Gegen den Strom: Warum Majesty auf Handwerk statt Massenmarkt setzt
Aus den Bergen der Hohen Tatra in die wichtigsten Skiregionen der Welt: Im Interview spricht Janusz Borowiec, Gründer von Majesty Skis, über die Anfänge der Marke in Polen, den Anspruch an echte Vielseitigkeit und japanisch inspirierte Produktkonzepte, in denen Handwerk und funktionale Klarheit dominieren.
Hi Janusz, wenn du heute auf die frühen Tage von Majesty zurückblickst: Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde, dass aus dem Projekt mehr werden könnte als eine Nischenmarke?
Majesty ist aus einem sehr konkreten Bedürfnis entstanden: Wir wollten Ski bauen, die es so auf dem Markt nicht gab. Aufgewachsen in der Hohen Tatra waren wir von Anfang an mit anspruchsvollem Gelände und extrem wechselhaften Bedingungen konfrontiert. Unsere Ski mussten unter unberechenbaren Umständen funktionieren – daraus entstand ganz automatisch der Fokus auf Vielseitigkeit, Intuition und Verspieltheit im realen Bergalltag. Der Wendepunkt kam eher leise als geplant.
Unsere Ski tauchten plötzlich ganz selbstverständlich in den Alpen, in Skandinavien, Japan oder Nordamerika auf – ohne großes Marketing. Die Leute sind sie gefahren, weil sie funktioniert haben. In diesem Moment wurde klar, dass Majesty langfristiges Potenzial hat. Gerade heute mit immer instabileren Wintern ist echte Vielseitigkeit relevanter denn je.

Diese frühe Ausrichtung prägt Majesty bis heute. Wie hat sich eure Designphilosophie seit den ersten „Dirty Bear“-Prototypen weiterentwickelt?
Die ersten Prototypen waren roh und sehr instinktiv, allerdings war die Grundidee schon damals klar. Über die Jahre sind vor allem Präzision und technische Tiefe hinzugekommen – durch neue Materialien und Konstruktionen wie das Cut-off Tail, 4Rx4R oder MicRoc. Unverändert geblieben ist unser Kernanspruch: Ein Ski muss sich natürlich anfühlen, Vertrauen geben und Spaß machen. Vielseitigkeit ist für uns kein Kompromiss, sondern eine Frage der Balance – daran rütteln wir nicht.
Dieser Anspruch spiegelt sich auch in eurer Markenentwicklung wider. Welche Schwerpunkte setzt Majesty für die Saison 2025/26?
Wir setzen bewusst auf selektives Wachstum. Statt schneller Expansion stärken wir unsere Präsenz in Kernmärkten wie Frankreich, Norwegen, den USA, Japan, Australien und Neuseeland. Ein besonderer Fokus liegt auf dem deutschsprachigen Raum mit neuen Partnerschaften in der Schweiz sowie in Deutschland und Österreich. Uns geht es um Tiefe, regionale Verankerung und langfristige Beziehungen – nicht um bloße Reichweite.

Ein gutes Beispiel für diesen Ansatz ist eure starke Verbindung zu Japan. Warum habt ihr dort eine eigene Modelllinie entwickelt – und warum den „HNX Ti“?
Die On-Piste-Kollektion ist stark von Japan inspiriert: von Handwerkskunst, Präzision und funktionaler Klarheit. Mit dem „HNX Ti“ haben wir bewusst eine neue Kategorie geschaffen. Viele Freeride- und Tourenskifahrer wollen früh in die Saison starten, wenn Off-Piste noch keine Option ist. Bisher blieb oft nur der Griff zu klassischen Rennskiern – eine Lösung, die selten begeistert.
Der „HNX Ti“ bietet hier eine echte Alternative. Dank vom Freeriden inspirierter Technologien fährt er sich auf der Piste fast wie im Gelände: stabil, ruhig, fehlertolerant und ermüdungsarm. Die 4Rx4R-Technologie sorgt für flüssige Schwünge, das Swallow Tail für sauberes Carven ohne abruptes Ende.
Kurz gesagt: Der „HNX Ti“ ist ein Ski, der Pistenfahren plötzlich richtig gut macht.
Das exklusive japanische Design ist dabei kein symbolischer Akt, sondern ein klares Bekenntnis zu diesem Markt – langfristig und mit Respekt vor seiner Skikultur.
Neben dem „HNX Ti“ habt ihr mit dem „Vanguard 108 Carbon“ ein weiteres neues Modell vorgestellt. Was war die Idee dahinter?
Während die „Havoc“-Serie klar direktional ausgelegt ist, bringt der „Vanguard 108 Carbon“ mehr Verspieltheit und einen stärkeren New-School-Charakter ins Spiel – ohne auf Stabilität oder Präzision zu verzichten. Er richtet sich an Fahrer, die kreativ unterwegs sind, aber auch schnell und kontrolliert fahren wollen.
Der „Vanguard 108 Carbon“ ist leicht genug für Touring-Set-ups mit Pin-Bindungen und bietet ein lockeres, modernes Free-Touring-Gefühl. Der „Vanguard 108 Ti“ richtet sich dagegen an alpine und hybride Set-ups mit mehr Dämpfung und Abfahrtsperformance. Beide Versionen folgen derselben Idee, bedienen aber unterschiedliche Fahrstile.

Ein weiterer wichtiger Pfeiler bei Majesty ist die Nachhaltigkeit. Welche Rolle spielt sie konkret?
Über „Skis4Trees“ wurden bereits mehr als 20.000 Bäume gepflanzt. Nachhaltigkeit ist für uns kein Marketingthema, sondern Teil unserer täglichen Entscheidungen – von FSC-zertifiziertem Holz bis zu langlebigen Konstruktionen. Wir glauben, dass robuste, vielseitige Ski oft die nachhaltigste Lösung sind.
Dieser Gedanke zieht sich auch durch Projekte wie „Skis Re//Defined“. Wie ist diese Idee entstanden?
Aus der einfachen Frage, warum ein Ski am Ende seiner Fahrzeit entsorgt werden sollte. Stattdessen geben wir alten Ski ein zweites Leben als Kunst- und Designobjekte. Das Projekt läuft mittlerweile in der vierten Edition und zeigt, dass Ski auch über ihre aktive Nutzung hinaus Teil der Skikultur bleiben können.

Zum Abschluss: Wie wichtig ist das Handwerkliche für Majesty – und wohin geht die Reise?
Handwerk ist zentral für Majesty. Wir setzen Technologie dort ein, wo sie Qualität verbessert, vermeiden aber bewusste Vollautomatisierung. Menschliche Expertise, Finish und unsere Hochtemperatur-Heißpressung geben unseren Ski ihren Charakter – das spürt man im Schnee.
In den kommenden Jahren fokussieren wir uns weiter auf Freeride- und Touring-Ski und bauen ergänzende Kategorien wie Brillen, Stöcke und Felle aus. Besonders spannend sind für uns hybride Konzepte, die klassische Kategorien auflösen – Ski für echte Skifahrer, nicht für Marketing-Schubladen.
Vanguard 108 Carbon 2026

Der „Vanguard 108 Carbon“ steht für modernes Freeriden mit Touren-DNA und wurde für Skifahrer entwickelt, die kreative Lines ebenso schätzen wie Tempo, Stabilität und Effizienz im Aufstieg: breit genug für tiefe Tage, leicht genug für lange Touren – und präzise dort, wo Kontrolle zählt. Im Vergleich zu klassisch direktionalen Freeride-Ski bietet der „Vanguard 108 Carbon“ mehr Verspieltheit und einen klaren New-School-Charakter, ohne an Laufruhe oder Sicherheit einzubüßen.
Er lädt zum Spielen ein, bleibt aber jederzeit berechenbar und souverän – selbst bei höherem Tempo oder wechselnden Schneebedingungen. Der leichte Paulownia-Pappel-Holzkern mit Carbon- und Glasfaser-Laminaten sorgt für ein ausgewogenes Verhältnis aus Gewicht, Stabilität und Reaktivität. In Verbindung mit der 4Rx4R-Technologie entstehen flüssige, progressive Schwünge mit kontrolliertem Flexverlauf und hoher Kantenstabilität. Der Ski bleibt ruhig, auch wenn das Gelände anspruchsvoller wird.
Der „Vanguard 108 Carbon“ ist konsequent auf Free Touring ausgelegt. In Kombination mit Pin-Bindungen wie der Majesty x ATK „R13 Evo“ entsteht ein extrem leichtes Set-up für lange Aufstiege – ohne Kompromisse in der Abfahrt. Der moderat gerockerte Shape sorgt für mühelosen Auftrieb im Powder, während die ausgewogene Mittelbreite und die stabile Plattform Vertrauen auf hartem oder zerfahrenem Schnee geben.
| Eigenschaften | Details |
|---|---|
| Längen | 168, 174, 180, 186 cm |
| Radius | 20,0 m (186 cm) |
| Shape | 136/108/126 mm (186 cm) |
| Preis | 899,99 Euro |


