Ganz ohne Drehbuch und Plan fängt Joey Krafts „Burn Pile“ die pure, chaotische Energie einer Saison unter Freunden ein. Statt auf Perfektion setzt der Film auf authentische Persönlichkeiten und den Spaß am gemeinsamen Skifahren.
Offizielle Beschreibung
„Recap of our 2025 season in the Sea to Sky featuring Adam Murray, Tristan Underhill, Jake Sandstrom, Will Fossum, Shonny Charbonneau, Benny Smith, Ethan Swadburg, Jacob Belanger, Chase Ujejski, Anders Ujejski, Luke SmartDan Beamish, Sergei Sirotov, Fletcher Smith, Teal Harle, Zoe Blewitt, Etienne Gagnon, Sam Tuff, Josephine Howell, Marcus Murray, Gregor Fair, Meg Cumming, Orion Humphreys and more. Supported by RMU & Flylow.“
Worum geht’s in „Burn Pile“?
Nach „Water the Plants“ und „The Harvest“ liefert der Filmemacher und Skifahrer Joey Kraft mit „Burn Pile“ sein drittes – und vielleicht persönlichstes – Jahresprojekt ab. Der Film verzichtet bewusst auf ein striktes Storyboard und setzt stattdessen auf eine chaotische, aber herzliche Mischung aus Persönlichkeit, schlechten Schneebedingungen und der puren Freude am gemeinsamen Skifahren.
In der modernen Skifilm-Landschaft, die oft von Hochglanz-Produktionen, strikten Narrativen und dem ewigen Streben nach dem „höher, schneller, weiter“ geprägt ist, wirkt Joey Krafts neuester Full Movie „Burn Pile“ wie ein tiefes Ausatmen. Es ist ein Film, der nicht versucht, die Welt zu erklären oder das Skifahren neu zu erfinden. Stattdessen dokumentiert er etwas viel Grundlegenderes: Wie es sich anfühlt, mit seinen besten Freunden eine Saison zu verbringen, ohne zu wissen, wohin die Reise geht.
Der Titel „Burn Pile“ ist dabei Programm. Wie Kraft im Interview mit Chris Furey erklärt, gab es für dieses Jahr keine feste Richtung. Es ist ein Sammelsurium aus allem, was die Saison hergab – ein Haufen Footage, der erst im Nachhinein Sinn ergab. Der Film entstand aus dem Moment heraus: Wer Zeit hatte, war dabei. Wer eine Idee hatte, setzte sie um.
Dieser „Lo-Fi“-Ansatz spiegelt sich bereits im Opener des Films wider. Statt einer epischen Bergkulisse sehen wir Freunde, die aus Langeweile im Herbst einen Kicker von einem Dock bauen, um ihn mit Snowblades zu springen. Es ist dieser Geist von „Einfach machen und Spaß haben“, der sich durch die gesamten Laufzeit zieht.
Was „Burn Pile“ von seinen Vorgängern unterscheidet, ist der neue Fokus. Während frühere Projekte die skifahrerische Leistung in den Mittelpunkt stellten, rückt hier die Gruppendynamik in den Vordergrund. Die Crew ist dabei so bunt gemischt wie der Film selbst. Da ist Tristan Underhill, der als Alpinist steile Linien bezwingt; Shonny Charbonneau und Will Fossum, die sich auf Street-Spots konzentrieren; und Fahrer wie Jake Sandstrom, Benny Smith und Ethan Swadburg, die im Backcountry zuhause sind.
Diese Mischung sorgt dafür, dass der Film nie eintönig wirkt. Er springt zwischen den Disziplinen, vereint durch die gemeinsame Begeisterung.
Ein Highlight, das diesen Zusammenhalt symbolisiert, war die Teilnahme am „Intersection“-Videowettbewerb beim World Ski & Snowboard Festival. Das Team belegte zwar „nur“ den zweiten Platz, feierte diesen aber auf der Bühne exzessiver als die Gewinner – ein Beweis dafür, dass der gemeinsame Moment wichtiger war als die Trophäe.
Die Produktion war jedoch kein Selbstläufer. Kraft beschreibt die Saison als schwierig, geprägt von schlechten Schneeverhältnissen, flachen Landungen und nassem, schwerem Schnee. Doch genau diese Widrigkeiten schweißten die Gruppe zusammen.
In einer Schlüsselszene, in der die Landung eines Jumps eigentlich zu hart war und die meisten aufgeben wollten, motivierte Jake Sandstrom die Crew für einen letzten Versuch – und landete einen massiven Rodeo 7. Es sind diese ungeschönten Momente des Kampfes und des anschließenden Triumphs, die „Burn Pile“ authentisch machen.
Unter der Oberfläche des lockeren Spaßes trägt der Film eine emotionale Widmung. Er ist Jack Spettigue gewidmet, einem Mentor und Freund Krafts, der ihn lehrte, das Leben nicht zu ernst zu nehmen und aus jedem Tag das Beste zu machen. „Burn Pile“ versucht, genau diese Energie zu kanalisieren: Eine Erinnerung daran, dass Skifahren im Kern Spiel, Spaß und Gemeinschaft bedeutet.
Auch satirische Untertöne fehlen nicht. Durch den Protagonisten Will Fossum erlaubt sich der Film einen augenzwinkernden Kommentar zur Skindustrie, der irgendwo zwischen absurdem Humor und ernsthafter Kritik am Kommerz schwebt.
Wenn Joey Kraft den Film in einem Wort beschreiben müsste, wäre es „Freude“ (Joy). Und genau das überträgt sich auf den Zuschauer. „Burn Pile“ ist vielleicht technisch nicht der perfekteste Film des Jahres, und er erzählt keine heldenhafte Geschichte. Aber er ist echt. Er zeigt Skifahren, wie es wirklich ist, wenn man die Kameras und Sponsorenverträge im Kopf ausschaltet: Chaotisch, lustig und am besten gemeinsam mit Freunden. Oder wie Kraft es selbst zusammenfasst:
„Burn Pile muss man erleben, nicht erklären.“


