Flo Gassner ist einer der wenigen Nachwuchsfahrer im Freeridebereich aus Deutschland. Wir haben den Freeride Junior Tour-Fahrer zum Interview über Freeride-Contests, Filmpläne, Freeride-Nachwuchs und weitere Themen gebeten – und haben interessante Antworten erhalten.

Interview – Flo Gassner (1/2)

Bevor die Saison so richtig losgeht, hat Flo Gassner sich ein wenig Zeit genommen und uns einige Fragen rund um ihn persönlich sowie das Thema Freeriden & Contests beantwortet - Foto: maxmerget.de
Bevor die Saison so richtig losgeht, hat Flo Gassner sich ein wenig Zeit genommen und uns einige Fragen rund um ihn persönlich sowie das Thema Freeriden & Contests beantwortet – Foto: maxmerget.de

Hi Flo, für alle die dich bisher nicht kennen, stell dich doch mal kurz vor.

Servus zusammen,
Ich bin der Flo Gassner, im wunderschönen München geboren und auch aufgewachsen.
Jetzt bin ich 19, studiere aktuell Bauingenieurwesen an der TU München, verbringe aber vor allem im Winter den Großteil meiner Freizeit bei meinen Freunden in Innsbruck.
Ski fahre ich eigentlich seit dem ich laufen kann. Meine Eltern waren früher lang als Skilehrer tätig und feilten schon in meiner Kindheit an meiner Skitechnik.

Wie bist du zum Freeriden gekommen und was hat dich motiviert in die Contest-Welt einzusteigen?

Mit meinem Vater war ich schon immer abseits der Piste unterwegs. Anfangs nur die typischen kurzen Schwünge im Powder, später schon ein paar kleinere Sprünge. Nebenbei war ich im Rennclub, wo ich sicherlich auch viel gelernt habe. In der 10. Klasse war ich in Kanada auf einer Highschool und habe in einer Gastfamilie gelebt.

Dort war ich mit Freunden aus der Schule im Powder unterwegs und konnte mich schnell steigern. Höhere Sprünge, längere Straight-Lines und auch neue Tricks! Mein erster Contest war mehr zufällig als lang überlegt. Meine Freunde dort nahmen an Wettkämpfen in ganz Kanada Teil und dann haben sie mich gefragt, ob ich nicht beim Wettkampf in unserem Home-Resort Lake Louise mitmachen wolle. Das war dann mein erster Freeride Wettkampf!

Einer der wenigen deutschen Freeride-Nachwuchsfahrer: Flo Gassner - Foto: maxmerget.de
Einer der wenigen deutschen Freeride-Nachwuchsfahrer: Flo Gassner – Foto: maxmerget.de

Die Saison läuft gerade an. Wo treibst du dich im Moment rum und hast du den Winter 17/18 schon eröffnet?

Klar habe ich den Winter schon eröffnet! Bei mir ist das, wie bei vielen anderen, schon zur Tradition geworden: am 1.10., bei egal welchem Wetter, in Hintertux die Saison zu starten.
Jetzt im Herbst bin ich hauptsächlich in Tux und im Stubai unterwegs.

Im letzten Winter bist du bei der Freeride Junior Tour mitgefahren. Wie ist die Stimmung und wie war deine persönliche Erfahrung bei den Contests?

Die Freeride Junior Tour ist wirklich mega geil! Ich liebe es mich 2 Tage lang nur mit dieser einen Line zu beschäftigen und mit anderen zu diskutieren, was möglich ist. Jeder will sein Bestes geben, aber am Ende jubelt jeder für jeden, man gönnt sich gegenseitig den Erfolg, muntert sich aber auch gegenseitig auf und am Abend wird gemeinsam gefeiert!

Das finde ich, vor allem im Vergleich zum Rennsport, eben das ganz Besondere. Noch viel wichtiger finde ich es aber, dass man dort so viele gleichgesinnte, nette Leute kennenlernt. Meine besten Ski-Freunde habe ich alle bei Contests kennengelernt.

Wie liefen die Contests letzte Saison für dich?

Der erste 2* Open Faces Contest in Kappl, Österreich, wurde zwei Starter vor mir abgebrochen. Weil ich aber einer der letzten war, zählte das Ergebnis trotzdem und die, die oben standen, gingen leer aus.

Danach ging es nach Andorra, wo die Junior World Champs stattgefunden haben. Zusätzlich bin ich dort noch einen 3* FJT Stopp gefahren. Bei beiden Wettkämpfen hatte ich einen heftigen Backslap, also eine sehr schlechte Landung, und beim 3 * habe ich sogar meine GoPro verloren. Außer einer Menge Erfahrung habe ich also nicht viel aus Andorra mitbringen können.

Weiter ging es mit einem 2* Open Faces Contest im Montafon, Österreich. Ich habe eine etwas sicherere Line gewählt und die aber sehr sauber gefahren. Der Plan ist aufgegangen und so stand ich als 2. mit meinem Kumpel Martin Kogler gemeinsam auf dem Podest!

In Fieberbrunn beim 3* FJT Contest sprang ich meinen ersten Backflip in einem Contest und wurde in einem engen Feld 6.

Den letzten Wettkampf in Verbier musste ich auf Grund von einem Sturz beim Filmen leider ausfallen lassen.

Beim 2* Open Faces Contest im Montafon konnte Flo Gassner sich sich den zweiten Platz sichern - Foto: mia*/open-faces.com
Beim 2* Open Faces Contest im Montafon konnte Flo Gassner sich sich den zweiten Platz sichern – Foto: mia*/open-faces.com

Du warst bei den Freeride Junior World Champs 2017 am Start. Wie war dort deine Erfahrung? Wie war die Stimmung unter den Ridern?

Es war eine super coole Erfahrung, von der ich sicherlich noch meinen Enkeln erzählen werde. Das ganze Event wird aufgezogen wie bei den Profis in der Freeride World Tour.
Am ersten Abend war die Stimmung sehr angespannt, weil der Contest, bei einem Wetterfenster von fast einer Woche, schon am ersten Tag stattfand. Danach war es dann umso lockerer und ich konnte sowohl tagsüber beim Skifahren, als auch abends viele nette Leute kennen lernen. So viele verrückte Burschen und Mädls in einem Hotel, das ist ganz schön abgegangen!

Der Freeride Nachwuchs aus Deutschland ist sehr überschaubar. Warum fehlt es deiner Meinung nach an jungen Nachwuchsfahrern aus Deutschland?

Zum einen ist der Freeride Sport noch nicht so bekannt. Viele gute junge Skifahrer wissen also nicht mal von dieser Art der Wettkämpfe. Zum Anderen wird der Sport, weil er weder olympisch noch Teil der FIS ist, vom Staat nicht gefördert. Es gibt also auch keine Vereine bzw. Teams in denen Talente entstehen können, wie es die Amerikaner, Kanadier, Neuseeländer, Franzosen und Schweizer schon haben.

Hier muss man sich selber durchbeißen, von Freunden lernen und sich gegenseitig pushen.

Du hast gerade deinen Season Edit 16/17 fertiggestellt. Bist du zufrieden mit den Shots, die du in der letzten Saison gesammelt hast?

Mein erstes Season Edit habe ich vor 3 Jahren aus meinem Jahr in Kanada erstellt. Seitdem habe ich jedes Jahr probiert, das ganze noch besser zu machen. Aus anfangs fast nur GoPro Aufnahmen wurden mittlerweile ein Mix aus GoPro-, Spiegelreflex- und Drohnenaufnahmen. Auch beim Schnitt habe ich mich verbessert. Dieses Jahr bin ich wirklich zufrieden! Das kann man echt herzeigen!

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