Nach den letzten ergiebigen Dumps hat der Winter hierzulande ja eine Verlängerung spendiert bekommen und wir dürfen noch etwas Powder schlürfen, bevor wir uns wie Hendrik Harlaut in den Norden Skandinaviens verdrücken müssen, um dort Booter in die Botanik zu pflanzen.

Nähert man sich diesem Lager, sieht man, dass die Zelte auf Paletten stehen, um dem Schmelzwasser zu entkommen, das den Boden aufweicht. Überall liegen Skier rum und häufen sich an einer Stelle sogar zu einem chaotischen Hügel aus Planken. Abgerundet wird dieses Chaos um die Wohnmobile durch ungewaschene Töpfe und Geschirr, halb zusammengebrochene Campingstühle und einen Outdoor-Gasofen. Der Himmel ist grau und dicke Wolken verbergen das helle Blau – es herrscht das typische Wetter für hier oben. In Katterjokk, so heißt das kleine Camping-Dorf, kann man den Himmel auf Erden erleben, aber auch die Hölle. Zumindest vom Wetter her. Katterjokk ist das nächste Dorf zu dem nördlichsten und gleichzeitig einem der besten Freeride-Gebiete der Welt: Riksgränsen.

„Henrik ist besessen von Skifahren. Wenn sich andere Fahrer hin und wieder mal einen normalen Spielfilm streamen, hängt Henrik immer vor dem Bildschirm und checkt Ski-Edits – ob nun von anderen oder sich selbst.“

Van-Life

Es ist Saisonende und selbst die letzten Saisonkräfte haben das Skigebiet bereits verlassen. Nur noch der harte Kern der Locals ist vor Ort. Trotzdem haben das Restaurant und der Lebensmittelladen einige Tage länger geöffnet, da ganz in der Nähe eine Straßenbaustelle ihren Betrieb nicht aufgeben will und die Arbeiter versorgt werden müssen. Zum Glück! Denn das Restaurant ist die einzige Möglichkeit, sich mal ins Wi-Fi einzuloggen oder auf einer richtigen Couch die Beine lang zu machen – kurzum, dem komprimierten Leben im Van zu entkommen. Da das Wetter sich die letzten Tage nicht gerade von seiner guten Seite zeigte, fand unser Leben zuletzt genau zwischen den zuvor genannten Eckpunkten statt, und Änderung ist nicht in Sicht.

Eine Person mit Dreadlocks, gekleidet in ein rotes Hoodie und lange Unterhosen mit Basketball-Shorts darüber, sitzt an einem der Esstische des Restaurants und lauscht den Beats aus seinen Headphones. Es ist Henrik Harlaut, der sich ein Video anschaut, das ihn mit 13 Jahren beim Skifahren zeigt. Er überprüft den Style, mit dem er damals unterwegs war. Henrik will einfach wissen, wo er damals stand, woher er kommt. Er will sicher-stellen, dass er sich selbst treu geblieben ist. Henrik ist besessen von Skifahren. Wenn sich andere Fahrer hin und wieder mal einen normalen Spielfilm streamen, hängt Henrik immer vor dem Bildschirm und checkt Ski-Edits – ob nun von anderen oder sich selbst. Tut er dies nicht, zockt er „Jibberish“ oder schneidet ein neues Edit. Es geht immer nur um das eine. Henrik schläft und isst, ansonsten dreht sich sein Leben ausschließlich um Skifahren. Daran ändert sich unterwegs nichts, so auch nicht auf diesem Camping-Trip.