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PRIME Interview: Eric „Hoji“ Hjorleifson – Seite 3

Woher stammen überhaupt all deine Ideen für technische ­Erfindungen?

Ich muss zugeben, dass ich wirklich viel Zeit an der Werkbank verbringe. Ent­weder tüftle ich in meiner kleinen Werkstatt hier in Whistler herum, oder wenn ich bei euch in der Nähe bin, dann zieht es mich in Fritz’ kerker­ähn­lichen Bastelkeller bei sich zu Hause in Österreich. Wenn ich dann abgeschnitten von der Außenwelt in einem dunklen unterirdischen Loch sitze, als Gesellschaft nur Maschinen, kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen.

Es macht mir einfach Spaß, mich auf die Lösung eines Problems zu konzen­t­rie­ren. Oftmals sind es nur Details, die mich um den Schlaf bringen, weil sie mich nerven. Es muss doch eine ein­fa­chere oder bessere Konstruktion ge­ben, um letztlich das gleiche Ziel zu erreichen! Meistens ist der Zeitaufwand, ein Produkt zu modifizieren, um ein Vielfaches größer, als das Original mit seiner verbesserungswürdigen Per­for­mance benutzt zu haben. Aber das stört mich nicht wirklich.

Was sind deine Visionen, die du in technischer Hinsicht zukünftig angehen willst?

[lacht] Nun ja, da gibt es natürlich die immer noch verbesserungswürdi­ge Ver­bindung von Boot und Bindung. Nein, im Ernst, um viele technische Ideen umsetzen zu können, habe ich mir inzwischen eine eigene Werkstatt ein­gerichtet. Wohl auch weil ich bei Fritz gelernt habe, wie un­glaublich wich­tig es ist, seine eige­nen Prototypen herstellen zu können.

Wie beim Freeriden ist auch der Um­gang mit den unterschiedlichen Werk­zeugen und den mechanischen Zusam­menhängen ein langwieriger Pro­zess. Teuer natürlich auch, wenn man wie ich bei null anfangen und sich alle Maschinen erst sukzessive zu­sam­men­kau­fen muss.

Foto: Robin O'Neill
Foto: Robin O'Neill

Und in Bezug auf dein Riding? Hast du noch Projekte oder Träume, die du realisieren willst?

Ich bräuchte sicherlich einige Leben, um alle Lines zu realisieren, die ich auf meinen Trips erspäht und mir vor­ge­nommen habe, bei der nächsten Möglichkeit in Angriff zu nehmen. Selbst wenn ich an genau diese Orte zurückkehre, komme ich mit mehr Fan­tasie-Runs im Koffer zu­rück, als ich sie bei der Anreise hatte. Genau das ist aber ein Aspekt unseres Sports, den ich so liebe – speziell je älter ich werde. Skifahren hängt maßgeblich von den aktuellen Bedingungen ab.

Je mehr Erfahrung du dir im Lauf deiner Karriere ange­eignet hast, desto öfter findest du dich aufgrund der richtigen Einschätzung aller Faktoren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wenn man dann mit offenen Augen durch die Berge reist, wird man von geradezu paradiesischen Lines überschwemmt – falls man den perfekten Zeitpunkt erwischen sollte.

Foto: Robin O'Neill
Foto: Robin O'Neill