In vielen Teilen Europas wurden gestern Temperaturrekorde gebrochen, eine Entwicklung, die sich auch heute fortsetzen könnte. Die Analyse zeigt, wo es aktuell besonders mild ist, wo die Temperaturen hinterherhinken und ob zu Weihnachten Hoffnung auf Fresh Snow besteht.
Hohe Temperaturen und trockene Luft
Wie bereits in vorangegangenen Briefings erwähnt, muss man für frischen Powder in den kommenden Tagen bis nach Skandinavien ausweichen. Die Alpen verbleiben unter dem Einfluss eines Hochdrucksystems mit milder Höhenluft, die sich in den nächsten Tagen nur zögerlich abkühlen wird.
Ein Blick auf die gestrigen Höchstwerte in den Alpen und Pyrenäen offenbart, dass die Luft auch in großen Höhen deutlich zu warm ist. Das Freezing Level bewegt sich um die 3500 Meter und damit auf Sommerniveau. Trotz Temperaturen von teilweise über 10°C blieben die Taupunkte jedoch im negativen Bereich. Dies deutet auf sehr trockene Luft hin, wodurch der Schnee – begünstigt durch schwachen Wind – nicht so schnell schmilzt. Auch heute sind ähnliche Extremwerte zu erwarten.
Ausgeprägte Inversionswetterlage
Einige Täler blieben gestern den ganzen Tag unter der Inversion gefangen und verzeichneten keine milden Temperaturen (beispielsweise Holzgau mit +0,5°C auf 1.092 Metern). Bei einer Inversion kehrt sich das Temperaturprofil der Atmosphäre um: Die Temperatur steigt mit der Höhe an, anstatt zu fallen. Eine warme Luftschicht legt sich wie eine Decke über die kältere Luft am Boden. Da kalte Luft absinkt, sammelt sie sich in den Tälern. Im Dezember und Januar steht die Sonne oft zu tief, um diese kalte, graue Schicht aufzubrechen.
Schattige Täler sind an den kürzesten Tagen des Jahres bei windstillem Wetter besonders anfällig für deutlich tiefere Temperaturen als die umliegenden Gipfel. In der vergangenen Nacht gab es sowohl in tiefen als auch in höheren Tälern verbreitet Frost. Weiter oben blieb es bis auf mindestens 2500 Meter fast überall deutlich über dem Gefrierpunkt.
Milde Luftströmungen aus Süd und West
Auf den aktuellen Wetterkarten dominiert ein massives Hochdruckgebiet über dem Mittelmeer, dessen Rücken sich bis nach Skandinavien erstreckt. An seiner Ostflanke fließt kurzzeitig kalte Luft nach Süden, unterstützt durch ein Tief über Russland. Diese Kälte bleibt jedoch auf Finnland sowie die nördlichen Hälften von Schweden und Norwegen beschränkt und wird ab Sonntag durch mildere Luft aus Südwesten verdrängt.
Der Kontinent wird von milden Luftmassen aus Süden und Westen geflutet. Für das Alpenwetter ist vorerst die Südströmung bestimmend. Das aktuelle Muster aus viel Sonnenschein und frostigen Nächten in den Tälern wird noch etwa eine Woche anhalten. Auf 1500 Metern pendeln die Temperaturen zwischen 4 und 8°C, wodurch das tagsüber relevante Freezing Level bei etwa 2500 Metern liegt. Die Lage bleibt mild, wenngleich nicht mehr so extrem wie aktuell. Während die Berge in der Sonne liegen, werden einige Täler weiterhin mit Inversionsbedingungen zu kämpfen haben.
Wechselhafter und kühler Richtung Weihnachten?
Für Frankreich und die Schweiz zeigen die Langzeitmodelle ab dem 17. Dezember erste Niederschlagssignale, was auf einen Durchbruch der Westströmung hindeuten könnte. Für Österreich fallen diese Signale deutlich schwächer aus; der durchschnittliche Luftdruck bleibt nach dem 20. Dezember bei etwa 1020 hPa – ein Wert, der selten mit signifikantem Niederschlag verbunden ist.
Die Hochdruckgebiete über Russland und Osteuropa erweisen sich als hartnäckig. Es ist daher keineswegs sicher, dass sich langfristig eine Westströmung durchsetzen wird. Wahrscheinlicher ist, dass im Vorfeld von Weihnachten Luft aus nördlicher oder nordwestlicher Richtung einströmt, jedoch ohne aktive Fronten in den Alpen. Ein echter Wintereinbruch scheint unwahrscheinlich, doch die Chancen auf sinkende Temperaturen steigen, was oberhalb von 1000 bis 1500 Metern für winterliche Verhältnisse sorgen könnte.




