The Industry: Sport Bittl 2.000 QM Skisport

Bislang haben wir bei Herstellern hinter die Kulissen blicken dürfen. Aber irgendwie müssen die ganzen Produkte ja auch an den Mann gebracht werden. Darum haben wir Christian Meller beim Sport Bittl in Allach bei München besucht, um zu sehen, wie der Handel in Sachen Freeski tickt.

Hi Christian, erzähl doch mal, was hier beim Sport Bittl genau dein Job ist!
Ach, meistens hänge ich hier nur ab, schnorre mir einen Kaffee bei den Onlinern, rede die Leute blöd an (was keiner ernst nimmt) oder schau einfach, was hier so passiert. Nein, im Ernst, ich bin unter anderem für die Sortimentsgestaltung zuständig – also auf Deutsch: Ich kaufe Skier ein und was sonst noch zur Skiabteilung alles dazugehört. Zusätzlich schule ich das Personal bei technischen Neuerungen, organisiere die Materialtests für mein Team und ja, ich stehe auch im Verkauf und berate die Kunden, um ihnen den passenden Ski an die Hand zu geben. Im Sommer unterstütze ich die Jungs vom Webshop bei der Anlage der neuen Produkte.

 

Da sind ja doch eine Hand voll neuer Modelle jede Saison in die Online-Maske reinzukloppen. Wenn wir schon beim Thema sind: Wie hat sich während der letzten Jahre der Online-Markt bei euch entwickelt?
Dieses Geschäft haben wir zugegebenermaßen in den entscheidenden Jahren etwas verschlafen und nicht konsequent genug verfolgt. Aber wir stehen bekanntlich nie still und bauen das Team seit ein paar Jahren immer weiter auf. Hier in Allach bleibt uns ohne die Laufkundschaft wie im Münchner Zentrum auch gar nichts anderes übrig, als in diesem Markt mitzuspielen. Wenn ihr wüsstet, wie viele Online- Anfragen bei uns eingehen, die dann doch in einem Besuch bei uns in Allach enden!

the-industry-sport-bittl-2Ohne einen durchdachten Webauftritt geht es heute einfach nicht mehr. Und wo seht ihr euch selbst inzwischen in diesem hart umkämpften Markt gegenüber der starken Konkurrenz?
Im Online-Bereich sind wir sicherlich nicht der größte Player, aber der neue Shop funktioniert wirklich gut, bietet dem Kunden eine schnelle Preisübersicht (gerade der Set-Konfigurator) und so hoffen wir, eben auch in diesem Sektor besser wahrgenommen zu werden. Ihr seid ja gerade hier und seht, dass wir den Sport ernst nehmen. Dazu gehören auch riesige Investitionen wie zum Beispiel eine Skiservice- Maschine der neuesten Generation oder gar eine komplett neue Halle. Alle unsere Jungs hier fahren selber Ski und somit können wir auch nicht jedem Schnäppchen hinterherjagen, das nicht unseren Ansprüchen genügt. Wir leben ja davon, dem Kunden einen so coolen Service zu bieten, dass er sich beim nächsten anstehenden Kauf ohne Umwege gleich bei uns eindeckt. Das läuft eigentlich ganz gut… so circa seit 1949.

 

Da du schon vom Service sprichst: Wie viele Paar Skier laufen bei euch pro Saison durch den Service?
Jungs, das ist eine gaaaanz große Zahl! Sobald der erste Schnee fällt, haben es alle ganz eilig, auch wenn sie erst im Februar den Trip in die Berge planen. Am besten stellt ihr es euch so vor wie beim anstehenden Reifenwechsel von Sommer- auf Winterreifen. Zu diesen Stoßzeiten geraten alle Autowerkstätten an ihre Grenzen. Da brennt die Hütte dann eben auch bei uns in der Werkstatt.

 

Das leuchtet mir ein. Ist aber das Service- Geschäft nicht ebenso wie der Kauf generell rückläufig, weil in den Resorts das Rental-Thema inzwischen eine immer größere Rolle spielt?
Im Tourismusbereich ist das immer wieder ein Thema, ja. Der klassische Tourist, der sich bei uns einen Ski kauft, wird immer seltener, da muss ich zustimmen. Für uns wird es zudem spürbar, wenn die Rental-Shops am Ende der Saison ihre Lagerbestände rausrücken. Verhängnisvoller ist da aber generell die Politik der Hersteller, sich direkt an die großen Handelsplattformen zu wenden. In diesem Punkt sehen wir sogar eine sehr große Gefahr für unseren Sport! Kauft euren Stuff also in eurem Lieblings-Shop!

 

Du meinst wohl so etwas wie Intersport, nehme ich an. So klein seid ihr aber nun auch wieder nicht, oder? Ich denke, ihr seid bestimmt eines der größten Sportgeschäfte bei uns hier in Bayern.
Also, um eins mal klarzustellen: Groß sind wir definitiv; ob wirklich der Größte, müsste man ausbattlen. Wir sind aber ganz sicher die Geilsten!

the-industry-sport-bittl-2-000-qm-skisport2Alles klar… ihr geilen Hunde! Füttere uns doch mal kurz mit ein paar Hard Facts über euren Shop hier in Allach.
Alter… ich hatte erst einen Espresso und dann auch noch solche Fragen. Jetzt haben die Online-Hugos auch noch die Kaffeemaschine weggesperrt. Ich glaub’s ja nicht! [Christian rennt um die Ecke und lässt dabei noch einen Kaffee durchlaufen; Anm. d. Red] Also, im Hardware-Bereich haben wir 38 Brands hier in den Regalen. Dazu zählen neben Skiern, Bindungen und Boots diverse Accessories der Hersteller. Insgesamt kommen wir allein im Skisektor auf weit über 1.000 verschiedene Artikel, um die sich hier in Allach 15 Mitarbeiter kümmern. Würde man alle Abteilungen zusammenrechnen, käme man beim Sport Bittl auf eine circa 200 Mitarbeiter starke Belegschaft. Und wir haben hier echt Platz: Wir können uns auf 2.000 Quadratmetern allein im Ski-Store (inklusive Protection, Safety Equipment, Snowboards) und auf insgesamt 10.000 Quadratmetern beim Sport Bittl in Allach austoben.

 

Sauber! Passt bloß auf, dass ihr euch hier am Ende nicht noch verliert. Sag uns doch mal, wo es mit dem Freeskiing generell gerade hingeht. Schließlich bekommt ihr anhand von Verkaufszahlen in Echtzeit mit, was am besten läuft.
Was uns positiv auffällt, ist, dass sich nicht jeder – wie in den letzten Jahren – unbedingt über seinen Sport profilieren will und sich gleich für den Tom Wallisch von Obergiesing hält. Die Kunden fragen gezielter nach, kennen besser ihre Grenzen und wissen recht gut, für was sie ihren Stuff einsetzen wollen. Im Trend liegt nach wie vor ungebremst der ganze Backcountry- Bereich – angefangen vom kompletten Touren- und Lawinen-Equipment bis hin zu den ganz groben Latten.

 

Und wie reagiert ihr auf solche Trends? Ihr müsst schließlich auch abwägen, wie sich solch eine Strömung weiterentwickeln könnte.
Size matters! Da kommen uns die Größe unseres Stores und die enge Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten entgegen. Unsere Distributoren fangen die wichtigsten Trends ihrerseits bereits auf den Messen ab und geben die Infos an uns weiter. Dementsprechend planen wir dann hier den Einkauf für die Saison. An dieser Stelle wird’s dann zunehmend business-lastig. Da kommt man mit der reinen Core-Attitude nicht mehr ans Ziel.

 

Apropos „Core“: Welche Rolle spielen bei euch die kleinen Freeski-Labels, um unseren Sport vom klassisch alpinen Skifahren abzutrennen?the-industry-sport-bittl-2-000-qm-skisport-1
Sie tun genau das. Die Core-Labes bedienen all jene, die sich über eine Brand von der breiten Masse abgrenzen wollen. Übrigens hatten wir die gleiche Entwicklung Anfang der Nuller schon bei den Snowboardern, bevor dann ein reinigendes Gewitter bei der Board-Industrie Einzug gehalten hat. Im Skibereich werden wir sehen, wohin die Reise geht. Der „Trend“ hält ja schon sehr lange an. Bei vielen der kleinen Brands stimmt unserer Meinung nach die Performance noch nicht und so mussten wir uns auch schon schweren Herzens von dem ein oder anderen Label wieder trennen. Von der Qualität her stimmt die Sache aber, da haben wir eigentlich keine Baustellen. Im Grunde entscheiden wir ja nicht anders als später dann der Kunde. Auch bei uns spielen verschiedene Faktoren eine Rolle – da gehört der Preis natürlich mit dazu. Aber um das abzuschließen: Unsere Abteilung ist wirklich groß und extrem gut ausgestattet. Da ist wirklich für jeden etwas dabei, der unsere Leidenschaft fürs Skifahren teilt.

 

Dann kann ja das Weihnachtsgeschäft losgehen, wenn die Regale voll sind. Sag mal, ist es wirklich so, wie immer behauptet wird, dass für den Handel nach Weihnachten das Geschäft mehr oder weniger gelaufen ist?
Nein, definitiv nicht! Zumindest nicht bei uns. Am Anfang der Saison sind die Freestyler präsenter, während dann im Februar das komplette Backcountry-Thema an Bedeutung gewinnt. Weihnachten ist in unserem Falle nur für Kunden wichtig, die sich wirklich „beschenken“ lassen wollen. Doch gerade in der Skiabteilung wissen die Leute ziemlich genau, was sie wollen und wofür sie bereit sind, ihre Kohle auszugeben. Die meisten wissen sehr genau, was sie wollen, und da spielt Weihnachten sicher nicht den entscheidenden Faktor.

 

Das ist doch schön zu hören, zumal ja vor Weihnachten nur selten richtig viel Schnee liegt. Aber generell seid ihr mit den Skiartikeln abhängiger vom Niederschlag als zum Beispiel die Biker im Sommer, oder?
Ja, das ist leider so. So ein schneearmer Winter wie in der letzten Saison bei uns haut schon rein und tut auch wirklich weh. Der Sport lebt einfach von den Niederschlägen. Wenn die Bedingungen nicht gut sind, überdenken viele Kunden einfach den nächsten Einkauf eher mal.

 

Ja, dann hoffen wir einfach mal, dass der heraufbeschworene Jahrhundertwinter auch wirklich bald mal kommt. Und lass dir zu Weihnachten eine Kaffeemaschine schenken, um nicht immer bei der Nerd-Fraktion klauen zu müssen. Vielen Dank jedenfalls für den spaßigen Rundgang!