Nach den intensiven Schneefällen und Windeinwirkungen der letzten Tage dürften sich die Bedingungen in den Westalpen heute kurzzeitig stabilisieren. Der Fokus richtet sich in diesem Wetterbericht zunächst auf die aktuellen Schneehöhen und die Lawinensituation. Doch bereits jetzt kündigen sich neue Störungen an, die in den kommenden Tagen für weiteren Neuschnee sorgen werden. Den Auftakt macht ein ordentlicher Dump im Piemont, bevor sich die Schneefälle ab Sonntag dank eines Nordwest-Staus auf weitere Teile der Alpen ausdehnen. Die Wahrscheinlichkeit für die Ausgabe von Powder Alert #8 am Wochenende ist hoch.


Schneemessungen in den französischen Alpen (Bild 1) und NW-Italien. Quellen: meteo3r.it und infoclimat.fr
Basis in Frankreich bei 1,5 bis 2,5 Metern
Dank des jüngsten Dumps liegen die Schneehöhen in den französischen Alpen nun über dem Durchschnitt für Mitte Februar. Oberhalb von 1500 Metern ist die Schneedecke signifikant angewachsen; oberhalb von 2000 Metern verzeichnen viele Gebiete eine Basis von mehr als 1,5 Metern. Ähnliche Schneehöhen finden sich im Piemont (insbesondere im Süden), im Aostatal und in großen Teilen des Wallis.
Wenig Zeit zur Stabilisierung
Das Altschneeproblem mit tief liegenden Schwachschichten ist nicht verschwunden, doch die neue Auflast könnte langfristig zur Stabilisierung der Schneedecke beitragen. Andererseits wurde der Schneefall oberhalb der Baumgrenze von stürmischen Winden begleitet. Die Schneehöhen variieren dort stark, frische Wind Slabs und Wächten stellen neue Risiken dar. Die meisten Regionen haben die Warnstufe von 4 oder 5 auf 3 oder 4 herabgesetzt. Für eine weitere Setzung bleibt jedoch kaum Zeit, da ab Sonntagnachmittag bereits neue Niederschläge erwartet werden.
Bis zu 40 cm im Piemont
Nach einem sonnigen Start zogen in den Westalpen wieder Wolken auf. Ursache ist ein Tiefdruckgebiet über Südfrankreich, das in den nächsten 24 Stunden Richtung Korsika zieht. Die Zugbahn verläuft etwas zu weit südlich, um die gesamten französischen Alpen mit Schnee zu versorgen. Der Schneefall setzt am frühen Abend ein, die letzten Niederschläge werden das Piemont bis Samstagnachmittag verlassen. Der Schwerpunkt liegt in den südlichsten Regionen, mit dem Kern im südlichen Piemont, wo heute Nacht ein kurzer Retour d’est auf dem Programm steht.
Die Wettermodelle prognostizieren etwa 40 cm Neuschnee für Prato Nevoso, Sangiacomo Cardini und Riserva Bianca. Weiter nördlich nimmt die Intensität rasch ab; in der Via Lattea sind grob 20 cm zu erwarten. In den französischen Resorts Isola 2000 und Auron werden über 20 cm erwartet, im Rest der französischen Südalpen zwischen 5 und 15 cm. Die Schneefallgrenze liegt zunächst bei rund 1500 Metern und sinkt in der Nacht auf etwa 1000 Meter ab. Während das System nach Osten zieht, kann auch andernorts in den Südalpen etwas Schnee fallen, große Mengen sind jedoch nicht zu erwarten.

Indikation der Gesamtniederschläge in mm/cm zwischen Samstag und Sonntagnachmittag (ECMWF, wxcharts.com).
Etwas Schnee für die Nordseite am Samstag
Das Tief bei Korsika verlagert sich am Samstag langsam nach Südosten. Östlich eines Hochdruckkeils über England stellt sich vorübergehend eine nördliche Strömung ein. Dadurch werden Reste mehrerer Störungen über Deutschland gegen die Nordalpen gedrückt. Der Schneefall beginnt am Nachmittag in einem Band, das von den französischen Nordalpen über die Schweiz und Vorarlberg bis nach Tirol reicht. Am Abend kann auch der Rest Österreichs etwas Schnee abbekommen. Die größten Mengen fallen nördlich des Alpenhauptkamms, wobei in den meisten Gebieten nicht mehr als 5 bis 15 cm zusammenkommen. Der Schneefall beginnt auf etwa 1000 Metern und sinkt in der Nacht zum Sonntag bis in die tieferen Täler.
Ordentlicher Nordwest-Stau ab Sonntagnachmittag
Am Sonntag zeichnet sich eine erneute Wetterumstellung ab. Zwischen einem tiefen Atlantik-Tief und einem Hochdruckgebiet südwestlich von Portugal baut sich eine kräftige West-Nordwest-Strömung auf. Ab Sonntagnachmittag überquert ein Frontensystem die Alpen, gefolgt von zahlreichen Schauern. Durch den orografischen Stauseffekt werden sich diese Schauer zu intensiven Niederschlagszonen verdichten und den französischen Nordalpen, den Schweizer Alpen sowie Vorarlberg einen neuen Dump von mehr als einem halben Meter bescheren.
Die Schneefallgrenze dürfte tiefer liegen als beim vorangegangenen Dump. In Frankreich und im Wallis fällt Schnee ab ca. 1000–1400 Metern; in Österreich und der übrigen Schweiz wahrscheinlich einige hundert Meter tiefer.
Am Montag gerät im Tagesverlauf auch ein Großteil Österreichs in die Schusslinie, wobei sich die Modelle bei den Mengen noch uneinig sind. Dies hängt stark davon ab, wie hoch der Nordanteil in der Strömung ist (je mehr, desto besser), was derzeit noch unsicher ist:
- ECMWF: 30–50 cm großflächig
- GFS: 20–40 cm in den nördlichen Bereichen, fast nichts im Süden
- ICON & UKMO: bis zu 40 cm in den Nordstaulagen, 10–30 cm im restlichen Österreich
Der Dienstag bringt unter einem Hochdruckkeil ruhigeres und trockeneres Wetter. Ab Mittwoch besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Südwestströmung mit milderer Luft.
Weitere Details zum kommenden Dump und zum wahrscheinlichen Powder Alert #8 folgen in den nächsten Updates.





