Die Lawinenwarndienste der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino melden eine anhaltend kritische Situation im alpinen Gelände. Die Kombination aus instabiler Schneedecke, Neuschnee und Windeinfluss hat in den vergangenen Tagen zu mehreren, teils tödlichen Unfällen geführt. Aktuelle Analysen zeigen eine ausgeprägte Altschneeproblematik und eine hohe Auslösebereitschaft.
Tirol: Spontane Lawinen und Fernauslösungen
Der Lawinenwarndienst Tirol berichtet mit Stand vom 20. Februar 2026 von einer „anhaltenden Lawinenzeit“. Die Situation wird als äußerst ernst eingestuft, nachdem zwei tödliche Lawinenunfälle verzeichnet wurden. Neben der Gefährdung für Wintersportler im freien Gelände betrifft die Lage auch die Verkehrsinfrastruktur. So wurde ein Lawinenabgang auf die B198 (Lechtalstraße) bei Stockach gemeldet.
Experten warnen explizit vor spontanen Lawinen und der Gefahr von Fernauslösungen. Die Störanfälligkeit der Schneedecke ist in vielen Gebieten sehr hoch, was defensives Verhalten im Backcountry unabdingbar macht. Bereits am 16. Februar wurde eine Kurzanalyse zum tödlichen Unfall am Mutterbergl veröffentlicht, die auf die gebietsweise gefährliche Situation hinwies.
Situation in Südtirol: Große Lawinengefahr der Stufe 4
Auch in Südtirol spitzt sich die Lage zu. Der Warndienst hat die Lawinengefahr auf die Stufe 4 (groß) angehoben. Analysen der jüngsten Unfälle zeigen ein komplexes Schneedeckenfundament, das sensibel auf Belastung reagiert.
Bereits in der Vorwoche, am 12. Februar, wurde die Situation als „heimtückisch“ beschrieben. Besonders die Unfälle an der vorderen Schöntaufspitze und am Plattinger verdeutlichten die Problematik innerhalb der Schneedecke. Die Verbindung von frischem Triebschnee mit schwachen Altschneeschichten bildet dabei oft die Hauptgefahr für Skitourengeher und Freerider.
Schneedeckenaufbau: Kärnten und überregionale Probleme
In Kärnten liegt der Fokus ebenfalls auf der Metamorphose der Schneedecke. Berichte vom 13. Februar thematisieren den Oberflächenreif und den Prozess „Kühlen – Resublimieren – Repeat“. Wenn dieser Oberflächenreif eingeschneit wird, bildet er eine persistente Schwachschicht, die als Gleitfläche für Schneebrettlawinen dient.
Ein Mittelmeertief sorgte Anfang Februar zudem für ungünstige Verhältnisse, die vielerorts noch nachwirken. Die Kombination aus überlagertem Oberflächenreif und Tiefenreif wurde bereits Ende Januar als „gefährliches Duo“ identifiziert.
Feedback zur Gefahrenskala
Parallel zur operativen Warnarbeit rufen die Lawinenwarndienste derzeit zur Mithilfe auf. Nutzer sind aufgefordert, Feedback zu geben, um die Lawinengefahrenskala verständlicher und effektiver zu gestalten. Ziel ist es, die Kommunikation der Risiken weiter zu optimieren.
Angesichts der teils prekären Verhältnisse und der prognostizierten Wetterentwicklung wird weiterhin zu maximaler Zurückhaltung im ungesicherten Gelände geraten. Aktuelle Bulletin-Updates sind vor jeder Tour zwingend zu konsultieren.




