PowderAlert #4
Nach einigen Tagen Geduld und widersprüchlichen Modellberechnungen für die Südwestalpen herrscht nun Klarheit: Der PowderAlert #4 ist aktiv.
Alle Anzeichen deuten auf einen ordentlichen Dump im Piemont hin, wo 40 bis 80 cm Neuschnee sehr realistisch erscheinen – lokal sogar mehr. Auch die französischen Südalpen werden profitieren, wenngleich mit geringeren Gesamtmengen und einer etwas höheren Schneefallgrenze. Dieser Forecast fokussiert sich auf folgende Punkte:
- Schneefälle mit zwei Hauptschwerpunkten
- Die Wetterlage nach dem Niederschlag
- Die aktuelle Situation: Snowpack und Lawinenrisiko
- Wo befindet sich der Sweet Spot?
Wetterentwicklung in den kommenden Tagen
Ein Wetterumschwung deutete sich bereits gestern in den Westalpen an, begleitet von stark zunehmenden Winden am westlichen Alpenhauptkamm und verblasenem Powder, der nach dem PA#3 noch vielerorts zu finden war. Treibende Kraft hinter dieser Änderung ist ein Tiefdruckgebiet, das in den nächsten 24 Stunden von Irland in Richtung Spanien zieht. An dessen Ostflanke baut sich eine südliche Strömung auf, die Niederschläge in die französischen Südalpen und das Piemont bringt.

Erwartete Schneefälle in den französischen Südalpen
Bereits am Morgen ist die Bewölkung in den französischen Südalpen weit verbreitet, die Sicht reicht jedoch noch bis zu den höchsten Gipfeln. Im Tagesverlauf verdichten sich die Wolken und am Nachmittag setzen Niederschläge ein. Der Schneefall wird bis in die frühen Morgenstunden anhalten, wobei die Schneefallgrenze zwischen 1400 und 1700 Metern liegt.
Durch den Stau an den südlichsten Gebirgszügen sind dort 30 bis 50 cm Neuschnee möglich. Weiter nördlich, im Écrins-Massiv, wird es ebenfalls schneien. Die Mengen sind hier noch etwas unsicher, aber 10 bis 30 cm sind durchaus im Bereich des Möglichen, bei starken lokalen Schwankungen. Im Laufe des morgigen Tages wird es zunehmend trockener.

Anhaltende Schneefälle im Piemont
Die Wetterlage im Piemont ähnelt heute der auf der französischen Seite des Hauptkamms. Auch hier setzen die Niederschläge erst später am Tag ein. Die entscheidenden Unterschiede zu Frankreich sind jedoch die Dauer des Schneefalls und die niedrigere Schneefallgrenze. Im Piemont kann der Schneefall bis Dienstagmorgen anhalten, da die Strömung allmählich von Südost auf Ost dreht und sich ein klassischer Retour d’Est entwickelt.
Am Sonntag lassen die Niederschläge vorübergehend nach, bevor am Montag ein zweiter, aktiverer Schub erwartet wird. Das genaue Timing und die Intensität sind noch mit Unsicherheiten behaftet, der Fokus liegt jedoch klar auf dem südlichen Piemont. Hier sind 50 bis 100 cm Neuschnee möglich. Weiter nördlich in Richtung Monte Rosa und westlich ins Aostatal nehmen die Mengen ab. Für die Monte-Rosa-Region gehen wir derzeit von 15 bis 30 cm aus. Die Schneefallgrenze bleibt erfreulich niedrig und pendelt je nach Intensität zwischen 800 und 1200 Metern. Treeruns sind hier die beste Option.
Wetterlage nach dem Schneefall
Sobald die Niederschläge abziehen, folgen mehrere trockene Tage mit moderaten Temperaturen. Ein Hochdruckgebiet über Nordosteuropa gewinnt an Einfluss und bringt eine mäßige östliche Strömung mit sich. Dieses Setup dürfte die Schneequalität gut konservieren, begleitet von generell guter Sicht. Die Temperaturen auf 2000 Metern werden sich um -2°C einpendeln.
Ausgangslage: Snowpack und Lawinenrisiko
Beim vorangegangenen PowderAlert ging es nicht nur um große Mengen, sondern auch um eine dünne und vor allem instabile Unterlage. Dies führte zu einer langanhaltenden Phase hoher Lawinengefahr und zahlreichen Abgängen, teils mit ernsten Konsequenzen. Wie stellt sich die Situation diesmal dar?
Snowpack
Der wesentliche Unterschied zum letzten PA ist, dass diesmal fast überall eine passable Base vorhanden ist. In den französischen Südalpen ist die Unterlage zwar noch relativ dünn, aber das Écrins-Massiv hat letzte Woche Neuschnee erhalten. Das Piemont hingegen konnte eine solide Base vom PA#2 rund um Weihnachten bewahren, und Bereiche nahe des Hauptkamms bekamen in der letzten Woche zusätzlichen Schnee ab. Auf der italienischen Seite liegt die Base daher oft bei 70 cm oder mehr.
Lawinenrisiko
Ein signifikanter Dump ist immer ein Faktor, der bei der Einschätzung des Lawinenrisikos zur Vorsicht mahnt – besonders im Piemont, wo die größten Mengen erwartet werden. Zudem spielen die ungünstigen Altschneeschichten im Untergrund weiterhin eine Rolle, ebenso wie die Windverfrachtungen der letzten Tage.

Insgesamt bleibt das Snowpack – insbesondere in kammnnahen Bereichen – heikel und war bereits vor den neuen Schneefällen instabil. Entlang des Hauptkamms kann die Lawinengefahr erneut auf ein hohes Niveau ansteigen. In den südlichsten Teilen des Piemonts ist die Situation etwas weniger problematisch, aber auch dort bleiben Altschneeschichten und Windeinfluss kritische Faktoren. Es ist essentiell, die offiziellen Lawinenlageberichte genau zu prüfen, beispielsweise für das Piemont.
Wo liegt der Sweet Spot?
Für den PA#4 ist das Piemont das Ziel der Wahl. Eine dickere Base, niedrige Schneefallgrenze und ernstzunehmende Schneemengen – besonders unterhalb der Treeline – erfüllen die meisten Kriterien für gute Bedingungen (dabei aber Altschneeproblematik und Wind Slabs beachten). Das Gebiet südlich der Autobahn zwischen Turin und dem Modane-Tunnel kristallisiert sich als Sweet Spot für Fresh Powder heraus. Ab Sonntag sollte hier reichlich qualitativer Powder zu finden sein, wobei eine defensive und kluge Routenwahl obligatorisch ist.
Wer das Écrins-Massiv oder das Monte-Rosa-Massiv im Blick hat, sollte flexibel bleiben. Ein Update zum PA#4 mit den neuesten Erkenntnissen für diese Regionen folgt in Kürze.


