Das Ende der Durststrecke?
In den Alpen herrscht derzeit extreme Trockenheit; vielerorts ist seit zwei Wochen kein Niederschlag mehr gefallen, begleitet von überwiegend positiven Temperaturen. Die Off-Piste-Bedingungen verschlechtern sich zunehmend. Besonders in den Nordalpen ist unterhalb von 2000 Metern viel Schnee geschmolzen, teilweise bedingt durch Föhneinfluss.
In einem begrenzten Teil des Alpenbogens ändert sich diese Situation ab heute Nacht. Anschließend kehrt der Hochdruckeinfluss zurück, bevor gegen Ende der Woche die Niederschlagswahrscheinlichkeit in den West- und Südalpen wieder ansteigt. Nachfolgend eine Analyse, wo in den kommenden 24 Stunden mit einem regionalen Dump zu rechnen ist und wie sich die Lage Richtung Weihnachten entwickelt.
Alpes-Maritimes im Fokus
Wie seit Tagen in den Modellen angedeutet, kehrt der Schnee zurück. Heute Abend zieht im Westen Bewölkung auf, ab Mitternacht erreichen die ersten Niederschläge die französischen Südalpen sowie das Piemont und Ligurien in Italien. Initial handelt es sich um einen klassischen Südstau, ausgelöst durch ein Tief über Spanien. Im Verlauf der Nacht stellt sich ein Retour d’est ein, der Niederschläge in die Alpes-Maritimes und den inneren italienischen Alpenbogen drückt.
Als Referenz dient primär die ECMWF-Niederschlagskarte. Das GFS-Modell zeigt sich bei den Mengen deutlich optimistischer und schiebt die Niederschläge weit nach Norden, was Schneefall in weiten Teilen der französischen und italienischen Alpen bedeuten würde.
Andere Wettermodelle wie ICON und ECMWF begrenzen signifikante Niederschläge jedoch auf den äußersten Süden. Dieses Szenario, mit bis zu einem halben Meter Schnee in den Alpes-Maritimes (Isola 2000, Limone Piemonte, Prato Nevoso), aber lediglich 10-30 cm in den französischen Südalpen und der nördlichen Hälfte des Piemonts, ist als wahrscheinlicher einzustufen.
Schneefallgrenze und Isothermie
Der erste Niederschlag fällt bei einer Schneefallgrenze um 1500 Meter. Dank Isothermie sinkt diese in Gebieten mit hoher Niederschlagsintensität während der Nacht auf 1000 bis 1300 Meter ab. Im restlichen Alpenraum bleibt es trocken, wobei das Freezing Level bei etwa 2000 Metern liegt.
Milder Dienstag mit zunehmender Bewölkung
Am Dienstagnachmittag verlagern sich die intensiven Niederschläge im Süden ostwärts. Viele Orte am und südlich des Alpenhauptkamms ziehen zu. Vereinzelter leichter Regen (Schnee oberhalb von 1800 Metern) ist in den Südalpen möglich, allerdings mit maximal 1–3 mm/cm. Auf der Nordseite herrscht Südföhn, was zu sehr milden Temperaturen und Tauwetter bis auf ca. 2400 Meter führt.
Ruhige Hochdrucklage ab Mittwoch
Das milde Hochdruckwetter, das den bisherigen Monat dominiert hat, kehrt ab Mittwoch zurück. Die Hochdruckbrücke zwischen den Azoren und Osteuropa schließt sich und blockiert Störungen. Es ist mit großflächigen Aufheiterungen zu rechnen, besonders oberhalb von 1000 Metern. Die Bedingungen bleiben mild mit einer Nullgradgrenze um 2000 Meter, während es in den Tälern nachts frostig wird.
Abkühlung Richtung Weihnachten bei hoher Unsicherheit
Ab Freitag deutet sich ein erneuter Bruch in der Hochdruckbrücke an. Störungen tendieren dazu, von den Britischen Inseln auf den Kontinent zu ziehen. Die Modellierung ist noch nicht konsistent, aber primär die Westalpen sowie die westlichen Südalpen haben Niederschlagschancen. Dies könnte bereits am Freitag bei einer Schneefallgrenze um 1800 Meter eintreten. Danach steigt die Unsicherheit der Prognosen signifikant an.
Niederschlagswahrscheinlichkeit im Westen am höchsten
Das obenstehende 15-Tage GFS-Ensemble für Grenoble und Salzburg illustriert die Lage. Sowohl in den West- als auch in den Ostalpen sinkt die Durchschnittstemperatur auf 1500 Metern (weiße Linie) auf das normale Niveau (rote Linie). Im Westen ist die Niederschlagswahrscheinlichkeit zwischen dem 20. und 25. Dezember erhöht, während es im Osten deutlich trockener aussieht. Für konkrete Forecasts ist die Streuung noch zu groß, das Potenzial für eine winterlichere Wetterlage in der letzten Dezemberwoche ist jedoch gegeben.





