Exklusives Interview mit dem talentierten schwedischen Freeskier Jesper Tjäder.

Spätestens seit dem Nine Knights 2014 ist der Name Jesper Tjäder in aller Munde. Grund dafür war sein waghalsiger Double Backflip über das gesamte Castle Setup. Nach dem Naked Superman von Teddy Berr im Jahr 2011 war dieser mit Sicherheit eine der legendärsten Aktionen, die je beim Nine Knights gerissen wurden. Doch der 21-jährige Draufgänger aus Österund hat noch viel mehr drauf als Backflips, obwohl diese sein absoluter Lieblingstrick sind. Classic daredevil style made in Sweden!

Video: Unrailistic mit Jesper Tjäder

Hey Jesper! Alles klar bei dir? Wie war dein Sommer?
Yo, bei mir ist alles klar soweit. Ich bin gerade erst von einem längeren Trip aus Neuseeland wieder gekommen und brauche erstmal ein wenig Zeit, um mich zu entspannen. Es war definitiv ein richtig guter Sommer für mich mit jeder Menge Skifahren, aber im Endeffekt auch genug Zeit, um auszuspannen.
 
Klingt super! Also hast du deine Ladung Summer Skiing abbekommen. Wo warst du denn überall zum Shredden?
Ja, auf jeden Fall! Ich habe viel Zeit auf den Brettern verbracht und meine Runden im Park gedreht! Im Frühsommer war ich ein wenig hier in Norwegen unterwegs, aber dann ging es auch schon weiter nach Neuseeland und Australien. Dort war ich ungefähr für einen Monat beim Shredden und jetzt bin ich endlich wieder Zuhause.

Jesper Tjäder ©Sweet Protection/Johan Wildhagen
Jesper Tjäder ©Sweet Protection/Johan Wildhagen

Bist du also keiner der Rider, die im Sommer eine Pause brauchen, um Kraft für die Saison zu tanken?
Ich brauche tatsächlich keine besonders lange Pause vom Skifahren, schließlich ist es die Sache, die ich am Liebsten mache. Aber ein bis zwei Wochen zum Chillen zwischendurch nehme ich im Jahr schon ganz gerne mit.

Wie vertreibst du dir denn sonst noch den Sommer, wenn du nicht gerade beim Skifahren bist und dir neue Tricks drauf schaffst?
Viel Zeit für andere Hobbys bleibt eigentlich gar nicht, denn so bescheuert es für Außenstehende klingen mag – Skifahren ist meine Hauptaktivität während des gesamten Sommers. Trotzdem sehe ich zu, so oft wie möglich auf mein Deck zu steigen und durch die Gegend zu rollen. Gerade versuche ich meinen Varial Kickflip zu perfektionieren. Den stehe ich einfach noch zu selten! Neben dem Skateboard steige ich hin und wieder auch auf mein Downhill Bike und bin auf den Trails unterwegs, aber das macht ja mittlerweile anscheinend jeder im Sommer. (lacht)

Jesper Tjäder ©Sweet Protection/Johan Wildhagen
Jesper Tjäder ©Sweet Protection/Johan Wildhagen

Ja, das stimmt wohl. KC Deane hatten wir zu diesem Thema auch schon am Mikrofon, der macht das mittlerweile professionell. Aber lass uns doch mal über deine vergangene Saison sprechen. Können wir da von deiner Durchbruch-Saison sprechen? Was waren denn deine Highlights?
Ich würde sagen, dass 2013/2014 schon eine ganz gute Saison für mich war, aber vielleicht kann man das schon so sagen, denn ich hatte definitiv viele gute Contest-Ergebnisse. Da gab es einige dritte Plätze, zum Beispiel bei der SFR Freestyle Tour, den Red Bull Playstreets, dem Total Fight in Andorra oder beim World Cup in Silvaplana. Außerdem konnte ich den “Ruler Of The Week” Award beim letzten Nine Knights absahnen. Das Highlight war allerdings meine erste Teilnahme an den X Games, bei denen ich auch direkt Fünfter im Big Air wurde. Da war ich ziemlich stoked! Außerdem konnte ich schon ziemlich viel Footage für mein Filmprojekt sammeln, das nächsten Herbst herauskommen wird.

Kannst du uns schon ein wenig mehr darüber erzählen?
Nein, das kann ich zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht, denn eigentlich ist es zu 100 Prozent geheim. (lacht) Nur soviel darf ich verraten – es wird ein Soloprojekt sein. Ein anderer Film, an dem ich beteiligt bin, ist die neue Ski- und Snowboard-Dokumentation von Field Productions. Diese wird so etwas wie das Sequel zu ihrem letzten Film „Supervention“. Auch die Doku wird im nächsten Herbst released! Ihr dürft also gespannt sein.

Video: „One day at Nine Knight“ mit Jesper Tjäder

Aber bei Field Productions wirst du nicht allein im Movie sein, oder?
Nein, da sind die üblichen Shredder am Werk, die man teilweise auch schon aus „Supervention“ kennt. Ein Haufen guter Rider und gute Freunde sind da am Start!

Beim Nine Knights gab es den “Ruler Of The Week” Award, beim Jon Olsson Invitational konntest du bereits “Peoples‘ Choice” gewinnen. Bist du ein Publikumsliebling?
Das will ich jetzt nicht unbedingt bejahen, aber lass es mich mal so formulieren. Es fühlt sich gut an, wenn die Leute mir gerne beim Shredden zusehen. Dann macht es gleich doppelt soviel Spaß!

Was denkt ein Youngster wie du, der zudem noch aus Schweden kommt, über Jon Olsson? Für euch muss er doch sowas wie ein Nationalheld sein bei all dem, was er für unseren Sport gemacht hat.
Jon war der mein absoluter Freeski Hero, als ich damals mit Freeskiing begann und ich denke, da kann ich für mehr als die Hälfte aller schwedischen Freeski Kids meiner Generation sprechen. Auch heute noch ist Jon ein absolutes Idol und hat es anscheinend immer noch ganz gut drauf.

Jesper Tjäder ©Sweet Protection/Johan Wildhagen
Jesper Tjäder ©Sweet Protection/Johan Wildhagen

Wer ist denn heutzutage dein Idol oder welche Athleten beeinflussen dich und deinen Style?
Da habe ich eigentlich gar keine besonderen Rider, die mich oder meinen Style im Speziellen beeinflussen. Generell hole ich mir meine Inspiration von Athelten, die Großartiges leisten – ganz unabhängig von der Sportart. Namen kann ich dir da gar nicht nennen.

Was hältst du denn davon, dass Jon jetzt wieder beim Freeskiing Gas geben will, nachdem er lange Zeit bei den Racern unterwegs war. Kannst du das verstehen?
Klar kann ich das verstehen und ich finde es großartig, ihn wieder auf Twintips und in der Luft zu sehen. Er war über den Sommer auch in Down Under, als ich unten war, und dort hat er eine Menge Tricks ausgepackt. Er hat zum Beispiel auch einen Double gemacht, was mich ziemlich beeindruckt hat nach all der Zeit, die er im Stangenwald verbrachte.

Glaubst du, es war eine smarte Entscheidung von ihm nach all den Jahren zurück zu kehren? Die Young Guns wie du sind ihm doch schon meilenweit davon gezogen.
Das ist doch vollkommen egal. Solange du Dinge tust, die dich glücklich machen, ist Alles in Ordnung. Ich sehe wirklich keinen Grund, warum er es nicht noch einmal versuchen sollte, solange er Spaß an Freeskiing hat.

Jesper Tjäder ©Sweet Protection/Johan Wildhagen
Jesper Tjäder ©Sweet Protection/Johan Wildhagen

Hast du denn auch einen Background im alpinen Rennlauf? Schließlich haben viele der Top-Rider da draußen ihre Basics beim Racen gelernt.
Nein, zu denen gehöre ich nicht. Ich stand das erste Mal mit drei Jahren auf Skiern und bin von Anfang an nur zum Spaß am Berg herum gerutscht. Heute, 18 Jahre später, mache ich eigentlich nichts anderes und genieße es noch genauso, wie damals als kleines Kind. Freeskiing hält jung, das siehst du ja an Jon.

Egal, ob Racer oder nicht – wir bekommen doch Alle nicht genug vom Skifahren! Wie schaffst du es eigentlich, die Balance zwischen Freestyle Worldcup und Prestige-Events wie Nine Knights zu wahren? Was ist dir wichtiger?
Das fällt mir relativ leicht, denn im Prinzip brauche ich gar keine Balance finden, da ich momentan eigentlich so gut wie jeden Con-test mitnehme. Also steht eine Entscheidung gar nicht zur Debatte. Im Endeffekt machen mir alle Contests gleich viel Spaß und sind mir sehr wichtig. Bei allen Events stehen gute Freunde mit mir am Start.

Wie findest du Video-Contests wie SuperUnknown von Level 1? In der nächsten Ausgabe werden ein großes Feature über SuperUnknown haben, daher die Frage…
SuperUnknown ist fantastisch! Nicht nur, dass man jedes Jahr die Edits all dieser guten Fahrer zu sehen bekommt, ist genial. Auch die Möglichkeiten, die Level 1 den Ridern durch den Contest gibt, sind toll. Es ist immer schön zu sehen, wenn aufstrebende Fahrer, die Chance bekommen, ihr Talent zu beweisen.

Hast du einen All-Time-Favorite SuperUnknown Edit?
Mein Lieblings-Entry ist auf jeden Fall der von Tom Wallisch aus dem Jahr 2007.

©redbull contenpool
Jesper Tjäder ©redbull contenpool

Für SuperUnknown bist du mittlerweile schon zu berühmt. Aber steht noch ein Contest auf deiner To-Do-Liste, an dem du bisher noch nicht teilnehmen durftest?
2016 stehen die X Games in Oslo an und da wäre ich natürlich saugerne dabei. Norwegen fühlt sich wie eine zweite Heimat an. Also wären die X Games in Oslo quasi ein Heimspiel für mich. Außerdem wären da noch die Olympischen Spiele. Auch da wäre ich eines Tages sehr gerne mal dabei, aber das ist Alles noch Zukunftsmusik. Wer weiß, ob das klappt?

Wie kommt es, dass Norwegen sich für dich wie deine Heimat anfühlt? Herrscht da keine Riesenkonkurrenz zwischen norwegischen und schwedischen Freeskiern?
Ich war mein ganzes Leben lang über sehr oft in Norwegen und viele meiner Shred-Buddys sind norwegische Dudes. Das kommt mit Sicherheit auch daher, dass ich sehr lange für Sweet Protection  gefahren bin, die ja bekanntlich eine norwegische Firma sind und darüber hinaus auch eine Menge mit Field Productions beim Filmen bin. Auch Field kommt aus Norwegen. Deshalb gibt es da einfach ziemlich viele Bezugspunkte. Man kann sagen, dass Norwegen als Land eine große Rolle in meiner Freeski-Laufbahn gespielt hat. Eine explizite Konkurrenz zwischen schwedischen und norwegischen Kids gibt es auch nicht. Natürlich kommen aus beiden Ländern viele talentierte Rider, die sich bei den Contests battlen, aber am Berg sind wir alle gute Freunde.

Jesper Tjäder ©redbull contentpool
Jesper Tjäder ©redbull contentpool

Schwedisch-norwegische Zusammenarbeit funktioniert anscheinend bestens. Das haben du und Øystein Bråten bewiesen. Ihr habt bereits eine Menge zusammen gemacht und gute Webisoden gefilmt. Bekommen wir mehr davon?
Wir sind das ganze Jahr über viel gemeinsam beim Shredden unterwegs. Auch diese Saison wird das nicht anders sein. Da wird sich mit Sicherheit die eine oder andere Gelegenheit ergeben, dass wir wieder zusammen Etwas auf die Beine stellen. Irgendwas Cooles fällt uns schon ein. Macht euch also bitte keine Sorgen.

Dass dir gute Ideen durch den Kopf schwirren, hast du nicht zuletzt beim Nine Knights 2014 bewiesen, wo du das Death Gap mit einem riesigen Double Backflip gecleart hast. Was hat dich dazu bewegt, über das gesamte Setup zu springen?
Da gibt es eigentlich gar nicht soviel zu sagen. Seit dem ersten Tag beim Nine Knights haben wir das Setup ausgekundschaftet und die verschiedenen Optionen ausgelotet, die das Castle bot. Das riesige Gap war offensichtlich vorhanden und so ziemlich jeder Rider hat damit geliebäugelt. Die Frage war eigentlich nur, wer es schlussendlich als erster wagen würde. Als es dann am letzten Tag des Events immer noch jungfräulich war, fasste ich den Entschluss es einfach zu tun. Ich denke, dass ich Allen damit einen Gefallen getan habe und jeder am Ende des Tages mit mir stoked war.

Hat Nico Zacek dir nach der Aktion wenigstens eine Sonderbehandlung zukommen lassen? Schließlich lebt der Event von solchen Momenten.
Ach nein, das habe ich natürlich auch gar nicht erwartet. Aber immerhin wurde ich 2015 wieder eingeladen. Vielleicht war der Double Backy für diese Entscheidung ausschlaggebend. (lacht)

Klar, Nico behandelt sowieso alle gleich gut. Könnte man denn sagen, dass der Backflip dein Lieblingstrick ist?
Yeah, Backflips sind bei weitem mein Lieblingstrick! Von dem Gefühl, das man dabei hat, kann ich einfach nicht genug bekommen. Nichts geht über Backflips!

Warum sollte jeder da draußen mindestens einen Backflip am Tag machen?
Weil Backflips im Prinzip relativ einfach sind und dir trotzdem immer wieder einen kleinen Adrenalinkick verschaffen. Man bekommt einfach ein gutes Feeling!

Mit diesem guten Gefühl wollen wir dich dann auch in die Saison entlassen und sagen euch da draußen: “A backflip a day keeps the doctor away – or the hangover!”