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Zwischen White-out und Nordlichtern: Eine autarke Traverse des Jostedalsbreen

Fotos: @two.summits

Hannah Bär und Hanna Löberbauer starteten eine autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen in Norwegen. Die Traverse des größten Festlandsgletschers Europas forderte den Athletinnen Geduld und navigatorisches Geschick ab – von tagelangen Sturmszenarien bis hin zu Materialverlust im White-out.

Die Reise begann für die beiden Skifahrerinnen in Innsbruck und Hannover. Nach einer rund 48-stündigen Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichten sie Oslo und anschließend per Nachtbus den Ausgangspunkt Erdal. Ziel war eine unabhängige Durchquerung von Nord nach Süd, bei der die gesamte Ausrüstung für sieben Tage im Rucksack transportiert wurde.

Unmittelbar nach dem Start Richtung Erdalsbreen zwang ein Wetterumschwung die Tourengeherinnen zu einem ungeplanten Stopp. In einer Biwakschachtel unterhalb der Gletscherzunge saßen sie zwei Tage und drei Nächte fest. Starke Böen, Regen, Schneesturm und Nassschneelawinen im Umfeld der Hütte machten einen Aufstieg unmöglich. Mehrere Versuche, das Wetterfenster zu nutzen, scheiterten an den extremen Windverhältnissen.

Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen

Aufstieg auf das Plateau

Nach Abklingen des Sturms erfolgte der Aufstieg über den Erdalsbreen. Die Route führte über drei Gletscherbrüche hinauf zum Jostedalsbreen. Während die erste Spaltenzone problemlos passiert wurde, erschwerte ein erneutes White-out die Orientierung im zweiten Abschnitt massiv. Die Sichtweite ging gegen Null, was die Navigation durch die Spaltenzonen zum Geduldsspiel machte. Durch ein kurzes Sichtfenster gelang schließlich der Durchstieg auf das Hauptplateau der bis zu 500 Meter dicken Eismasse.

Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen

Der erste Gipfel der Tour, der Brenibba, markierte einen kritischen Punkt der Expedition. Beim Abfellen am Gipfel machte sich ein Ski selbstständig und verschwand im White-out in Richtung eines Gletscherbruchs. Was das vorzeitige Ende der Traverse hätte bedeuten können, wendete sich glücklich: Trotz verwehter Spuren fand sich das Sportgerät unbeschädigt auf einem Felsriegel inmitten des steilen Hanges wieder. Nach der Bergung fuhren die Athletinnen auf das Gletscherplateau ab und errichteten das erste Camp.

Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen

Orientierung in der Eiswüste

Der Folgetag bot stabiles Wetter und gute Sichtverhältnisse. Auf dem Programm standen die Gipfel Kjenndalskruna über einen Felsgrat und der Kvittekoll, dessen Abfahrt durch ein Couloir auf der Südseite führte. Die Landschaft auf dem Plateau gleicht einer Wüste aus Eis und Schnee, in der Orientierung ohne GPS kaum machbar wäre. Die Weite der Fläche bietet wenig Referenzpunkte.

In der darauffolgenden Nacht zeigten sich Polarlichter über dem Camp. Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt beobachteten die Athletinnen das Naturschauspiel in Skischuhen auf dem Eis, bevor sie in die Schlafsäcke zurückkehrten.

Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen

Der Abstieg über den Flatbreen

Um einem angekündigten Schlechtwettergebiet zuvorzukommen, verließen Bär und Löberbauer den Jostedalsbreen über den Flatbreen. Der Abstieg erforderte die Überwindung eines letzten Gletscherbruchs, teils am Seil gesichert. Nach dem Verlassen der Gletscherzone führte die Route durch einen engen Tobel mit Blick auf den Fjaerlandsfjord.

Die letzte Etappe beinhaltete das Tragen der Ski hinab ins Tal durch sumpfiges Gelände bis in ein kleines Bauerndorf. Von dort aus erfolgte die Rückreise per Bus nach Oslo und anschließend mit dem Zug zurück nach Innsbruck. Die Tour endete erfolgreich nach einer vollständigen Überschreitung, bei der sich die Bedingungen des Gletschers als entscheidender Faktor erwiesen.

Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
Northaway: Autarke Skidurchquerung des Jostedalsbreen
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