Die aktuelle Situation im Backcountry ist geprägt von einer geringmächtigen Schneedecke, in der kantige Kristalle das Stabilitätsgefüge bestimmen.
Wetterentwicklung
Schwacher Hochdruckeinfluss dominierte den Zeitraum von Freitag, 16.01. bis Freitag, 23.01. Zunächst sorgte Feuchtluft am Wochenende für verbreiteten Hochnebel zwischen 2000 und 2400 m. Oberhalb dieser Inversion herrschten überwiegend klare Verhältnisse (Bluebird). Ab Sonntag setzte eine allmähliche Abtrocknung von Osten her ein, gefolgt von stärkerem Hochdruckeinfluss. Der Rest der Woche brachte sehr trockene Luft in den High Alpine Lagen.

Der Wind wehte mäßig bis stark aus überwiegend südlichen Richtungen, bevor er ab Mittwoch auf Südwest drehte. Böen in exponierten Ridges und Peaks erreichten teils 75 km/h.

Verlauf der Gefahrenstufe
In den an Salzburg angrenzenden Regionen (Glocknergruppe, Goldberggruppe Süd, Ankogel- und Hafnergruppe) wurde die Lawinengefahr aufgrund des vorherrschenden Altschneeproblems konstant mit Stufe 2 (mäßig) oberhalb von rund 2200 m bewertet. Erst mit der massiven aufbauenden Umwandlung des Schneebretts (Slab) konnte ein Rückgang der Gefahrenstellen und der Lawinengröße beobachtet werden – die Gefahr sank innerhalb der Stufe.

Schneedecke & Stability
Das Leitmotiv dieses Winters bleibt unverändert: Eine geringmächtige Schneedecke, markante Temperaturgradienten zwischen Boden und Surface, und als Konsequenz eine signifikant starke aufbauende Umwandlung. Diese Fakten bestätigen sich derzeit wöchentlich.



Hintergrund: Aufbauende Umwandlung
Bei der aufbauenden Umwandlung wächst der Schneekristall. Die treibende Kraft ist der Temperaturgradient in der Schneedecke, der „Fuel“ ist der Wasserdampf. Der Gradient beschreibt den Temperaturunterschied zwischen Schneeoberfläche und Boden bezogen auf die Schneehöhe. Je größer dieser Gradient, desto rapider verläuft der Prozess.
Da die Schneedecke isoliert, herrscht am Boden oft konstant nahe 0 °C, während die Surface-Temperaturen extrem tief fallen können. Ist die Schneedecke dünn, ist der Gradient extrem. Wasserdampf steigt auf, resublimiert an kälteren Kristallen und bildet Facetten. Das Korn wird eckig, wächst zum Becherkristall – dem klassischen Tiefenreif (Sugar Snow). Dies zerstört die Bindung innerhalb der Schicht.
Diese Umwandlung ist aktuell so stark ausgeprägt, dass Schneeschichten, die Mitte Jänner noch Slab-Eigenschaften aufwiesen, mittlerweile ihre Kohäsion verloren haben. Die Bruchfortpflanzung bei Stabilitätstests bleibt zunehmend aus, weil die Struktur zerfällt.
Ein Beispiel: Während am 17.01. noch Propagation beobachtet wurde, war am 22.01. die Metamorphose so weit fortgeschritten, dass keine kohäsiven Eigenschaften mehr feststellbar waren.

Auch die physikalischen Modellierungen via SNOWPACK zeigen diesen Prozess deutlich.

In Regionen mit dem letzten Niederschlag um Weihnachten 2025 zeigt sich besonders in North Faces eine Zunahme der Kristallgröße beim Tiefenreif.

Ein ähnliches Bild an Westhängen:

Ausblick
Der prognostizierte Neuschnee wird auf eine denkbar schwache Altschneedecke abgelagert. Es ist davon auszugehen, dass das Pack mit dem neuen Load zunehmend störanfällig wird. Caution is key.
