Unterschiedliche Skimodelle sowie Bauweisen gibt es wie Sand am Meer. Um sich in dieser Flut von Brettern nicht unterzugehen hat euch Michael Freymann von SPURart die wichtigsten Fakts zusammengeschrieben, die die Performace von Skiern maßgeblich beeinflussen. So findet ihr sicherlich zu eurem Traumski. Oder ihr baut euch in seiner Manufaktur gleich ein speziell auf euch abgestimmtes Modell.

Lasst uns schützen, was wir lieben – auch wenn, oder gerade weil Skifahren nicht nachhaltig sein kann. Oftmals müssen wir mit den Auto anreisen, unsere Berglandschaften sind mit Skiliften verunstaltet, wir produzieren ein Vielfaches an Müll und unsere CO2 Bilanz ist alles andere als klimaneutral. Wir tragen also zum Klimawandel bei – und das dieser kein Märchen ist, sollte mittlerweile jedem klar sein. Das ist also der Status Quo unseres kulturellen Handelns, aber wie sollen wir uns jetzt verhalten? Ein Radikalschlag? Sofort die Reißleine ziehen und die Skier komplett an den Nagel hängen? Ich weiß es nicht. Eine Antwort auf diese Frage kann sich womöglich nur jeder selber geben. Ich weiß aber, dass einfach so weiter zu machen, weiter expandieren zu wollen, noch mehr Lifte zu bauen und noch mehr Pisten in den die Berge zu schlagen keine Option für mich ist. Wir müssen anfangen uns der Probleme, die durch den Skisport entstehen, bewusst zu werden und zumindest so gut wie möglich Lösungen für diese zu finden.

Ich möchte hier keinen Text über Ökologische Dimensionen im Skisport oder gar einen SPURart Öko-Werbeartikel verfassen, sondern ausschließlich auf die sinnvolle Verwendung von Materialien eingehen, die beim Bau eines Skis verwendet werden können und die auf die Performance eines Skis einen bestimmten Einfluss haben

1. Belag

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten von Belägen, gesinterte und extrudierte. Ein gesinterter Belag besteht aus einem erhitzten und gepressten Granulat, das aus Kunststoffen, Kohle, Metallen und teilweise auch aus Fluoren besteht. Das Granulat wird vorab gut gemischt, erhitzt und dann in einer Walze meist zu 1,25mm dicken Endlosplatten verpresst. Die ersten hundert Meter landen meistens im Ausschuss, da die Maschine erst richtig anlaufen muss. Sinterbeläge brauchen sehr viel Energie und sind nicht besonders umweltfreundlich.

Besser als bei den gesinterten Belägen sieht das bei den extrudierten aus. Sie sind Schmelzbeläge, die ebenfalls zu Endlosbelägen gewalzt werden. Dabei wird aber weit weniger Energie verbraucht. Leider besaßen die extrudierten Beläge bis jetzt deutlich schlechtere Gleiteigenschaften und wurden aus diesem Grund auch nur in billigeren Skiern verbaut. Doch neuerdings hat sich da etwas getan, denn sogenannte Nivilen Beläge, die von einem kleinem Garmischer Ingenieurbüro entwickelt wurden, kommen inzwischen auch bei den „top off the line“ Modellen der großen Brands zum Einsatz. Dieser neue Generation an extrudierten Belägen ist schneller und sehr viel stabiler – was sich natürlich auf die Haltbarkeit positiv auswirkt und somit aus ökologischer Sicht gesehen die bessere Wahl wäre.

Michis Qualitätskontrolle

2. Der Holzkern

Normalerweise wird bei allen Kernen auf einen Mix von unterschiedlichen Hölzern gesetzt. Tanne, Pappel Buche, Esche, Sabei, Paulonia, Bambus – um nur einige zu nennen. Die Verwendung von Holz als Kernmaterial ist ökologisch unbedenklich. Und auch bei der Verwendung von Holz für die Seitenwangen, hat dieser nachwachsende Rohstoff gegenüber den gängigen ABS Seitenwangen in Punkto Nachhaltigkeit seine Vorteile. Lediglich Holzimporte aus China, wie beispielsweise das leichte Paulonia hinterlässt einen unnötigen CO2 Fußabdruck, den heimische Hölzer nicht verursachen würden

3. Epoxidharz

Epoxi wird zum Verkleben der einzelnen Schichten eines Skis verwendet und gibt der Glas- oder Karbonfaser erst ihre physikalische gewünschte Eigenschaft und wird bei der Verteifgung aller Skier verwendet. Es gibt wahrscheinlich 1.000 verschiedene Kompositionen von Epoxidharz, die je nach industriell gewünschter Anwendung zusammengestellt werden können. Leider sind diese „Kleber“ nicht gerade gesundheitsförderlich – vorwiegend durch die Freisetzung von Bisphenol A, das bei langfristigen Kontakt beim Verarbeiten Allergien hervorrufen kann. Auch aus ökologischem Aspekt sieht es für Epoxi nicht gerade rosig aus, da es bekanntlich aus Erdöl hergestellt wird. Es gibt zwar nachhaltigere Varianten, die aus pflanzlichen Ölen gewonnen werden, allerdings haben sich nur sehr wenige Hersteller diesem Thema angenommen, weshalb die bereits angesprochene Vielfalt in den Anwendungen leider noch nicht gegeben ist. Zudem kommt die Klebe- und Verarbeitungsqualität nicht an die Performance von etablierten Erdölharzen heran. Betrachtet man die Menge der verwendeten Harze pro Ski, sind 500 Gramm pro Paar nicht viel – aber kann auch nicht außer Acht gelassen werden.

4. Glasfaserverbundstoffe (GFK)

Glasfaser wir für die Längs- und Torsionssteifigkeit verwendet und mittels Epoxidharz als Ober und Untergurt über und unter dem Holzkern verklebt. Erst durch das Epoxidharz bekommt die Faser ihre Festigkeit. Vor der Einführung von GFK war ein Carving Ski undenkbar und auch heute muss man sagen, dass die Performance eines Skis, wie wir sie heute kennen, grundlegend auf GFK-Verbund aufbaut. Aus ökologischer Sicht sind diese Materialien wie ihr euch denken könnt keine Saubermänner, weil bei der Herstellung viel Energie aufgebracht werden muss. GFK Bauteile können nach dem Lebensende zwar verbrannt werden, so kann zwar etwas Energie zurückgewonnen werden, doch die Ökobilanz bleibt dennoch negativ.

5. Kohlefaser (CFK)

Wie die Glasfaser versteift auch die Kohlefaser den Ski in seiner Länge und Torsion. Sie ist das Substitut der Glasfaser – mit dem entscheidenden Vorteil einer drastischen Gewichtseinsparung, was gerade bei Freetourern natürlich Sinn macht. Leider ist CFK ein kleiner Klimakiller, weil auch seine Herstellung viel Energie beansprucht und darüber hinaus CFK nicht von alleine abbaubar ist und somit als Sondermüll deklariert entsorgt werden müsste. Dieser kann nur mit zusätzlichem Aufwand verbrannt werden und selbst dann entstehen noch krebserregende Dämpfe. Durch den breiten und gestiegen Einsatz von CFK in der Industrie, im Fahrzeugbau und im Freizeitsportbereich werden gerade neue Verfahren entwickelt, um die Fasern zu recyceln. Erste Erfolge gibt es zwar, aber viel mehr auch noch nicht wirklich.

Da ist für jeden ein Modell dabei

6. Titanal

Das Metall wird für die Versteifung und Dämpfung ähnlich wie GFK und CFK verwendet. Titanal ist eine Alu-Legierung die eloxiert vorbehandelt wird, damit sie mit Epoxi verklebt werden kann. Auch für Alu wird in der Herstellung sehr viel Energie benötigt und es entstehen giftige Nebenprodukte.

7. Naturfasern

Alternative Verstärkungsfasern wie Flachs, Hanf oder Steinwolle funktionieren in Hinsicht auf Steifigkeiten und Rückstellgeschwindigkeiten leider nicht so gut wie die bereits oben genannten Werkstoffe. Darüber hinaus muss mehr Epoxidharz verwendet werden, was die Skier deutlich schwerer werden lässt. Dadurch werden sie Skier also nicht nachhaltiger, sonder lediglich schlechter.

Die Kanten müssen auf den Belag zugeschnitten und gebogen werden

8. Spurart

Als kleiner Ski und Snowboard-Bauer machen wir uns viele Gedanken, wie wir unsere Modelle möglichst nachhaltig produzieren können. Das ist nicht ganz einfach, denn die Skier und Boards sollten in erster Linie funktionieren und zu einem fairen Preis produziert werden, den sich unsere Kunden leisten können. Ein Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie, doch wir versuchen alles, um unseren Footprint zu minimieren. Wir produzieren folglich nur auf Bestellung. Wir fertigen ausschließlich in Tirol – und das mit einer relativ guten Ökobilanz, da unser Produktionsverfahren sehr viel weniger Energie als industrielle Techniken benötigt. Insgesamt stellen wir ungefähr 250 Paar Skier pro Jahr her und werden wohl auch kein Großkonzern werden. Wir recyceln unseren Belag-Verschnitt, upcyclen unsere Skikerne zu Brotzeitbrettln, verwenden unsere Vakuumiersäcke mehrmals, Mittag gibt’s vegetarisch und wir fahren meistens mit dem Rad in die Arbeit.

Als leidenschaftliche Skifahrer sollten wir uns Gedanken machen, wie wir das schützen können, was wir lieben. Wie können wir uns in unserem soziokulturellen Umfeld der Berg- und Skikultur verantwortungsbewusst verhalten? Vielleicht hat die Skikultur und unser reflektiertes Vorbild im bewussten Umgang mit den Ressourcen einen positiven Einfluss auf andere Bereiche unseres Lebens, den wir auch für unsere Umwelt nützen können. Es wird immer ein Trade-Off bleiben – ein Für und Wider. Auch Carbonski machen beispielsweise dann Sinn, wenn man mit diesen lediglich Skitouren geht und keine Liftanlagen mehr in Anspruch nehmen muss – dann wird die Ökobilanz sicher besser ausfallen. Generell muss aber niemand an der Performance seiner Skier sparen, denn im Vergleich zur Massenabfertigung in den Skigebieten und der Anreise mit dem Auto sind die ökologischen Vorteile bei alternativen Skiproduktionen nur marginal.

Vor dem Lackieren noch einmal schleifen

Es gibt aber dennoch Möglichkeiten, wie wir nachhaltiger unseren Sport betreiben können: teilt euch das Auto oder reist gleich mit den Öffis; geht in den Alpen Skifahren und nicht in Japan; behandelt eure Skier gut, dann halten sie länger; kauft auch mal Second-Hand ein. Wenn jeder ein bisschen etwas beiträgt, wächst das Bewusstsein aller und wir können unsere schönen Alpen weiterhin gemeinsam genießen.