Bindung ist Multinorm-kompatibel und damit für Alpine, Gripwalk und Touring Sohlen zugelassen. Für den Aufstieg sind Tech-Inserts erforderlich.

Handling und Bremsen
Das Verriegeln der Stopper funktioniert über einen Metallbügel, der nach oben gezogen wird. Danach tritt man auf die Skibremse, um diese zu fixieren. Der Mechanismus ist simpel und funktional. Das Umstellen zwischen Touren- und Abfahrtsmodus ist intuitiv und ein wenig schneller als bei CAST oder Duke PT.
Auch bei Schnee- oder Eisaufbau gab es keine Probleme. Die mitgelieferte Box für die Vorderbacken ist praktisch, nimmt aber spürbar Platz im Rucksack ein, weshalb ich die Teile lieber lose oder in einem sehr leichten Beutel transportiere.

Einsatzbereich und Zielgruppe
Die Attack Hybrid ist keine reine Tourenbindung, sondern eine Alpinbindung mit Aufstiegsoption und ersetzt keine richtige Tourenbindung. Sie macht eher Alpinbindungen für Freerider überflüssig.
Sie ist gedacht für Freerider und Sidecountry-Skifahrer, die hauptsächlich im Skigebiet unterwegs sind, aber gelegentlich aufsteigen. Ideal ist sie auch für Reisende oder Fahrer, die ein Ein-Ski-Setup suchen, das sowohl Resort- als auch kurze Toureneinsätze abdeckt. Für längere Aufstiege oder Touren mit Fokus auf Gewicht und Gehkomfort ist sie weniger geeignet.

Fazit
Mit der Attack Hybrid bringt Tyrolia eine sehr gelungene Umsetzung des Hybrid-Konzepts auf den Markt. Die Bindung fährt sich wie eine vollwertige Alpinbindung, lässt sich einfach umbauen und wirkt robust sowie ausgereift.
Das Handling beim Wechseln der Vorderbacken ist unkompliziert, die Mechanik funktioniert auch bei Kälte und Schnee zuverlässig. Das System ist insgesamt leichter als CAST und Duke PT, aber massiver als die Shift 2.
Im Gelände überzeugt sie durch das direkte Fahrgefühl, die niedrige Standhöhe und die saubere Kraftübertragung. Für Freerider, die meist im Skigebiet unterwegs sind und nur gelegentlich aufsteigen, hat man nun neben CAST und Duke PT eine weitere Option auf dem Markt.
Für reine Tourengeher zu schwer, für Resort-Skifahrer jedoch ein echter Mehrwert, wenn man ab und zu selbst ein Stück gehen will.
| ✅ Pro | ❌ Contra |
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Video: Die Tyrolia Attach Hybrid in Action
Video: Jenna Keller über die neue Tyrolia Attack Hybrid 2026
Tyrolia Attack Hybrid: weitere Bilder
Tyrolia Attack Hybrid 14 MN 2026
Tyrolia Attack Hybrid 11 MN 2026
