Wie entwickelt Decathlon Bergsport-Produkte? Direkt am Fuße des Mont Blanc – wo das Büro das Labor ist und der Gipfel der Testraum. Im Interview zeigen Yohann Kelkel und Marcus Dihlmann, wie dieser einzigartige Kreislauf aus Idee, sofortigem Geländetest und Kunden-Feedback Produkte wie den „PST 900 MIPS“-Helm oder den „D3O Ghost Reactive Baselayer“ prägt.
Die Macher im Interview: So entstehen Innovationen in Passy
Passy liegt direkt am Fuße des Mont-Blanc-Massivs. Wie stark beeinflusst diese Umgebung eure tägliche Arbeit und die Produkttests?
Am Fuße des Mont Blanc zu arbeiten prägt unsere Arbeit jeden Tag. Die Berge sind unser natürliches Labor: Wechselndes Wetter, unterschiedliche Höhenlagen und vielseitiges Gelände fordern uns immer wieder heraus, Produkte zu entwickeln, die unter echten Bedingungen funktionieren. Da wir nur wenige Minuten vom Terrain entfernt sind, wechseln wir regelmäßig zwischen Büro und Natur. Weil unser Team aus Outdoor-Sportlern besteht, testen wir viele Entwicklungen ganz selbstverständlich selbst, holen direkt Feedback ein und verbessern unsere Produkte auf Grundlage echter Praxistests.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Designern, Ingenieuren und Athleten im Decathlon Mountain Store – und welche Rolle spielt die Nähe zur Natur?
Wir arbeiten sehr praxisnah und in kurzen iterativen Zyklen. Produktdesigner, Ingenieure und Rider entwickeln gemeinsam Ideen, bauen Prototypen und testen sie häufig noch am gleichen Tag draußen im Gelände. Die unmittelbare Nähe zum Berg sorgt für extrem schnelle Rückmeldungen. Gleichzeitig beziehen wir technische Partner und eine große Bandbreite an Testern mit ein, die unterschiedliche Erfahrungsniveaus mitbringen. So stellen wir sicher, dass unsere Produkte nicht nur theoretisch funktionieren, sondern sich tatsächlich am Berg bewähren.
Welche Vorteile bringt es euch, Entwicklungsbüros und Testgebiet direkt nebeneinander zu haben?
Der größte Vorteil ist die Geschwindigkeit. Sobald ein Prototyp fertig ist, testen wir ihn direkt im Gelände. Entscheidungen fallen schneller, weil wir unmittelbar sehen, wie sich ein Produkt bei echtem Wetter in realem Terrain verhält. Diese Nähe verbindet Entwicklung und Praxis nahtlos und macht unsere Produkte besonders zuverlässig.

Wie stark beeinflusst Kunden-Feedback aus dem Store in Passy eure Produktentwicklung?
Kunden-Feedback aus Passy ist für uns extrem wertvoll. Hier kaufen Menschen ein, die unsere Produkte direkt in genau dem Umfeld nutzen, für das wir sie entwickeln. Wir beobachten sehr genau, wie unsere Produkte eingesetzt werden, sprechen mit Kunden und übernehmen diese Erkenntnisse in die folgenden Entwicklungsschritte. Dadurch verbessern wir Details, erkennen Bedürfnisse frühzeitig und stellen sicher, dass jede Funktion echten Mehrwert bietet.
Wie sieht der Weg von einer ersten Idee bis zum fertigen Produkt aus?
Am Anfang steht die Beobachtung eines konkreten Bedarfs. Daraus entsteht ein Konzept, das gemeinsam von Produktmanagern und Designern ausgearbeitet wird. Danach folgen Engineering, Prototyping, Labor- und Feldtests sowie mehrere Überarbeitungsrunden. Erst danach beginnen die Industrialisierung und die Qualitätsfreigabe, bevor das Produkt schließlich in die Läden kommt. Viele Teams arbeiten dabei eng zusammen – von Design und Engineering über Material- und Sicherheitsexperten bis hin zu unseren Testern.

Nachdem wir über eure Arbeitsweise, euren Standort und die Entwicklungsphilosophie gesprochen haben, lass uns nun auf ein konkretes Beispiel schauen: Der „PST 900 MIPS“-Helm zeigt sehr gut, wie euer Ansatz in die Serienproduktion einfließt. Mit welchen Herausforderungen hattet ihr bei der Integration von MIPS zu kämpfen?
Die größte Herausforderung bestand darin, die Stoßsicherheit im gesamten Helmvolumen zu gewährleisten. Weil der Helm kompakt bleiben sollte, mussten wir die Schaumstoffstrukturen an bestimmten Stellen gezielt reduzieren, ohne die Gesamtleistung zu beeinträchtigen.
Wodurch unterscheidet sich der „PST 900 MIPS“ von anderen Helmen derselben Preisklasse – besonders in Sachen Belüftung, Komfort und Stoßabsorption?
Wir haben uns für ein aktives Belüftungssystem entschieden, das der Nutzer mit einem Handgriff regulieren kann. Sechs Öffnungen lassen sich gleichzeitig öffnen oder schließen. MIPS-Systeme sind in dieser Preisklasse normalerweise nicht üblich, doch durch die Wahl einer speziellen MIPS-Layer-Technologie und hohe Produktionsvolumen konnten wir den Preis im Rahmen halten, ohne auf Sicherheit zu verzichten.

Der Helm ist besonders kompakt. Wie habt ihr Sicherheit, Passform und minimalistisches Design kombiniert?
Das aktive Belüftungssystem und die sorgfältige Auswahl der MIPS-Technologie waren entscheidend. Wir haben Lösungen gewählt, die sich harmonisch integrieren lassen, ohne die Form, den Komfort oder die Sicherheit zu beeinträchtigen. So konnten wir einen Helm entwickeln, der leicht, sicher und ästhetisch schlicht ist.
Wie testet ihr eure Helme? Nutzt ihr Prüfstände, reale Crash-Tests oder Feedback von Athleten?
Wir nutzen sowohl unser Decathlon-Testlabor in Lille als auch Praxistests. Im Labor führen wir Crash-, Perforations-, Retentions- und Roll-off-Tests nach Norm durch. Gleichzeitig testen interne Teams und externe Nutzer den Helm unter realen Bedingungen. Diese Kombination aus technischer Prüfung und praktischer Anwendung macht unsere Ergebnisse besonders aussagekräftig.
Welche Zielgruppe hattet ihr beim „PST 900 MIPS“ ursprünglich im Blick?
Zunächst hatten wir in erster Linie Pistenskifahrer im Fokus. Während der Tests zeigte sich jedoch, dass auch viele Freerider das kompakte Design schätzten. Deshalb haben wir den Komfort und die Funktion so ausgelegt, dass der Helm beiden Gruppen gerecht wird.

Der Helm steht stellvertretend für eure Arbeit im Bereich Sicherheit. Ein weiteres wichtiges Produkt ist der „D3O Ghost Reactive Baselayer“. Hier zeigt sich der gleiche Entwicklungsansatz, aber mit ganz anderen technischen Herausforderungen. Was macht das D3O-Ghost-Material so besonders – und warum habt ihr euch dafür entschieden?
Wir wollten maximalen Schutz mit einer extrem flexiblen, reaktiven Technologie kombinieren. Das neue Verfahren, das uns das D3O-Team vorgestellt hat, zusammen mit ihrer nicht newtonschen Materialformulierung war genau das, wonach wir suchten. Das Ergebnis ist ein Schutz, der sich wie eine zweite Haut trägt und bei Aufprall sofort reagiert.
Welche Körperbereiche waren euch besonders wichtig – und warum?
Der Fokus lag auf Rücken und Wirbelsäule, da diese Bereiche im Wintersport und Mountainbiking besonders gefährdet sind. Zusätzlich haben wir Schulter- und Beckenschutz ergänzt, weil Mountainbiker diesen Schutz explizit nachgefragt haben.
Wie habt ihr Schutz, Atmungsaktivität und Bewegungsfreiheit ausbalanciert?
Schutz hat oberste Priorität. Gleichzeitig wollten wir maximale Bewegungsfreiheit gewährleisten, da Protektoren nur dann gut schützen, wenn sie tatsächlich getragen werden. Der Baselayer sollte so komfortabel sein, dass man ihn beim Tragen kaum bemerkt. Die Atmungsaktivität ist so abgestimmt, dass die Temperaturregulation hauptsächlich über die restliche Ausrüstung erfolgt – unsere Schutzausrüstung soll thermisch möglichst neutral sein.
Gab es spezielle Herausforderungen bei der Integration der D3O-Pads ins Textil?
Ja, die Integration war sehr anspruchsvoll und dauerte fast zwei Jahre. Die größte Herausforderung war, die richtige 3-D-Struktur, eine sinnvolle Anordnung, ausreichend Atmungsaktivität und hohe Haltbarkeit gleichzeitig zu gewährleisten. Die enge Zusammenarbeit mit dem D3O-Team war entscheidend, um dieses Ziel zu erreichen.
Winterhighlights 2025/2026 bei Decathlon
PST 900 MIPS Helm

Mit dem „PST 900 MIPS“ bringt Decathlon einen Ski- und Snowboardhelm auf den Markt, der Sicherheit und Komfort in einem besonders kompakten Design vereint. Der Helm nutzt das MIPS-System, das bei schrägen Aufprall entstehenden Rotationskräfte reduziert und so zusätzlichen Schutz bietet. Eine regulierbare aktive Belüftung mit sechs Öffnungen sorgt dafür, dass sich der Luftstrom jederzeit anpassen lässt – ideal für wechselnde Bedingungen im Gelände.
Trotz seiner hohen Schutzleistung bleibt der „PST 900 MIPS“ leicht, angenehm zu tragen und vielseitig einsetzbar, egal ob auf der Piste oder im Backcountry. Der Helm richtet sich an alle, die zuverlässige Sicherheit suchen, ohne Abstriche bei Tragekomfort oder Style hinnehmen zu wollen.
Der „PST 900 MIPS“-Helm kombiniert geringes Gewicht mit MIPS-Technologie.
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Konstruktion | MIPS |
| Größen | S, M, L |
| Gewicht | 515 g |
| Preis | 119,99 Euro |
D3O Ghost Reactive Baselayer

Ein weiteres wichtiges Produkt ist der „D3O Ghost Reactive Baselayer“. Hier zeigt sich der gleiche Entwicklungsansatz, aber mit ganz anderen technischen Herausforderungen.
Der „D3O Ghost Reactive Baselayer“ bietet einen außergewöhnlich leichten und flexiblen Schutz, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Die innovative D3O-Technologie erhärtet sich blitzschnell bei einem Aufprall, bleibt jedoch im normalen Einsatz weich und kaum spürbar – ideal für Ski, Snowboard und Mountainbike. Der Fokus liegt auf dem Schutz von Rücken und Wirbelsäule ergänzt durch zusätzliche Zonen an Schultern und Hüfte, die besonders bei aktiven Ridern gefragt sind. Durch die Kombination aus atmungsaktiven D3O Materialien und einer ergonomischen Passform trägt sich der Baselayer wie eine zweite Haut und bleibt auch bei langen Tagen im Gelände angenehm – ein Protektor, der maximale Sicherheit bietet, ohne das Fahrgefühl zu beeinträchtigen.
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Größen | S bis XXL |
| Gewicht | 1.100 g (Gr. L) |
| Preis | 149,99 Euro |


