Powderalarm #6 Update
Am Samstag wurde der Powder Alert #6 ausgerufen, wobei zunächst noch große Unsicherheiten zwischen den Wettermodellen herrschten. Inzwischen hat sich das Bild geklärt: Die extremen Niederschlagsmengen des GFS-Modells sind vom Tisch, doch ein solider Refresher ist weiterhin in den Karten verzeichnet.
Dieses Update behandelt folgende Punkte:
- Wie ist der aktuelle Zustand des Snowpacks?
- Wann fällt Schnee und welche Regionen können mit mehr als 20 cm Fresh rechnen?
- Wie beeinflusst die Südströmung die Schneefallgrenze?
- Lawinengefahr: Weiterhin extrem heikel, auch ohne Neuschnee.
- Langzeitprognose: Weitere Niederschlagschancen.
Zustand der Base
Der Januar verlief temperaturtechnisch in den Alpen durchschnittlich. Die Niederschläge blieben jedoch in den meisten Regionen erneut unter dem langjährigen Mittel. Während Teile der Französischen Alpen und des Piemont aktuell über eine überdurchschnittliche Basis verfügen, kämpfen die Schweiz, Österreich und weite Teile der Südalpen weiterhin mit unterdurchschnittlichen Schneehöhen. Glücklicherweise hat der Schneefall der letzten Woche oberhalb von rund 1500 Metern in den meisten Gebieten eine brauchbare Base hinterlassen. Das ist einer der Gründe für den aktuellen Powder Alert.
Südwesten zuerst an der Reihe
Die ersten Flocken fallen heute Nachmittag in den Alpes-Maritimes. Bis zum späten Nachmittag und Abend breitet sich eine intensivierende Niederschlagszone über das Piemont und die Französischen Alpen aus. Der stärkste Schneefall wird in den südlichen Französischen Alpen und den Alpes-Maritimes erwartet, mit 20 bis 40 cm bis Dienstagmorgen. Ein wichtiger Faktor ist die Schneefallgrenze: In den Alpes-Maritimes reicht sie von etwa 800 Metern auf der italienischen Seite bis zu rund 1300 Metern auf der französischen Seite. Weiter nördlich setzen Föhneffekte ein, die die Schneefallgrenze deutlich nach oben drücken – auf zwischen 1600 und 2100 Meter.
Kurzer Südstau am Dienstag
Am Dienstagmorgen setzt ein kurzer Südstau ein, der sich von West nach Ost über die Südalpen bewegt. Aufgrund der Südwestströmung erhalten die westlichen Regionen, die im Regenschatten des Main Ridge liegen (wie Aosta und das nördliche Piemont), nur wenig Niederschlag. Weiter östlich können die südlichen Regionen – wie das Tessin, die Dolomiten, die Karnischen Alpen und die Julischen Alpen – mit etwa 15 bis 30 cm Neuschnee rechnen.
Die Schneefallgrenze wird stark variieren: von etwa 600 bis 1200 Metern in geschützten Tälern und den südlichsten Regionen, bis hinauf zu rund 1500 Metern näher an der österreichischen Grenze, bedingt durch Föhneinflüsse. Bis Dienstagnachmittag wird sich der Schneefall auf die Julischen Alpen und Teile Kärntens beschränken.
Föhnsturm zieht von West nach Ost
Direkt nördlich der Südstau-Zonen sorgen abtrocknende und absinkende Luftmassen für turbulentes Wetter. Der Föhn erreicht seinen Höhepunkt morgen, wobei ein Windfeld mit Böen von über 100 km/h von West nach Ost über die Alpen fegt. Die Karten zeigen Windgeschwindigkeiten auf rund 3000 Metern, ähnliche Böen können jedoch auch in tieferen, föhnanfälligen Tälern auftreten. Die starken Winde werden voraussichtlich zu Lift-Schließungen führen und frische Wind Slabs erzeugen, was die Lawinengefahr weiter erhöht.
Mittwoch: Beste Chancen im Osten
Bereits am Samstag wurde die Möglichkeit einer zweiten Schneefallphase am Mittwoch erwähnt. Dieses Szenario bleibt wahrscheinlich: Mit einer südöstlichen Strömung kehren die Niederschläge in bestimmten Regionen zurück. Die größte Instabilität zeigt sich erneut in der östlichen Hälfte der Südalpen. Ein Retour d’Est mit Schneefall in den westlichen Regionen erscheint aktuell unwahrscheinlich.
Die Karnischen Alpen, die Karawanken und die Julischen Alpen haben die höchsten Chancen auf eine weitere frische Schicht. Einige Wettermodelle sagen auch Schneefall für die Dolomiten und große Teile Kärntens voraus, wobei die Unsicherheit hier signifikant bleibt. Die Schneefallgrenze wird voraussichtlich zwischen 1000 und 1500 Metern liegen, kann aber bei starkem Niederschlag – insbesondere in den Julischen Alpen – tiefer fallen.
Lawinensituation weiterhin hochbrisant
Auch ohne Neuschnee bleiben die Bedingungen extrem heikel. Rettungsdienste mussten am vergangenen Wochenende zu Dutzenden Vorfällen ausrücken, einige davon endeten leider tödlich. Schwachschichten im Snowpack halten sich hartnäckig, und Neuschnee in Kombination mit Wind wird in weiten Teilen der Alpen erneut frische, leicht auslösbare Wind Slabs (Triebschneeansammlungen) schaffen. Es gilt weiterhin: Kritisch bleiben, defensives Terrain wählen und den aktuellen Lawinenlagebericht genau verfolgen.
Trockener am Donnerstag, Neuschnee für Frankreich ab Freitag
Die Großwetterlage ändert sich kaum: Eine eher südliche Westzirkulation, bei der sich Tiefdruckgebiete Richtung Spanien und Frankreich ausweiten. Am Donnerstagmorgen kann im Südosten der Alpen noch etwas Schnee fallen, danach setzt fast überall eine trockene Phase ein. Bis Donnerstagabend oder in der Nacht auf Freitag erreicht ein neues Niederschlagssystem die Alpen, das den Französischen Alpen voraussichtlich 10 bis 20 cm Schnee bringt. Inneralpin dürfte die Schneefallgrenze bei rund 1200 Metern liegen, während sie in den westlichen Regionen eher bei 1600 Metern anzutreffen sein wird.









