Die Wetterkarten werden neu gemischt und bringen interessante Entwicklungen mit sich. Zwar kündigt sich für die kommende Woche kältere Luft an, doch für die Nordalpen scheint erneut wenig Schneepotenzial vorhanden zu sein. Wer in der nächsten Woche auf der Suche nach frischem Powder ist, muss in die Südwestalpen blicken – und dieses Mal dürfte der Schnee mehr Gebiete erreichen als beim letzten Dump. Daher ist es Zeit für den Powder Alert #2 der Saison, in dem wir folgende Punkte beleuchten:
- Welche Regionen haben ab Sonntag Chancen auf einen Dump?
- Es wird in den Tälern regnen, aber wo liegt die Schneefallgrenze?
- Wie wirkt sich dieser Neuschnee auf die Lawinengefahr aus?
- Langfristprognose: Wann kommt die Kälte, und ist weiterer Schnee in Sicht?
Milde Ausgangslage
Auf dem kombinierten Satelliten- und Radarbild stechen zunächst die hellweißen Flächen ins Auge – das sind die schneebedeckten Gebirgszüge. Es wird jedoch auch deutlich, dass winterliches Wetter zuletzt fehlte: Die meisten Täler sind grün. Die milde Witterung hält vorerst an, wobei die Nullgradgrenze heute zwischen 1800 m (Südalpen) und 2300 m (Nordalpen) liegt. Störungen über Frankreich und dem Mittelmeer bringen zunehmend Bewölkung in die Westalpen. In den äußersten Südalpen gibt es heute zeitweise leichten Niederschlag mit einer Schneefallgrenze um 1800 m. Östlich von Vorarlberg dominiert in Österreich weiterhin die Sonne.
Wenig Aktivität am Samstag
Am Samstag ändert sich an dieser Zweiteilung wenig. Der Niederschlag gewinnt etwas an Boden, bleibt aber auf die französischen Alpen beschränkt. Viel mehr als ein paar Millimeter werden nicht fallen – oberhalb von etwa 1800 m bedeutet das einige Zentimeter Schnee. In Österreich und den italienischen Dolomiten bestimmt nach wie vor die Sonne das Geschehen.
Retour d’Est setzt ab Sonntag ein
Am Wochenende verlagert sich ein Tiefdrucksystem von Westfrankreich südwärts und positioniert sich schließlich westlich von Korsika. Dadurch entsteht eine Zone feuchter, instabiler Luft über dem Meer. Gleichzeitig steigt der Luftdruck nördlich der Alpen, und über Norditalien entwickelt sich eine östliche Strömung – ein klassischer Retour d’Est.
Erster Niederschlags-Peak mit hoher Schneefallgrenze
Die Wettermodelle sind sich diesmal relativ einig bezüglich der Verteilung und Intensität des Niederschlags, der in zwei Wellen eintreffen wird. Am Sonntagnachmittag und -abend zielt die erste Welle auf den italienischen Innenbogen (Aosta und Piemont) sowie die inneralpinen französischen Regionen entlang der italienischen Grenze. Auch der Rest der französischen Südalpen wird etwas Schnee abbekommen. Die Schneefallgrenze liegt noch hoch, anfangs um 2000 m, sinkt aber während des Niederschlags um einige hundert Meter. Ab etwa 1800 m sind im Piemont, Aosta und den französischen Südalpen am Sonntag bereits 10-30 cm zu erwarten.
Montag und Dienstag: 50+ cm, lokal über ein Meter
Die zweite Welle beginnt in der Nacht zum Montag und kann gut über 24 Stunden anhalten. Es ist reichlich Feuchtigkeit vorhanden, und die Strömung aus Südost bis Ost drückt diese effizient gegen den italienischen Innenbogen und die südlichen Schweizer Alpen. Der Schnee wird auch in tiefere Lagen fallen – von 1400–1700 m, bei intensivem Niederschlag lokal bis auf 1200 m absinkend.
| WO ÜBER 50 CM ERWARTET WERDEN: | MÖGLICHERWEISE ÜBER EIN METER: |
|---|---|
| Saas-Fee | Monte Rosa |
| Zermatt / Breuil-Cervinia | Saas Almagell |
| Via Lattea (Italienische Seite) | Champorcher |
| Courmayeur | Staffal |
| Pila | San Domenico |
Lawinengefahr steigt voraussichtlich auf Stufe 3–4 ab Montag
Die Lawinengefahr ist nach einer langen Trockenperiode derzeit gering (meist Stufe 1-2). Ab Montag wird sie in den betroffenen Regionen stark ansteigen und lokal voraussichtlich Stufe 4 erreichen. In der bestehenden Schneedecke befindet sich eine Schwachschicht sowie eine harte Kruste, die bei Neuschnee eine zusätzliche Schwachschicht bilden kann. Konsultieren Sie immer den aktuellen Lawinenlagebericht, bevor Sie ins Gelände gehen.
Abkühlung nach dem Dump, weiterhin Schneechancen für die Südalpen
Es ist eindeutig, welche Regionen den Jackpot knacken und dass ein großer Teil der Alpen leer ausgeht. Dies bedeutet, dass wir in den meisten Regionen mit einer weit unterdurchschnittlichen Schneedecke in die Weihnachtstage gehen. Das Hochdrucksystem über Nordeuropa sorgt ab dem 24. Dezember für eine allmähliche Abkühlung, auch wenn es nicht extrem kalt wird. Ab dem 24. wirkt das Wetter wieder winterlich, mit der Rückkehr von Frost und Tageshöchstwerten nur knapp über dem Gefrierpunkt. Oberhalb von 1000–1600 m bleibt es auch tagsüber frostig. Der starke Ostwind wird dafür sorgen, dass es sich kälter anfühlt, als das Thermometer anzeigt.
Die Bewölkung wird variieren, mit den besten Schneechancen in den Südalpen oberhalb von 1000 m – erneut hauptsächlich im italienischen Innenbogen. Am 24. Dezember kann sich auch in den östlichen Südalpen Niederschlag entwickeln, was besonders für Slowenien, Kärnten und die Dolomiten interessant ist. Mit Blick auf die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr scheint es ziemlich kalt zu bleiben, mit einem möglichen Vorstoß wirklich kalter Luft aus Nordosten im späteren Verlauf. Die Situation ist für detaillierte Prognosen noch zu unsicher.




