Vom Hype zur Serie: Die ATK „Hy 11“ – Alpin-Performance trifft Pin-Leichtigkeit
Im Dezember 2024 feierte ATK den Pre-Launch der neuen „Hy Free“ und belieferte ausgewählte Händler mit einem kleinen Kontingent – das sofort ausverkauft war. Der Hype zeigte schnell: Diese Bindung könnte ein Gamechanger werden. Jetzt ist die „Hy 11“ regulär erhältlich und wir haben mit Fabio Lestini, Marketing Specialist bei ATK, gesprochen.

ATK hat sich einen starken Ruf für präzise und ultraleichte Tourenbindungen erarbeitet. Was war die Motivation, jetzt eine echte Hybridbindung zu entwickeln? Und warum gerade jetzt?
Unser Ziel war von Anfang an, das bestmögliche Produkt auf dem Markt zu bauen – mit Fokus auf Leichtigkeit und Haltbarkeit. Da wir das Gefühl haben, diesem Ziel bei Touring-Bindungen so nahe wie möglich gekommen zu sein, wollten wir dieselbe Vision und Expertise nun auf das Hybrid-Bindungssegment übertragen. Mit diesem klaren Anspruch im Kopf war jetzt der richtige Zeitpunkt, den nächsten Schritt zu machen und das Freeride-Universum zu erschließen.
Das „Hy“-Projekt wirkt wie eine natürliche Weiterentwicklung eurer Freeride-Modelle, etwa der „Freeraider Evo“-Serie, hin zu einer vielseitigeren Lösung. Wie kam dieser Schritt zustande – durch Athleten-Feedback oder durch das R&D-Team?
Ich würde nicht sagen, dass die „Hy“ die Weiterentwicklung der „FR 15 Evo“ ist; vielmehr reagiert sie auf die spezifischen Bedürfnisse bestimmter Skifahrer. Der Antrieb, diese Lücke in unserer Produktpalette zu schließen, kam hauptsächlich von innen – durch unseren Wunsch, eine mechanische Lösung für die Herausforderungen moderner Bindungskonstruktionen zu finden. Und um ehrlich zu sein, wir sind noch nicht am Ende!

Was war die größte technische Herausforderung, die Performance einer Alpinbindung mit der Funktionalität einer Pin-Bindung zu kombinieren?
Definitiv das Gewicht. Wir wollten das gleiche niedrige Gewicht erreichen, das man von unseren Full-Pin-Bindungen kennt. Unser R&D-Team hat unendlich viele Ideen – aber ein Produkt zu entwickeln, das komplett CNC-gefräst ist, leicht bleibt und gleichzeitig benutzerfreundlich ist, war alles andere als einfach. Wenn man an den Regalen unserer Ingenieure vorbeigeht, sieht man immer noch unzählige verschiedene Prototypen des „Hy“-Zehenstücks in allen möglichen Formen und Materialien.
Wie wichtig war euch, dass der Wechsel zwischen Geh- und Skimodus so intuitiv wie möglich funktioniert – ohne zusätzliche Hebel, Verriegelungen oder komplizierte Schritte?
Benutzerfreundlichkeit ist ein Kernmerkmal, für das unsere Bindungen stehen sollen – besonders im Hybridsegment, da viele aktuelle Lösungen auf dem Markt diesen Aspekt nicht priorisieren. Die Idee entstand also aus einem klaren Bedarf. Die Umsetzung war jedoch schwierig – vor allem die Entwicklung des internen Bauteils, das beide „Jaws“ miteinander verbindet und ihre synchrone Rotation ermöglicht. Dieses Teil aus Vollaluminium zu fräsen hat uns wirklich gefordert, aber dank der CNC-Expertise unserer Entwickler ist es uns gelungen.

ATK-Bindungen sind bekannt für präzise Kraftübertragung und hohe Elastizität – insbesondere die „Freeraider 15 Evo“. Welche Technologien oder Erfahrungen aus eurem Freeride-Segment sind direkt in die „Hy“ eingeflossen?
Es gibt keine direkten technischen Überschneidungen zwischen den beiden Modellen – sie teilen jedoch eine gemeinsame Philosophie, die in all unseren Produkten steckt. Nicht zufällig haben wir bei der „Raider Evo“ ebenfalls stark in ein sofortiges, geschmeidiges Skistopper-Managementsystem investiert.
Viele Freerider stehen leichten Systemen skeptisch gegenüber und fürchten Stabilitätsverlust. Wie stellt ihr sicher, dass die „Hy“ dasselbe Vertrauen vermittelt wie eine klassische Alpinbindung?
Alles hängt von der Materialwahl und der Fertigung ab. Jede strukturelle Komponente der „Hy“ besteht aus einer speziellen Aluminiumlegierung – Ergal 7075 –, die aufgrund ihrer Eigenschaften auch in der Luftfahrt verwendet wird. Jedes Teil wird aus einem massiven Block gefräst oder gedreht, bis es buchstäblich „herausgeschnitzt“ ist – massiv und langlebig. Darüber hinaus haben wir uns bewusst für eine Hybridbindung entschieden, die im Downhill-Modus wie eine echte Alpinbindung arbeitet – das heißt: kein Halten des Schuhs zwischen den Pin-Zangen vorne. Genau dieses Konzept schafft das gewünschte Fahrgefühl und die Performance.

Ihr sprecht von Energieabsorption und elastischem Weg – sieben Millimeter im Fersenstück und 18 Millimeter im Vorderbacken. Wie wichtig war diese dynamische Elastizität für Fahrgefühl und Sicherheit?
Die endgültige Version verfügt sogar über zehn Millimeter Elastizität im Fersenstück sowie 18 Millimeter pro Seite im Vorderbacken. Das wirkt sich vor allem positiv auf die Energieabsorption und damit auf die Auslöseeffizienz aus – weniger auf das allgemeine Fahrgefühl.
Wie sah die Testphase der „Hy“ aus?
Die Testphase war extrem intensiv. Wir haben mehrere Prototypen gebaut und viele davon selbst gefahren, bis wir die finale Version hatten, die uns wirklich überzeugt hat. Unsere Tester hatten dabei enormen Einfluss. Der Härtetest durch Nikolai Schirmer lieferte entscheidende Erkenntnisse über Belastbarkeit, Haltbarkeit und Fahrgefühl. Auch Bergführer wie Luca Beccari und Tommaso Cardelli gaben wertvolles Feedback; besonders interessant waren ihre Rückmeldungen zur Sensibilität im Aufstiegsmodus.

Das Spacer-System mit Gummi- und Kunststoffeinsätzen für unterschiedliche Sohlentypen ist ein cleveres Detail. Wie trägt dieses System zu Performance und Komfort bei?
Das finale AFD-System (Anti-Friction Device) arbeitet nicht über unterschiedliche Stärken für verschiedene Sohlen. Entscheidend ist die passende Cover-Platte: Es gibt eine für Alpin mit GripWalk und eine für Alpine Touring. Diese Cover werden dann je nach Schuhmodell mit verschiedenen Shims kombiniert. Diese Verbesserungen sind extrem wichtig für Komfort, einfache Einstellung und Anpassbarkeit. Aus Performance-Sicht ist das Anti-Friction Device essenziell für präzise Auslösung und eine solide Kraftübertragung auf den Ski.
ATK steht für „Made to be thrashed. Wie beeinflusst eure Philosophie die Entscheidungen in Sachen Material und Konstruktion?
Unsere Philosophie lässt sich mit dem Motto „Performing through Lightness“ beschreiben – die Überzeugung, dass deine nächste große Leistung bereits in dir steckt und die Leichtigkeit unserer Produkte der Schlüssel dazu ist. Um unsere Bindungen so leicht wie möglich zu halten, setzen wir seit Beginn auf CNC-Bearbeitung aus Vollaluminium. Diese Technik ermöglicht ultraleichte Produkte bei gleichzeitig maximaler Haltbarkeit.
Alle Teile werden in eurer eigenen Anlage in Italien gefertigt. Welche Vorteile bringt diese In-House-Produktion – insbesondere hinsichtlich der Nachhaltigkeit und Qualitätskontrolle?
Wenn sich irgendwo ein Problem abzeichnet, müssen wir buchstäblich nur durch eine Tür gehen. Und auch für die Abstimmung mit anderen Abteilungen gilt: ein Schritt durch dieselbe Tür. Das sagt eigentlich alles, oder? Wir kennen uns alle persönlich – nicht nur über Bildschirme. Die vollständige Kontrolle über den gesamten Prozess erlaubt uns zudem gezielte, sofort wirksame Investitionen in Effizienz und Nachhaltigkeit. Ein aktuelles Beispiel: unsere industrielle Druckmaschine, mit der wir sämtliche Boxgrafiken und Infos mit vollständig recycelbaren, wasserbasierten Tinten drucken.
Da jedes einzelne Bauteil austauschbar ist, ist Langlebigkeit direkt ins Design integriert. War die Idee der Zirkularität von Anfang an Teil des Projekts – oder entwickelte sie sich erst im Prozess?
Da all unsere Bindungen aus vollständig recycelbarem Aluminium bestehen, ist Nachhaltigkeit tief in unserer Identität verankert. Das war schon immer einer unserer wichtigsten Ansätze. Aufgrund unserer Überzeugungen – und der Bergwelt, in der wir arbeiten – sind Langlebigkeit und Kreislaufdenken Grundpfeiler aller Projekte. Wir konzipieren jedes neue Produkt bereits mit diesem Gedanken.
ATK Produkthighlights 2026
ATK Hy 13 Free 2026

Die „Hy 13 Free“ ist eine speziell für Freeride entwickelte Freetouring-Bindung, die die Kontrolle eines Alpinsystems mit der Vielseitigkeit und dem geringen Gewicht einer Tourenbindung verbindet. Mit 675 Gramm liefert sie echte alpintaugliche Performance ohne die Masse oder Komplexität vieler Hybridbindungen. Die „Hy 13 Free“ überzeugt durch hohe Haltekraft und äußerst einfache, intuitive Wechsel zwischen Geh- und Fahrmodus. Hergestellt aus CNC-gefrästem 7075-Aluminium und aufgebaut aus 27 präzisen Komponenten pro Stück bietet sie deutlich mehr Haltekraft als klassische Pin-Bindungen – ideal für schwere oder sehr dynamische Fahrer und für den Einsatz in anspruchsvollem Gelände.
Der Moduswechsel erfolgt durch einfaches Drehen des Vorderbackens, ein „negativer“ Zehenwinkel verbessert die Schrittdynamik beim Aufstieg und die unter dem Fuß sitzende Bremse lässt sich unkompliziert arretieren. Durch den Verzicht auf hintere Pins liegt der Skischuh flach auf und sorgt für ein authentisches Alpin-Fahrgefühl. Die Bindung ist in den Breiten 97, 108 und 120 Millimeter sowie mit einstellbaren Auslösewerten von 4 bis 11 erhältlich und mit vielen modernen Freeride-Skiern und -Schuhen kompatibel.
| Eigenschaften | Details |
|---|---|
| Modell | Hy 13 Free |
| Gewicht | 675 Gramm |
| Material | CNC-gefrästes 7075-Aluminium |
| Komponenten | 27 Komponenten pro Stück |
| Stopperbreiten | 97, 108 und 120 mm |
| Auslösewerte (Z-Wert) | 4 bis 11 |
| Preis | 779,99 € |


