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Ausführliches Exklusivinterview mit Freeride Legende Eric „Hoji“ Hjorleifson über seinen neuen Full Movie, 4FRNT, Ski-Konstruktionen, seinen neuen Boot und weitere interessante Themen.

Interview: Roman Lachner | Fotos: Robin O’Neill

Eric Hjorleifson hat Freeskiing geprägt. Doch anders als die meisten seiner Freeride-Kollegen hat der sympathische Kanadier seine Spuren nicht ausschließlich im Schnee hinterlassen, denn seine Entwicklungen zie­hen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Freeski-Industry. Kaum eine Produktsparte war bislang vor Erics schafferischen Händen sicher, in der sich der 35-Jährige nicht kreativ ausgetobt hätte.

Diesen Herbst kommt mit „Hoji“ nicht nur ein Movie über seine bisherige Karriere in die Kinos, sondern auch ein gleichnamiger Boot, den er zusammen mit Dynafit entwickelt hat.

Foto: Robin O'Neill
Foto: Robin O'Neill

PRIME Interview: Eric „Hoji“ Hjorleifson (+ „Hoji – The Movie“ Full Part)

Hi Hoji! Der Trailer zu deinem Video bläst momentan durch alle sozialen Netzwerke. Verrat uns doch kurz, was wir von deinem Streifen erwarten ­dürfen.

[lacht] Gute Frage! Bislang war ich noch nicht wirklich am Schnitt beteiligt und habe daher selber keine Ahnung, was auf mich und euch zukommt. Ich war letztes Jahr mit den Jungs von MSP auf ein paar Trips, die allesamt extrem produktiv verlaufen sind. Zusammen mit dem gesam­mel­ten Stuff der vergangenen 15 Jahre kann da eigentlich nichts schiefgehen. Im Grunde müssen alle Segmente nur noch miteinander verbunden und in einen einheitlichen Look verpackt werden.

Große Sorgen mache ich mir jedenfalls keine, denn mit Scott Gaffney himself haben wir den richtigen Mann an Bord, um das Ding zu schaukeln. Ich bin nur wahnsinnig gespannt auf die ersten ­Entwürfe.


Hoji The Movie – Special Full Segment – WMA

Mit den Jungs von MSP verbinden dich wahrscheinlich die meisten während deiner gesamten Karriere. Was bedeutet es dir, dass du deinen eigenen Film mit dieser Crew verwirklichen konntest?

Meine Verbindung zu MSP und meine Rolle als Rider, Guide, Ideengeber und Mädchen für alles wird sicherlich einen großen Teil des Films ausmachen. Ich kann mich wirklich extrem glücklich schätzen, in der Movie-Crew einen derart langjährigen und verlässlichen Partner gefunden zu ha­ben.

Auf der anderen Seite hat aber auch MSP über all die Jahre von mir profitiert, denn neben den Bedingungen vor Ort hat der Faktor Mensch einen enormen Einfluss auf das Gelingen eines Trips. Nur mit einem homogenen Team aus Ridern, Produzenten und Filmern erzeugt man das notwendige familiäre Klima am Set, um die besten Takes in den Kasten zu bekommen.

Wenn du zurückblickst, was waren die Momente, die dir mit MSP am lebhaftesten in Erinnerung geblieben sind?

Das ist wirklich eine schwierige Frage, da ich mit MSP in den 15 Jahren so viele unglaubliche Momente und Erfahrungen erleben durfte. Es gibt aber definitiv einige Big Mountain Lines, die ich niemals vergessen werde.

Um diese Nuggets zu schür­fen, war beinahe immer eine im­mense Planung vonnöten – und beinahe auch genauso viel Geduld, bis die Bedingungen überhaupt einen Run an diesen außergewöhn­li­chen Spots zuließen. Wahrscheinlich zählen genau aus diesem Grund die kompliziertesten Lines zu den denk­wür­digsten Momenten in meiner MSP-Karriere.


Hoji’s Best Skiing Crashes…Ever

Und wenn du nicht deine Action reflektierst, sondern den ganzen Sport an sich?

Freeskiing hat sich enorm entwickelt in den letzten 20 Jahren – positiv wie negativ. Es ist wirklich verrückt, wenn man bis an die Anfänge des Freeskiing zurückblickt. Damals gestaltete sich alles noch um ein Vielfaches un­­be­kümmerter.

Bei meinem ersten AK-Trip 2002 nach Haines hatten wir lediglich eine Polaroid-Kamera mit an Bord, um meine Lines zu fotografieren.

Keine Filmkameras, keine Handys, keine PCs, keine POV-Kameras, keine Online-Medien, kein Instagram und kein Facebook. Verrückt!

In der gleichen Zeit haben aber die tech­ni­schen Veränderungen im Skidesign un­se­ren Sport unglaublich vereinfacht und parallel dazu sicherer gemacht. Gerade die letzten 15 Jahre haben das Skifahren mehr beeinflusst als die 50 Jahre zuvor. Und ich durfte diese spannende Zeit live miterleben – in der Twintips, Fat Skis, Taper und Rocker erfunden wurden. Ein fantastisches Kapitel des Skisports! Natürlich bringen diese rasanten Entwicklungen auch negative Seiten mit sich – auch wenn diese eher subjektiv zu se­hen sind.

Mit der FWT ist Freeriden bei­spiels­weise in ein Contest-Format ge­presst worden, mit dem ich per­sön­lich nichts anfangen kann. Und auch wie sich Freestyle in immer kleiner werdende Disziplinen aufspaltet, bleibt nicht ohne einen faden Beigeschmack. Schaut man sich Freestyle in den 70er-Jahren an, so war das mehr oder weniger eine Buckelpiste, auf der eine Schanze zum Springen ein­lud. Wer es ohne Sturz bis ins Ziel geschafft hatte, der schmückte seinen Run noch mit einem kurzen Tänzchen auf Skiern.

Heute hat Freestyle mit dem Ursprung des Skifahrens bei­nahe nichts mehr gemein.

Eine ähnliche Verwandlung hat auch Freeriden erleben müssen, wenn auch nicht so gra­vierend. In den späten 90ern und frühen 2000ern befand sich der Sport meiner Meinung nach im goldenen Zeitalter. Neue Skidesigns und neue Technologien beeinflussten das Riding ungemein, sodass beinahe täg­lich neue Tricks den Weg ins Gelände fanden und immer anspruchsvollere Lines mit Speed gefahren wurden. In dieser Zeit waren Kreativität und der Glaube an die eigenen Fä­hig­keiten die Triebfedern dieser Re­volution – nicht das Training in der Kraftkammer.

Heute, so scheint es beinahe, verlassen sich viele Athleten zusehends auf ihre Physis, ohne neue Wege zu beschreiten. Wahrscheinlich auch, weil es inzwischen nur noch klei­ne Nischen gibt, in denen kom­plet­tes Neuland erkundet werden kann. Ich meine das jedenfalls nicht negativ. Das ist wohl einfach der Lauf der Dinge und eher als Beobach­tung zu werten.

Foto: Robin O'Neill
Foto: Robin O'Neill
Okay, du darfst dir diese kriti­sche Beobachtung natürlich erlau­ben, schließlich bist du ein Teil die­ser Geschichte. Hat Skifahren im Laufe der Zeit niemals seinen Reiz für dich ­verloren?

Nun, wie ich bereits auf die vorheri­ge Frage geantwortet habe, hat der Sport eine sehr erstaunliche Reise durchlebt. Als Passagier bei diesem Streifzug war es unmöglich, sich wäh­rend dieser 15 Jahre zu langwei­len. Selbst nach den unzähligen Trips und Shootings bin ich immer noch super­ aufgeregt, wenn ich am Drop-in zu einer fetten Line stehe und auf den Countdown warte.

Ich ge­nie­ße wirklich die Konzentration, die es braucht, um sich auf ein Ziel zu fo­kus­sieren und die eigenen Fä­hig­kei­ten herauszufordern. Wenn ich dann den Run genau so in das Face ge­zimm­ert habe, wie ich es mir vorgestellt hatte, überwältigt mich immer wieder ein Gefühl der inneren ­Zufriedenheit.