Ural Freeski Train (5/6)

Die Sled-Crew probiert alles, um uns endlich am Ziel angelangt so hoch wie möglich zu shuttlen, doch im steilen Gelände müssen wir dann doch un­sere Felle aufziehen, um die ange­strebten Gipfel zu erreichen. Und tatsächlich gehen sich noch eine Handvoll lohnenswerter und sonniger Runs aus, bevor wir weiter zu unserer Unterkunft aufbrechen.

Inmitten der Wildnis an einer verlas­se­nen Bahnstation stehen ein paar Häuschen, die einen unbewohnten Ein­druck machen. Einige würden lediglich im Sommer von naturliebenden Russen genutzt. Wir werden aber in einem ausgebauten Waggon unter­gebracht, was nach den 40 Stunden von Moskau in den hohen Norden nicht gerade ein Feuerwerk der Freude in uns erweckt. Doch das alte Teil ist optimal beheizt und mit einem kleinen Essensraum in der Front machen wir es uns im Inneren gemütlich. Die russischen Sled-Boys haben uns jetzt schon mal live auf den Skiern gesehen und sind definitiv heiß auf mehr. Abgeschieden von jeglichem Handynetz, lernen wir unsere neuen Freunde langsam besser kennen. Nach ein paar Whiskey, die man irgendwann aus Höflichkeit nicht mehr ablehnen darf, tauen die zunächst störrischen russischen Riesen auf. Sie wachsen uns immer mehr ans Herz und erstaunen uns immer mehr mit ihrer freundlichen und hilfsbereiten Art. Dass man mit ihnen wohl einen Krieg gewinnen könnte, bringen wir besser nicht zur Sprache.

„Ein Mann von bärenhafter Statur, die das Klischee eines groben Russen zu 100 Prozent erfüllt.“

Für die kommenden drei Tage wird schlechtes Wetter prognostiziert, sodass wir zunächst ein abgelegenes Nomadenvolk besuchen und ihre ein­drucksvolle Lebensweise erkunden dürfen. Nach dieser kleinen Abwechslung wollen wir aber wieder unsere Skier bewegen. Für flaches Licht finden wir schließlich ein paar passende Spots zwischen den Bäumen und toben uns aus.

Abends noch in der kleinen Saunahütte aufgewärmt, hoffen wir täglich auf Sonnenschein, werden aber immer wieder enttäuscht. Der Wetterbericht lässt uns aber weiterhin hoffen, denn an unserem letzten Tag soll sich noch einmal die Sonne zeigen. Wir vertrauen den positiven Aus­blicken unserer russischen Freunde nicht wirklich, da wir schon länger nicht mehr am Netz waren und somit keine aktuellen Daten zur Verfügung haben.