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NewsPR NewsLawinenlage in Tirol: Anhaltend heikle Situation durch Altschneeproblem

Lawinenlage in Tirol: Anhaltend heikle Situation durch Altschneeproblem

Lawinenlage in Tirol: Update

Seit dem letzten Lagebericht haben sich Schneedeckenstabilität und Auslösebereitschaft kaum verändert. Wintersportler sehen sich weiterhin mit einer verbreitet heiklen und teils heimtückischen Lawinensituation konfrontiert. Eine überlegte, defensive Routenwahl ist essenziell, um das Risiko im freien Gelände zu minimieren.

Lang anhaltende Gefahrensituation

Die Phase einer deutlich erhöhten Störanfälligkeit der Schneedecke dauert nun bereits knapp einen Monat an. Ursache hierfür ist mindestens eine sehr ausgeprägte Schwachschicht – meist bestehend aus kantigen Kristallen und Schwimmschnee im Mittelteil der Schneedecke sowie Oberflächenreif im Nahbereich der Schneeoberfläche. Darüber liegt ein gut ausgebildetes Schneebrett.

Dieses Brett hat sich in der vergangenen Woche durch Schneefälle und zeitweise starken Windeinfluss weiter verstärkt. Die Rückmeldungen aus dem Gelände bestätigen das kritische Bild: Alarmzeichen wie Setzungsgeräusche (Wumm-Geräusche), Rissbildungen und Lawinenauslösungen – sowohl spontan als auch durch Personen- oder Fernauslösung – blieben zahlreich.

Geländewahl als Risikomanagement

Aktuell erfordert das Bewegen im freien Gelände in weiten Teilen Tirols viel Erfahrung und Zurückhaltung. Es gilt der Grundsatz: „Wenn die Lawine das Problem ist, ist das Gelände die Lösung“. Touren im mäßig steilen Gelände, abseits von großen, gleichmäßigen Steilhängen, sind derzeit die angebrachte Strategie.

Gefahrenstufe 4: „Wintersportler-Groß“

In der vergangenen Woche wurde zweimal die Gefahrenstufe 4 (groß) ausgegeben. In dieser Situation können Lawinen bereits durch geringe Zusatzbelastung, also durch einzelne Wintersportler, ausgelöst werden oder spontan abgehen. Die Lawinengröße liegt dabei meist im mittleren, teils auch im großen Bereich.

Gefahrenstufenkarte vom 30.01.2026
Gefahrenstufenkarte vom 30.01.2026
Gefahrenstufenkarte vom 05.02.2026
Gefahrenstufenkarte vom 05.02.2026

Eindrücke der vergangenen Woche

Die folgenden Bilder dokumentieren die aktuelle Instabilität der Schneedecke eindrucksvoll.

Spontane Lawinen und Sprengerfolge

Nach den Niederschlägen Ende Januar wurde in neuschneereichen Regionen von sehr guten Sprengerfolgen berichtet, hier am Gaislachkogel in der Weißkugelgruppe (© Tobias Holzknecht, 30.01.2026)
Nach den Niederschlägen Ende Januar wurde in neuschneereichen Regionen von sehr guten Sprengerfolgen berichtet, hier am Gaislachkogel in der Weißkugelgruppe (© Tobias Holzknecht, 30.01.2026)
Kleine Schneebrettlawinen im Bereich von Böschungen in der Region Karnische Alpen Osttirol (© LWD Tirol, 30.01.2026)
Kleine Schneebrettlawinen im Bereich von Böschungen in der Region Karnische Alpen Osttirol (© LWD Tirol, 30.01.2026)
Großflächige Bruchausbreitung im Eisenkar am Geigenkamm (© Clemens Gufler, 31.01.2026)
Großflächige Bruchausbreitung im Eisenkar am Geigenkamm (© Clemens Gufler, 31.01.2026)
Zahlreiche spontane Lawinen am Roten Schofen (Kaunergrat) aufgrund umfangreicher Verfrachtungen am 03.02.2026 (© Benjamin Zanon)
Zahlreiche spontane Lawinen am Roten Schofen (Kaunergrat) aufgrund umfangreicher Verfrachtungen am 03.02.2026 (© Benjamin Zanon)

Personenausgelöste Lawinen und Fernauslösungen

Lawinenauslösung durch Wintersportler im Bereich der Maschentalalm, Tuxer Alpen Ost (© Achim Scherzer, 30.01.2026)
Lawinenauslösung durch Wintersportler im Bereich der Maschentalalm, Tuxer Alpen Ost (© Achim Scherzer, 30.01.2026)
Lawinenauslösungen im Pistennahbereich. Thurntaler in der Region Deferegger Alpen Ost (© Barbara Fink, 01.02.2026)
Lawinenauslösungen im Pistennahbereich. Thurntaler in der Region Deferegger Alpen Ost (© Barbara Fink, 01.02.2026)
Fernauslösung im Schöntal in der Region Sellrain – Alpeiner Berge (© Simon Legner, 30.01.2026)
Fernauslösung im Schöntal in der Region Sellrain – Alpeiner Berge (© Simon Legner, 30.01.2026)
Fernauslösung beim Kastengrat in der Region Kalkkögel (© Thilo Rek, 01.02.2026)
Fernauslösung beim Kastengrat in der Region Kalkkögel (© Thilo Rek, 01.02.2026)
Fernauslösungen vom Beobachtungsstandort am Weg zum K2 im Pitztal, Weißkugelgruppe (© Jef Verstraeten, 04.02.2026)
Fernauslösungen vom Beobachtungsstandort am Weg zum K2 im Pitztal, Weißkugelgruppe (© Jef Verstraeten, 04.02.2026)

Rissbildungen und Setzungsgeräusche

Rissbildung und großflächige Bruchfortpflanzung am Gamsberg in der Samnaungruppe (© Stefan Jungmann, 01.02.2026)
Rissbildung und großflächige Bruchfortpflanzung am Gamsberg in der Samnaungruppe (© Stefan Jungmann, 01.02.2026)
Rissbildung bei der Allerleigrubenspitze in der Region Stubaier Alpen Mitte (© Jef Verstraeten)
Rissbildung bei der Allerleigrubenspitze in der Region Stubaier Alpen Mitte (© Jef Verstraeten)

Rückblick: Wetter und Schneedecke

Die vergangene Woche war anfänglich von Schönwetter bei einer Südströmung geprägt. Ab dem 03.02. trübte es von Süden her ein, gefolgt von Schneefällen mit Schwerpunkt im südlichsten Osttirol. Dort summierten sich die Neuschneemengen auf bis zu 50 cm. Ein entscheidender Faktor war der teils sehr starke Windeinfluss am 03.02. und 04.02., der zu umfangreichen Verfrachtungen führte. Die Kombination aus der Zusatzbelastung durch Neuschnee und Triebschnee verschärfte die Lawinensituation aufgrund einer ausgeprägteren Brettbildung erheblich.

Freundlicheres Wetter in Nordtirol als in Osttirol. Prägend war unter anderem der starke Windeinfluss am 03.02. und 04.02., vor allem in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes.
Freundlicheres Wetter in Nordtirol als in Osttirol. Prägend war unter anderem der starke Windeinfluss am 03.02. und 04.02., vor allem in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes.
24h Schneedifferenz vom 04.02. auf den 05.02.2026
24h Schneedifferenz vom 04.02. auf den 05.02.2026
Starker Windeinfluss insbesondere am 03.02.2026
Starker Windeinfluss insbesondere am 03.02.2026
Im Süden, am Hauptkamm und etwas nördlich davon beobachtete man häufig große Schneefahnen als Zeichen umfangreicher Schneeverfrachtungen. Sölden, Weißkugelgruppe (© Peter Raich, 03.02.2026)
Im Süden, am Hauptkamm und etwas nördlich davon beobachtete man häufig große Schneefahnen als Zeichen umfangreicher Schneeverfrachtungen. Sölden, Weißkugelgruppe (© Peter Raich, 03.02.2026)

Eingeschneiter Oberflächenreif

Ein kritischer Faktor ist der mit den Schneefällen ab dem 03.02. recht verbreitet eingeschneite Oberflächenreif. Zwar wurde dieser insbesondere in gipfelnahen Bereichen und am Alpenhauptkamm durch den Windeinfluss teilweise zerstört, dennoch hat sich stellenweise eine weitere, sehr störanfällige Schwachschicht innerhalb der Schneedecke gebildet. Ein Indikator hierfür können spontane Rutsche im Steilgelände sein, die sich nur auf die oberflächennahen Schichten beschränken. Von außen ist diese Gefahr kaum erkennbar.

Im südlichen Osttirol war es trüber als im Norden, jedoch mit den meisten Niederschlägen. Die Differenz zwischen Schneeoberflächentemperatur und Taupunkt zeigt das erhöhte Potenzial zur Oberflächenreifbildung.
Im südlichen Osttirol war es trüber als im Norden, jedoch mit den meisten Niederschlägen. Die Differenz zwischen Schneeoberflächentemperatur und Taupunkt zeigt das erhöhte Potenzial zur Oberflächenreifbildung.
Rückmeldungen über Oberflächenreif während der vergangenen Woche.
Rückmeldungen über Oberflächenreif während der vergangenen Woche.
Oberflächenreif im Unterland (© Andreas Stefan Mayr, 01.02.2026)
Oberflächenreif im Unterland (© Andreas Stefan Mayr, 01.02.2026)
Oberflächenreif im Bereich der Mölser Sonnenspitze in der Region Tuxer Alpen West (© Michael Gasteiger, 31.01.2026)
Oberflächenreif im Bereich der Mölser Sonnenspitze in der Region Tuxer Alpen West (© Michael Gasteiger, 31.01.2026)

Das Hauptproblem bleibt jedoch die ausgeprägte Schwachschicht im Mittelteil der Schneedecke.

Ein typisches Schneeprofil mit potenziellen Schwachschichten aus kantigen Kristallen und Schwimmschnee (eingelagert zwischen Krusten). An der Oberfläche ist noch Oberflächenreif erkennbar. An diesem Standort war das Brett zum Profilzeitpunkt zu wenig ausgeprägt. Nur zwei Meter entfernt war die Schneeauflage auf der Schwachschicht dicker und das Brett mächtiger, was zu einem durchgängigen Bruch führte.
Ein typisches Schneeprofil mit potenziellen Schwachschichten aus kantigen Kristallen und Schwimmschnee (eingelagert zwischen Krusten). An der Oberfläche ist noch Oberflächenreif erkennbar. An diesem Standort war das Brett zum Profilzeitpunkt zu wenig ausgeprägt. Nur zwei Meter entfernt war die Schneeauflage auf der Schwachschicht dicker und das Brett mächtiger, was zu einem durchgängigen Bruch führte.

Weitere Entwicklung

Kurze Störung, dann Wetterberuhigung

Laut GeoSphere Austria breiten sich am Morgen des 06.02. in Nordtirol von Westen her kompakte Wolken aus, gefolgt von leichtem Regen- oder Schneefall. Die Schneefallgrenze liegt zwischen 1100 und 1400 Metern. In Osttirol bleibt es stark bewölkt, abseits des Tauernhauptkamms jedoch weitgehend trocken.

Etwas Neuschnee in weiten Teilen Tirols. 24h Prognose für den 06.02.2026
Etwas Neuschnee in weiten Teilen Tirols. 24h Prognose für den 06.02.2026

Anschließend stellt sich schwaches Hochdruckwetter ein, wobei die Temperaturen für die Jahreszeit mild bleiben. Zur Wochenmitte ist erneut unbeständiges Wetter mit Neuschnee möglich.

Prognostizierter Temperaturverlauf bis Montag, 09.02.2026.
Prognostizierter Temperaturverlauf bis Montag, 09.02.2026.
Bis Wochenmitte bleibt es niederschlagsfrei, gegen das Wochenende hin ist Neuschnee auf Tirols Bergen möglich.
Bis Wochenmitte bleibt es niederschlagsfrei, gegen das Wochenende hin ist Neuschnee auf Tirols Bergen möglich.

Auswirkung auf die Lawinengefahr

Sollte es am 06.02. tendenziell höher hinauf nass schneien, würde dies die Brettbildung weiter fördern. Die Folge wäre eine zusätzlich erhöhte Störanfälligkeit der Schneedecke. Die für Wintersportler ungünstige Lawinensituation bleibt somit bis auf Weiteres bestehen.

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