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StoriesInterviewsInterview: Nadine Wallner über das Filmprojekt „Backyard“ am Arlberg

Interview: Nadine Wallner über das Filmprojekt „Backyard“ am Arlberg

Ein Tag in Nadine Wallners Home-Spot

Die Berge rund um Klösterle sind Nadine Wallners täglicher Spielplatz, wo sie spektakuläre Abfahrten im steilen Gelände wagt. Im Interview spricht die leidenschaftliche Freeriderin darüber, was sie zu ihren außergewöhnlichen Leistungen antreibt, wie sie sich mental und körperlich auf das Filmprojekt „Backyard“ vorbereitet hat, wie sie mit dem allgegenwärtigen Risiko umgeht und welche Bedeutung ihre Heimat am Arlberg für sie hat.

Interview & Fotos Christoph Johann

Interview: Nadine Wallner über Heimat, Filmprojekt und Motivation

Du hast beinahe die ganze Welt auf Skiern bereist und deine Spuren in den großen Gebirgsketten hinterlassen. Doch wie wichtig ist dir deine Heimat und was bedeutet der Arlberg für dich?

Der Arlberg bedeutet mir unglaublich viel! Ich liebe die Vielfalt der Berge hier. Es gibt so viele Möglichkeiten und viele Runs sind schnell erreichbar. Ich bin hier aufgewachsen und kenne diese Berge vielleicht besser als meine eigene Wohnung. Diese Vertrautheit macht mich sehr effizient am Berg – ich weiß genau, welches die Gefahrenstellen sind und wo der beste Schnee liegt. Zu Hause am Arlberg bin ich einfach am liebsten unterwegs.

In deiner Heimat hast du vergangenen Winter ein neues Filmprojekt realisiert. Worum geht es in „Backyard“ und was macht diesen Freeride-Film so besonders?

Mein Ziel war es, fünf der schönsten und anspruchsvollsten Lines am Arlberg an einem einzigen Tag zu besteigen und abzufahren. Zusammen mit meinen Skipartnern Yannick Glatthard und Dino Flatz haben wir dabei 3.001 Höhenmeter zurückgelegt und 29,52 Kilometer Strecke bewältigt.

Für mich war es wichtig, das Projekt mit einem authentischen Freeride-Ansatz anzugehen, um die Abfahrten voll genießen zu können. Unsere Tour begann am berühmten Albonakopf, führte weiter zum Kaltenberg, dann zum Bettlerkar-Couloir und über die Östliche Eisentalerspitze schließlich zum Göttercouloir an der Westlichen Eisentalerspitze.

Filmprojekt „Backyard“ Daten & Fakten
Ziel Fünf Lines an einem Tag am Arlberg
Begleiter Yannick Glatthard, Dino Flatz
Höhenmeter 3.001 m
Strecke 29,52 km
Abfahrten Albonakopf, Kaltenberg, Bettlerkar-Couloir, Östliche Eisentalerspitze, Göttercouloir

 

Was hat dich zu dieser extrem anspruchsvollen Herausforderung motiviert?

Ich bin schon oft zwei oder drei dieser Abfahrten an einem Tag gefahren, aber noch nie alle fünf auf einmal. Die Idee, alles an nur einem Tag zu schaffen, fand ich faszinierend. Diese Skitouren-Verbindung ergibt für mich einfach Sinn, vor allem weil das Gelände perfekt für Freerider ist. Daher wollte ich das Projekt auch nicht mit schmalen Tourenskiern angehen, sondern mit meinen breiten Freeride-Skiern – das ist immer mein Anspruch!

Du bist eine erfahrene Bergsportlerin, aber selbst für dich ist solch ein Projekt sicherlich eine große Herausforderung gewesen. Wie hast du dich mental und körperlich darauf vorbereitet?

Für mich ist die Organisation der wichtigste Aspekt bei solchen Projekten. Jedes Detail im Voraus zu planen ist entscheidend und kann viele Fehler verhindern. Eine gute Planung gibt mir zudem Kraft und Energie. Ich habe dann alles im Kopf, kann mich auf meinen Skipartner verlassen und weiß, dass ich ein starkes Team hinter mir habe. Das hilft mir, ruhig und fokussiert in den Tag zu starten.

Speziell vorbereitet habe ich mich auf dieses Projekt nicht, da ich den ganzen Winter über ohnehin am Berg bin und regelmäßig solche Link-ups fahre. An einem normalen Tag kommen locker 2.000 Höhenmeter zusammen – da macht es für mich keinen großen Unterschied, ob es mal 1.000 Höhenmeter mehr sind. Natürlich braucht man eine solide Kondition sowohl für den Aufstieg als auch für die Abfahrt, aber diese Grundlage habe ich mir über die Jahre erarbeitet.

Spicy! Im steilen und von Spines durchzogenen Face am Albonakopf muss jeder Turn sitzen. | Interview: Nadine Wallner über das Filmprojekt „Backyard“ am Arlberg
Spicy! Im steilen und von Spines durchzogenen Face am Albonakopf muss jeder Turn sitzen. | Interview: Nadine Wallner über das Filmprojekt „Backyard“ am Arlberg

Wie groß war das Team, das dich bei diesem Projekt begleitet hat?

Unser Team bestand aus drei Kameraleuten, einem Drohnenpiloten, einem Fotografen und meinen beiden Skipartnern Yannick Glatthard und Dino Flatz. Dino und mein Freund Matthias Bader halfen beim Tragen der Kameraausrüstung und mein Bruder Thomas unterstützte uns beim Spuren.

War es schwierig, die mediale Begleitung mit der sportlichen Herausforderung zu vereinen?

Wir hatten im Vorfeld einen detaillierten Plan ausgearbeitet. Oft teilte sich das Medienteam auf, um schneller an die jeweiligen Spots zu gelangen. Auch wenn sie einige Höhenmeter einsparen konnten, hatten die Jungs definitiv jede Menge zu tun. Ohne eine durchdachte Planung und ein gut ausgearbeitetes Risikomanagement wäre das Projekt überhaupt nicht möglich gewesen.

Gab es während der Dreharbeiten brenzlige Situationen?

Ein Restrisiko lässt sich in steilem Freeride-Terrain ja nie ganz ausschließen. Es war wirklich schwierig, einen Tag mit guten und sicheren Bedingungen zu finden. Wir haben den ganzen Februar auf den perfekten Moment gewartet, aber entweder schneite es zu wenig oder zu viel oder der Wind machte uns einen Strich durch die Rechnung. Anfang März konnten wir endlich starten, auch wenn die Bedingungen nicht ideal waren.

Wir fühlten uns als Team aber gut vorbereitet. Im Bettlerkar-Couloir gab es dann jedoch eine heikle Situation. Ich war als Erste in die Line gedroppt, und als Yannick folgte, löste sich ein Schneebrett. Zum Glück konnte er vor dem Rutsch seitlich aus dem Couloir fahren. Dieser Moment war ein Weckruf für uns alle. Ich fragte Yannick, ob er abbrechen wollte, aber er vertraute meinen Kenntnissen und war entschlossen weiterzumachen. Danach gingen wir die restlichen Runs noch defensiver an und fuhren im Buddy-System.

Wer diese Berge seine Heimat schätzen kann, hat mit der Wahl des Wohnorts alles richtig gemacht! | Interview: Nadine Wallner über das Filmprojekt „Backyard“ am Arlberg
Wer diese Berge seine Heimat schätzen kann, hat mit der Wahl des Wohnorts alles richtig gemacht! | Interview: Nadine Wallner über das Filmprojekt „Backyard“ am Arlberg

„An einem normalen Tag kommen locker 2.000 Höhenmeter zusammen – da macht es für mich keinen großen Unterschied, ob es mal 1.000 Höhenmeter mehr sind.“

Interview: Nadine Wallner über das Filmprojekt „Backyard“ am Arlberg
Interview: Nadine Wallner über das Filmprojekt „Backyard“ am Arlberg
Bei so aufwendigen und durchgetakteten Missionen bleibt die Ästhetik von tollen Aufnahmen oftmals auf der Strecke – nicht so bei „Backyard“. | Interview: Nadine Wallner über das Filmprojekt „Backyard“ am Arlberg
Bei so aufwendigen und durchgetakteten Missionen bleibt die Ästhetik von tollen Aufnahmen oftmals auf der Strecke – nicht so bei „Backyard“. | Interview: Nadine Wallner über das Filmprojekt „Backyard“ am Arlberg

Deine erste Line hast du am Albonakopf hinterlassen, eine der schönsten und anspruchsvollsten Freeride-Abfahrten in Österreich. Was ging dir vor dem Drop-in durch den Kopf und was macht diesen Berg so besonders?

Der Albonakopf steht bei vielen ambitionierten Freeridern ganz oben auf der Liste. Er ist steil und die Abfahrt anspruchsvoll. Was ihn so besonders macht, ist seine einzigartige Form mit den vielen Spines, die man sonst nur in Alaska sieht. Die größte Herausforderung ist die Steilheit. Obwohl das Face relativ kurz ist, darf man sich keine Fehler erlauben – ein Sturz hätte hier schwere Konsequenzen.

Letzte Saison hatten wir das Glück, dass es über 2.000 Meter ungewöhnlich viel Schnee gab. In all meinen Jahren habe ich den Albonakopf selten unter so perfekten Bedingungen gesehen. Als ich am Drop-in stand, dachte ich nur: „Wow, das ist wirklich steil! Hoffentlich passt der Schnee!“

Interview: Nadine Wallner über das Filmprojekt „Backyard“ am Arlberg
Interview: Nadine Wallner über das Filmprojekt „Backyard“ am Arlberg

Nach vier Abfahrten stand noch der letzte und längste Aufstieg zum Göttercouloir bevor. Wie hast du dich für den finalen Push motiviert und wie hast du dich schlussendlich gefühlt, als du dein Ziel erreicht hattest?

Als wir uns dem Göttercouloir näherten, wusste ich, dass ich nach der Abfahrt von der Östlichen Eisentalerspitze schon über 2.000 Höhenmeter hinter mir hatte, jetzt aber der längste Aufstieg zur letzten Line auf uns warten würde. Dino hatte inzwischen vorgespurt und wartete bereits auf dem Gipfel auf uns, was für einen enormen Motivations-Booster sorgte. Als wir schließlich den Gipfel erreichten, war die Euphorie riesig.

Die Sonne war schon untergegangen, also mussten wir mit Stirnlampen abfahren und trafen schließlich im Tal auf das restliche Team. Gestartet waren wir alle vor 15 Stunden bei Dunkelheit. What a day!

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