Besonders auf den Bergen der Zillertaler Alpen und der Hohen Tauern hat es in den vergangenen Tagen deutlich geschneit. Die Neuschneesummen seit Montagabend, 07.07., liegen auf rund 2800 m zwischen 30 und 80 cm, am meisten in der Venedigergruppe. Starker Nordwind hat den Neuschnee verfrachtet. Frische Triebschneeansammlungen können in sehr steilen Rinnen und Mulden kurzzeitig störanfällig sein. Mit Sonneneinstrahlung und steigenden Temperaturen sind kleine nasse Lockerschneelawinen aus extremen Steilhängen zu erwarten. Vorsicht gilt auch mit Blick auf Spaltensturzgefahr auf Gletschern.
Tiefdruckeinfluss bringt viel Niederschlag und fallende Temperaturen
Feuchtkühle Nordluft brachte seit Montag, 07.07., verbreitet ergiebigen Niederschlag und eine spürbare Abkühlung. In der Nacht auf Dienstag, 08.07., sank die Schneefallgrenze gebietsweise bis in den Bereich der Waldgrenze. In großen Höhen wehte starker bis in Böen stürmischer Nordwind. Am östlichen Alpenhauptkamm – von den Zillertaler Alpen bis zur Glocknergruppe – fiel der meiste Neuschnee.

72h- Niederschlagssumme seit Sonntag, 06.07. In den östlichen Landesteilen war am meisten Niederschlag zu verzeichnen (©GeoSphere Austria).

Modellierte Neuschneesumme der vergangenen 48 Stunden in Zentimeter. Am Zillertaler Hauptkamm sowie in den Hohen Tauern hat es am meisten geschneit.

Die grüne bzw. magentafarbenen Linien in der obersten Grafik zeigen den Mittelwind bzw. die Böen an der automatischen Wetterstation am Wilden Freiger (Stubaier Alpen). Besonders hochalpin wehte der Nordwind stark bis stürmisch. Die Temperaturen fielen mit der Kaltfront deutlich.

An der automatischen Wetterstation am Hochgasser in der Venedigergruppe ist der Anstieg der Schneehöhe ab den Nachtstunden auf Dienstag, 08.07., klar erkennbar. Der Windmesser ist vereist und liefert aktuell keine Werte.
Auswirkungen auf die Lawinengefahr
Am östlichen Alpenhauptkamm ist in großen Höhen kurzfristig auf frische, meist kleine Triebschneeansammlungen in sehr steilen (>35°) Rinnen und Mulden zu achten. Diese sind nur kurz nach ihrer Bildung störanfällig. Mit zunehmender Höhe nehmen die Gefahrenstellen zu. Vorsicht besonders im absturzgefährdeten Steilgelände.
Mit direkter oder diffuser Sonneneinstrahlung sowie der allmählichen Erwärmung sind in den kommenden Tagen vermehrt spontane feuchte Lockerschneerutsche aus extrem steilem Gelände (>40°) möglich.
Starke Schneeverwehungen im Bereich der Neuen Prager Hütte (©Franz Holzer, 09.07.2025).

Winterliche Bedingungen auf der Neuen Prager Hütte. Seit der Aufnahme sind rund 20 cm Neuschnee hinzugekommen (©Peter Fuetsch, 08.07.2025).

Auf Hüttenzu- und -abstiegen ist aktuell mit winterlichen Bedingungen zu rechnen. Vor dem Aufbruch Kontakt mit den HüttenwirtInnen aufnehmen, um die Lage vor Ort zu klären. Venedigergruppe (©Franz Holzer, 09.07.2025).

Auf der Adlersruhe in der Glocknergruppe fielen etwa 30 cm Neuschnee, weniger als im Bereich des Venedigers (©Anton Riepler, 09.07.2025).
In den kommenden Tagen bleibt das Wetter besonders am Hauptkamm und in Nordtirol wechselhaft. Größere Niederschlagsmengen sind nicht mehr zu erwarten, die Temperaturen steigen wieder leicht an. Die Gefahr trockener Lawinen geht rasch zurück; einzelne nasse Lockerschneerutsche sind im extremen Steilgelände möglich.
Vorsicht vor überdeckten Gletscherspalten
Auf Gletschern sind in den kommenden Tagen überschneite bzw. überwehte Gletscherspalten eine relevante Gefahrenquelle. Beobachter meldeten noch vor wenigen Tagen spät-sommerliche Verhältnisse – auch bedingt durch die geringen Schneehöhen des vergangenen Winters. In den neuschneereichen Gebieten wurden offene Spalten nun teils überdeckt und sind dadurch schwieriger zu erkennen. Entsprechende Seilsicherung und defensives Routenmanagement sind angeraten.
