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NewsPR NewsGroße Lawinengefahr: Kritische Situation in Ötztaler Alpen und Osttirol

Große Lawinengefahr: Kritische Situation in Ötztaler Alpen und Osttirol

Große Lawinengefahr oberhalb der Waldgrenze

Die Kombination aus Neuschnee, Windeinfluss und einer extrem schwachen Altschneedecke hat die Lawinengefahr gebietsweise drastisch ansteigen lassen. In den südlichen Ötztaler Alpen sowie im südwestlichen Osttirol herrscht oberhalb der Waldgrenze große Lawinengefahr. Zahlreiche Rückmeldungen aus dem Gelände bestätigen massive Alarmzeichen: Spontane Lawinenabgänge, Fernauslösungen sowie deutliche Setzungsgeräusche (Wumm-Geräusche) und Rissbildungen zeigen die hohe Störanfälligkeit der Schneedecke an. Lawinen erreichen meist mittlere Größe, können in neuschneereichen Sektoren jedoch auch groß werden.

Es wird dringend zu defensivem Verhalten in den kommenden Tagen geraten.

Alarmzeichen deuten auf instabile Schneedecke hin

Parallel zum Neuschnee, der seit Sonntag, den 26.01. fiel, häufen sich in den niederschlagsreicheren Gebieten die Meldungen über Gefahrenzeichen. Diese Alarmzeichen sind klare Indikatoren für eine kritische Lawinensituation und müssen ernst genommen werden. Rider sollten ihre Routenwahl und das Verhalten im Backcountry strikt an die Bedingungen anpassen.

Fernauslösung in der Region Deferegger Alpen Ost (© LWD Tirol, 29.01.2026)
Fernauslösung in der Region Deferegger Alpen Ost (© LWD Tirol, 29.01.2026)
Fernauslösung in den Kalkkögeln (© Jan Wördenweber, 27.01.2026)
Fernauslösung in den Kalkkögeln (© Jan Wördenweber, 27.01.2026)
Spontane Lawinenabgänge auf Böschungen in Sankt Jakob im Defereggen (© Mark Kleinlercher, 20.01.2026)
Spontane Lawinenabgänge auf Böschungen in Sankt Jakob im Defereggen (© Mark Kleinlercher, 20.01.2026)
Spontanes Schneebrett am Karnischen Kamm (© Hansjörg Schneider, 26.01.2026)
Spontanes Schneebrett am Karnischen Kamm (© Hansjörg Schneider, 26.01.2026)
Spontaner Lawinenabgang in der Samnaungruppe (© Martin Santeler, 29.01.2026)
Spontaner Lawinenabgang in der Samnaungruppe (© Martin Santeler, 29.01.2026)
Personenausgelöstes Schneebrett in der Region Deferegger Alpen Ost (© Mark Kleinlercher, 26.01.2026)
Personenausgelöstes Schneebrett in der Region Deferegger Alpen Ost (© Mark Kleinlercher, 26.01.2026)
Bei der Abfahrt löste sich ein Schneebrett. Bergerkogel – Venediger Gruppe Süd (© Alois Mariacher, 27.01.2026)
Bei der Abfahrt löste sich ein Schneebrett. Bergerkogel – Venediger Gruppe Süd (© Alois Mariacher, 27.01.2026)
Rissbildung in den Lienzer Dolomiten (© Anton Riepler, 27.01.2026)
Rissbildung in den Lienzer Dolomiten (© Anton Riepler, 27.01.2026)
Rissbildungen auch in den Tuxer Alpen (© Reinhold Lackner, 29.01.2026)
Rissbildungen auch in den Tuxer Alpen (© Reinhold Lackner, 29.01.2026)

Auch die Skigebiete in den niederschlagsreicheren Regionen melden sehr gute Sprengerfolge, was die Instabilität zusätzlich unterstreicht.

Sehr gute Sprengerfolge im Skigebiet (© Tobias Holzknecht, 29.01.2026)
Sehr gute Sprengerfolge im Skigebiet (© Tobias Holzknecht, 29.01.2026)
Auslösung von einigen, gering mächtigen Schneebrettlawinen in der Schlick (© Dominik Jenewein, 26.01.2026)
Auslösung von einigen, gering mächtigen Schneebrettlawinen in der Schlick (© Dominik Jenewein, 26.01.2026)

Schwacher Schneedeckenaufbau als Ursache

Der problematische Schneedeckenaufbau dieses Winters wurde bereits mehrfach analysiert. Die Basis besteht vielerorts aus Schwimmschnee und kantigen Kristallen – ein klassisches Altschneeproblem.

An dem „Durchscheinprofil“ erkennt man sehr gut luftreichere (Schwach-)Schichten innerhalb der Schneedecke. Felbertauern (© Stephan Aberger, 27.01.2026)
An dem „Durchscheinprofil“ erkennt man sehr gut luftreichere (Schwach-)Schichten innerhalb der Schneedecke. Felbertauern (© Stephan Aberger, 27.01.2026)
Ein Blick in die schwache Schneedecke in der Lasörling Gruppe: Die Basis der Schneedecke besteht aus Schwimmschnee und kantigen Kristallen, darüber lagert der kürzlich gefallene, an diesem Standort noch ziemlich lockere Neuschnee.
Ein Blick in die schwache Schneedecke in der Lasörling Gruppe: Die Basis der Schneedecke besteht aus Schwimmschnee und kantigen Kristallen, darüber lagert der kürzlich gefallene, an diesem Standort noch ziemlich lockere Neuschnee.
Ein ähnlich schwaches Schneeprofil in den Lienzer Dolomiten.
Ein ähnlich schwaches Schneeprofil in den Lienzer Dolomiten.
Beginnend von etwa 2400m / 2600m aufwärts findet man vermehrt auch in Südhängen mögliche Schwachschichten für Schneebrettlawinen.
Beginnend von etwa 2400m / 2600m aufwärts findet man vermehrt auch in Südhängen mögliche Schwachschichten für Schneebrettlawinen.
Entscheidend für die Gefahreneinschätzung ist unter anderem auch, ob der Untergrund vor den letzten Schneefällen aper oder schneebedeckt war. Region Zillertaler Alpen Nordwest (© Barbara Fink, 23.01.2026)
Entscheidend für die Gefahreneinschätzung ist unter anderem auch, ob der Untergrund vor den letzten Schneefällen aper oder schneebedeckt war. Region Zillertaler Alpen Nordwest (© Barbara Fink, 23.01.2026)
Oberflächenreif wurde durch den Neuschnee eingeschneit – eine weitere, von außen nicht erkennbare Schwachschicht. Lienzer Dolomiten (© Anton Riepler, 27.01.2026)
Oberflächenreif wurde durch den Neuschnee eingeschneit – eine weitere, von außen nicht erkennbare Schwachschicht. Lienzer Dolomiten (© Anton Riepler, 27.01.2026)
Am 12.01. bildete sich während einer Warmfront eine dünne Schmelzkruste an der Schneeoberfläche. Darunter findet man inzwischen teilweise eine kantige Schicht als mögliche Schwachschicht. Betroffen ist vor allem ein Höhenband zwischen etwa 1700m und 1900m. (© Kristian Rath, 25.01.2026)
Am 12.01. bildete sich während einer Warmfront eine dünne Schmelzkruste an der Schneeoberfläche. Darunter findet man inzwischen teilweise eine kantige Schicht als mögliche Schwachschicht. Betroffen ist vor allem ein Höhenband zwischen etwa 1700m und 1900m. (© Kristian Rath, 25.01.2026)

Wettersituation und Neuschnee

Nach einer langen Trockenperiode hat es ab dem 24.01. auch im Süden des Landes wieder geschneit. In Summe fielen meist um 40cm, lokal auch mehr. Der Neuschnee wurde, besonders am Mittwoch, den 18.01., durch starken Wind massiv verfrachtet. Es bildeten sich frische Triebschneepakete. Das Tückische: Diese wurden nachfolgend durch weiteren Neuschnee, der ohne Windeinfluss fiel, überdeckt. Gefahrenstellen sind somit kaum oder gar nicht mehr visuell zu erkennen.

Gebietsweise wurde es winterlich, wie hier im Nahbereich von Sölden (© Peter Raich, 26.01.2026)
Gebietsweise wurde es winterlich, wie hier im Nahbereich von Sölden (© Peter Raich, 26.01.2026)
24h-Schneedifferenz am Sonntag, den 26.01.2026
24h-Schneedifferenz am Sonntag, den 26.01.2026
Weitere Schneefälle folgten bis zum 29.01.2026 (siehe 48h-Niederschlag auf der Karte). In Summe am meisten geschneit hat es am Karnischen Kamm im Bereich der Porzehütte (© Hydro Online).
Weitere Schneefälle folgten bis zum 29.01.2026 (siehe 48h-Niederschlag auf der Karte). In Summe am meisten geschneit hat es am Karnischen Kamm im Bereich der Porzehütte (© Hydro Online).
Neuschneezuwachs samt zeitweise starkem Windeinfluss bei der Sonnbergalm im hinteren Ötztal
Neuschneezuwachs samt zeitweise starkem Windeinfluss bei der Sonnbergalm im hinteren Ötztal
Windeinfluss ist auch im Tal zu erkennen. Karnischer Kamm (© Gerhard Figl, 26.01.2026)
Windeinfluss ist auch im Tal zu erkennen. Karnischer Kamm (© Gerhard Figl, 26.01.2026)

Der Wind als Baumeister der Lawinen verschärfte auch in den niederschlagsarmen Regionen neuerlich die Lawinensituation. Es bildete sich ein Brett, welches wiederum zu besserer Bruchausbreitung neigt.

Weitere Gefahrenhinweise

Sowohl aus eigenen Beobachtungen als auch durch Rückmeldungen bestätigt: Kürzlich noch sichtbare Eisgallen wurden überschneit und sind nicht mehr erkennbar. Dies stellt eine erhöhte Abrutschgefahr dar. Ein konkretes Beispiel hierfür ist der Zustieg auf den Zwieselbacher Rosskogel von Haggen aus (1. Zwinge) in der Region Sellrain / Alpeiner Berge.

In den kürzlich niederschlagsarmen Regionen weiter im Nordwesten und Nordosten des Landes beobachtet man einen steten, aber langsamen Stabilitätsgewinn der Schneedecke. Die Situation bleibt dort dennoch etwas heimtückisch.
In den kürzlich niederschlagsarmen Regionen weiter im Nordwesten und Nordosten des Landes beobachtet man einen steten, aber langsamen Stabilitätsgewinn der Schneedecke. Die Situation bleibt dort dennoch etwas heimtückisch.
Archivbild einer Eisgalle. Sobald diese geringmächtig überschneit ist, stellt sie eine potentielle Gefahr dar. (© LWD Tirol)
Archivbild einer Eisgalle. Sobald diese geringmächtig überschneit ist, stellt sie eine potentielle Gefahr dar. (© LWD Tirol)

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