Im Fassatal im Herzen der Dolomiten findet sich mit Rotwand, Rosengarten, Langkofel und Sellastock ein fotogenes wie geologi­sches ­Freeski-Paradies.

Freeriden

Leider überschreiten wir die Gren­ze von Norden nach Italien viel zu selten und blei­ben vor der Staatsgrenze in den Tiro­ler Skigebieten hängen. Dabei bieten die Dolomiten neben ihrer blanken Schönheit alles, was wir Freeskier suchen. Ein Grund, warum wir eine Über­schrei­tung des Brenners nur selten wagten, waren in der Vergangen­heit sicherlich die gesetzlichen und regionalen Unterschiede, die Freeriden im Trentino sowie in Südtirol regle­men­tierten oder gar verboten.

In den vergangenen Jahren wurden aber die Gesetze im Norden Italiens weitestgehend vereinheitlicht und Ausflüge abseits der Pisten sind vielerorts inzwischen sogar erwünscht – wie im Fassatal. So wurde beispielsweise am Col Margherita der erste vom Trentino autorisierte Freeride-Park eröffnet. Dieses Areal ist mit Schildern klar von den Pisten abgetrennt und wird täglich auf mögliche alpine Gefahren hin überprüft.

Foto: Nicolo Miana

Das Fassatal

Bevor wir aber tiefer in den Powder vordringen und einige der legendä­ren Runs im Zentrum der Dolomiten aus­packen, wollen wir euch einen ge­ne­rellen Überblick über das Fassa­tal geben. Das Val di Fassa, wie die Ita­liener das Tal im Nordosten des Trentino nennen, kann man ohne Über­treibung als Konzentrat der alpinen Schönheit bezeichnen. Sella­stock und Langkofel erheben sich abrupt im Norden und ganz im Osten steht die Königin der Dolomiten, die Marmolada. In dieses visuelle Mekka gelangt man aus Südtirol über das Sellajoch oder über den Campo­longo-Pass und den Pordoi-Pass.

Auf dem Weg in das Tal türmen sich die Berge rechts und links der Straße mächtig auf und weisen einem den Weg nach Ca­nazei oder Moena den beiden größten Orten im Fassatal. Dort – sowie in Campitello, Soraga, Vigo und Pozza di Fassa – sprechen die Ein­hei­mi­schen übrigens noch Ladinisch, eine alte räto­ro­manische Sprache, die sonst nur noch in Alta Badia und Gröden gepflegt wird.

Foto: Franz Faltermeier, Rider: Tobi Geisler

Der Zusammenschluss von sieben Re­sorts ist mit seinen 210 Pistenkilo­me­tern, 83 modernen Liften und sechs Snow­parks wohl eines der renom­mier­testen Skigebiete in den Dolomiten. Als Teil des Dolomiti Superski, des welt­weit größten Skiverbunds, habt ihr Zugang zu einer der schönsten Ski­run­den überhaupt. Okay, Pisten gehören normalerweise nicht zu unserem be­vorzugten Terrain, aber bei der Sella Ronda müssen wir tatsächlich mal eine Ausnahme machen. Die Umrundung des Sellastocks gehört sogar für uns Freeskier auf die Ski-Bucket-List, auch wenn wir uns dabei auf künstlich präparierten Schneestraßen bewegen müssen.

Von Alba aus startend – es sind natürlich alle Orte entlang dieser Tour als Ausgangs- und Endpunkt möglich – schaukelt euch der Cruise auf Skiern über das Sella­joch, Gröden, Cor­vara, Passo Campagnolo, Arraba und Passo Pordoi, dem letzten Stopp, bevor ihr wieder an euren Ausgangspunkt gelangt. Für diese legendäre Schleife benötigt ihr sicherlich einen ganzen Tag. Ihr wollt ja auch das einzigartige Panorama und die kulinarischen Köstlichkeiten auf der Runde ohne Stress genießen.

Foto: Tony Brey

Marmolada

Jetzt aber genug geografische und pis­tentechnische Infos rausgehauen, schließ­lich wollt ihr ab ins Gelän­de – und davon gibt es mehr als ge­nug im Fassatal. Wir wollen uns auch gar nicht lange aufwärmen und kommen ohne Umschweife zum ab­so­lu­ten Highlight, nämlich der Marmo­la­da. Der Run vom 3.343 Meter hohen Glet­scher ist zweifels­oh­ne ein ab­so­luter Traum eines jeden Pow­der-­­En­thu­sias­ten. Von der Pian dei Fiacconi, der ­Bergstation der Kabinenbahn am Fe­daia­pass, müsst ihr auf Muskelbetrieb umstellen, denn bis zum Drop-in am Punta Penia, der höchsten Er­he­bung der Dolo­miten, bringen euch lediglich eure Tou­ren­­ski­er.

Der Hike rentiert sich aber immer, denn die Abfahrt über den Nordhang der Marmolada in Rich­­tung Fedaia-Stausee ist ein absoluter Dolomiten-Traum – natürlich nur bei sicheren Schnee- und Lawinenver­hältnissen für ausge­spro­chen geübte Skifahrer. Wie bei jeder Gletschertour ist zudem ein orts­kundiger Bergführer zu empfehlen.

Foto: Tony Brey

Passo Pordoi

Nach diesem genialen Ritt bringt euch das Gelände beinahe automatisch weiter nach Passo Pordoi. Dort wuchtet euch die Gondel auf die Sass Pordoi – die Terrasse der Dolomiten. Auf fast 3.000 Metern stockt einem nicht nur beim Anblick des Pano­ra­mas der Atem, sondern auch beim An­blick der möglichen Lines. Extrem steil und zwischendurch auch etwas eng fällt beispielsweise die Canale-­Joel-Rinne die ersten 100 Höhenmeter vom Pla­teau hinunter, bevor das Gelände wieder breiter wird.

Auf der gegenüberliegenden Seite wird es sogar noch intensiver, wenn ihr auf den legendären Spu­ren von Steilwand-Legende Heini Hol­zer wandelt. Das bis zu 60 Grad steile Canale-Holzer-Couloir zieht sich tief zwischen senkrechten Felswänden vom Sass Pordoi ins Val Lasties hinunter. Je nach Schneelage ist hier sogar mit Abseilstellen zu rechnen. Dieser Run ist also nichts für Freeride-­Wannabies.

 

Foto: Franz Faltermeier

Freeride-Park am Col Margherita

Abschließen wollen wir unsere Off-­Piste-Runde mit dem bereits erwähnten Freeride-Park am Col Margherita. Man mag von italienischen Skigebieten halten, was man möchte. Eines ist jedoch sicher: Sie sind immer wieder für ein Spektakel und Überraschungen gut. Am San-Pellegrino-Pass bie­tet sich dem Weichschnee-Skifahrer eine optische und fahrtechnische De­li­katesse. Eine durchgehende Be­schil­de­rung, klare Abgrenzungen und konstante Prüfung der Schnee- und Lawinenverhältnisse machen diesen Freeride-Park zu einem Vorbild in den Dolomiten.

Snow Parks im Fassatal

Schließlich wollen wir auch noch der Freestyle-Fraktion das Fassatal schmack­haft machen. Der Dolomiti Park ist Teil des Skigebiets Belvedere-­Col Rodella. Zu erreichen ist der auf 2.150 Metern Höhe gelegene Park mit den Kabinenbahnen Belvedere und Toè. Das Areal ist in zwei Strecken auf­geteilt: eine Easy- und eine Medi­um-­Pro-Line. Zusammen mit vielen Obs­tacles, einer Skicross-Strecke und einem Big Air Bag wird der Dolo­miti Park auch dieses Jahr wieder sehr an­spruchsreich ausfallen. Die sonnige Lage kombiniert mit der grandiosen Kulisse der Dolomiten machen den Snowpark einfach unwiderstehlich!

Foto: Fassatal

Genauso wie der Mix aus wunder­schö­nen Bergen, einem gewaltigem Freeride-Potenzial und kulinarischen Leckerbissen – Dolce Vita lässt grüßen. Wir haben uns jetzt selber den Mund wässrig geschrieben, sodass wir diesen Winter sicher über den Bren­ner knattern und dem Fassatal mal wieder einen Besuch abstatten werden.

Alles auf einen Blick

Website: www.fassa.com
Höhenlage: 1.200 bis 3.000 Meter
Open: bis Ende April
Liftanlagen: 6 Großraumgondeln, 14 Umlaufgondeln, 39 Sessellifte, 21 Schlepplifte
Pisten: 210 km präparierte Pisten

Events

13. – 17.03.19 Scufoneda, Telemark-und Freeridefestival

Tickets

1 Tag 61 Euro (Erwachsene), 43 Euro (Jugendliche), 31 Euro (Kinder)
6 Tage 304 Euro (Erwachsene), 213 Euro (Jugendliche), 260 Euro (Kinder)
Saison 870 Euro (Erwachsene), 575 Euro (Jugendliche), 260 Euro (Kinder)

Verbund

Dolomiti Superski: dolomitisuperski.com

Parks

Dolomiti Familypark & Funslope
+ Kicker, Jib Obstacles, Big Air Bag, Boardercross
Buffaure Snowpark
+ Kicker, Jib Obstacles, Fun Tube, Pipe
Carezza Snowpark
+ Kicker, Jib Obstacles
Sanpe Snowpark
+ Kicker, Jib Obstacles, Big Air Bag, Boardercross, Wallride
Morea Snowpark
+ Kicker, Jib Obstacles, Boardercross, Wallride
Lusia Boardercros
+ Boardercross

Freeride

+ Freeride-Park am Col Margherita