Interview: Harald Juen

BÄNG… dein Kopf fühlt sich an, als hätte man dein Gehirn gegen die Seitenwand deines Schädels gedrückt. Ein schwarzer Schleier legt sich langsam über deine Augen und deine zitternden Hände greifen reflexartig auf die Aufprallstelle um zu kontrollieren, ob Blut durch deine Haare rinnt oder nicht. Man hört nur die dumpfe Stimme seines Buddy´s: „Hey Alter, alles klar?“ … und man weiß, man hat nochmal Glück gehabt.

Stürze mit Kopf- oder Wirbelsäulenverletzungen sind wirklich sehr gefährlich und können Einfluss auf dein restliches Leben nehmen. Angefangen vom Rollstuhl bis hin zum kompletten Kontrollverlust über Körper und Geist. Ich habe mich mit Andi Nitsche getroffen, um mit ihm über die Protektoren von BLISS zu sprechen.

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Credit: Severin Wegener

Servus Andi! Es freut mich wirklich sehr, dass du dir die Zeit genommen hast und uns etwas über die Produkte von BLISS erzählst. Aber fangen wir mal mit deinen Basics an, damit unsere interessierten Leser auch wissen, wer hinter diesen geschriebenen Worten steckt. Wo bist du aufgewachsen und wie kamst du zu deiner Position bei BLISS?
Servus Härry! Für dich nehme ich mir doch immer gerne Zeit. Also liebe Leute; ich bin 25 Jahre alt und bin in Grassau im Chiemgau/Deutschland aufgewachsen, wohne jedoch jetzt im schönen Innsbruck. Der Weg zu BLISS ging eigentlich über einen altbekannten Weg eines jeden „ambitionierten“ Sportlers. Angefangen habe ich bei BLISS als gesponserter Teamrider im Freeski Team. In dieser aktiven Zeit habe ich auch mein Bachelorstudium in Sportmanagement bestritten. Irgendwie ist es mir gelungen, dass sich BLISS nicht nur für meine sportlichen Leistungen interessierte, sonder auch an meiner Person Interesse zeigte.
Angefangen hat es mit Teammanagement und Schritt für Schritt wurde es immer mehr. Jetzt habe ich meinen Bachelor in der Tasche, paar Jahre mehr Erfahrung und bin nun Head of Marketing. Ne ganz nette Story eigentlich…

Fleißig, fleißig sag ich da nur! Da hast du einen sehr guten Weg gewählt. Dann starten wir gleich mit der nächsten Frage: Fast jeder von uns kennt euer Logo oder hat schon mal einen Sticker auf einem Helm/Ski/Bike eurer Teamfahrer gesehen, aber wo hat BLISS den seine Zelte aufgeschlagen und wie viele Leute stehen eigentlich hinter der Brand?
BLISS hat seinen Firmensitz in Marktredwitz – Oberfranken. Klingt jetzt vielleicht nicht besonders spannend, jedoch haben einige große Firmen, vor allem aus der Fahrradindustrie dort ihren Sitz. Da muss offensichtlich etwas im Wasser sein? BLISS hat dieses Jahr sein 10-jähriges und zählt aktuell ca. 10 Personen die an einem Strang ziehen.

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Credit: Severin Wegener

Dann gratuliere ich euch recht herzlich im Namen der PRIME zu eurem 10-jährigem Jubiläum. Weiter so!! #HIGHFIVE
Aber was macht eure Produkte so besonders bzw. was unterscheidet eure Protektoren von den Anderen?
Auf die Frage was BlISS von anderen Herstellern unterscheidet gibt es jetzt eine Vielzahl an trockenen Fakten, mit denen ich dich eigentlich gar nicht lange langeweilen möchte. Die gesamte Crew bei BlISS setzt sich aus begeisterten Sportlern zusammen, egal ob es jetzt Downhill MTB, Skifahren oder Snowboarden ist. Wir kennen die Problematik, welche die meisten Protektoren mit sich bringen nur zu gut. Sie sind zu wuchtig, man schwitzt wie Sau und kann sich nicht richtig bewegen. Mal davon abgesehen, dass man zu 90% aussieht als hätte man einen Kleiderbügel verschluckt. Ziel von BLISS war und ist es Protektoren zu bauen, die zum Einem die höchsten Sicherheitsnormen erfüllen und zum Anderen angenehm zu tragen sind. Dies hat zu Folge, dass sie dich in der Bewegung nicht einschränken und du das tun kannst was du willst und mehr Spaß an der Sache hast.

Dass überhaupt noch zur Debatte steht ob man mit Helm und Protektor fährt empfinde ich als lächerlich.

Stimmt, in einigen Protektoren fühlt man sich wie ein schlecht zusammengebastelter RoboCop, aber zum Glück gibt es schlaue Köpfe wie euch, die aus einem rostigen Terminator einen spritzigen Spiderman machen. In den letzten Jahren wurden Protektoren und Helme immer wichtiger und die Szene akzeptierte auf einmal einen Calimero-Style-Helmträger. Wie und warum hat sich deiner Meinung nach die Ansichten hinsichtlich Körperschutz so verändert?
Es wird alles immer krasser, schneller und weiter. Schau dir doch einfach mal einen X-Games Big Air Run vor 10 Jahren an und vergleich das mit dem jetzigen Level. Dass überhaupt noch zur Debatte steht ob man mit Helm und Protektor fährt empfinde ich als lächerlich. Protektoren und Helme finden in der Szene immer stärker Akzeptanz. Zu mindestens haben die meisten einen Rückenprotektor an und auch ein Helm gehört oftmals zur Standardausrüstung. Solange jedoch Helme – vor allem von den Jungs die Urban fahren – stiefmütterlich behandelt werden, gibt es noch viel zu tun. Auf jeden Fall tut sich etwas in die richtige Richtung!

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Credit: Severin Wegener

Da gebe ich dir recht, es ist ein wichtiger Schritt den Leuten zu zeigen wie wichtig es ist auf seinen Körper zu achten und ihn zu schützen, aber ich glaube, das größte Problem ist, dass der Helm einfach noch kein fixer Bestandteil einer „modebewussten“ (Freeski-) Skiausrüstung ist. In den Online-Shops bzw. in deren Katalogen sieht man ja auch kaum helmtragende Models, oder? Wie denkst du darüber?
Ich denke es geht vor allem darum, dass jeder da draußen Ski fährt, weil es mega Spaß macht. Jeder der schon mal wegen einer Verletzung lange pausieren musste, kennt dieses Gefühl: Man will raus shredden, es geht einfach nicht, weil der Körper nicht mit macht.
Ich kann jetzt nur von mir sprechen: Ich will so lange wie möglich Skifahren gehen. Nichts ist geiler wie nach nem Cliff paar Schwünge in den Powder zu ziehen und unten High Fives von seinen Buddys zu kassieren. Damit ich das so lange wie möglich machen kann, muss ich meinen Körper schützen egal welche Trends mir die Medien eintrichtern wollen.

Kommen wir mal zu einem ganz anderen Thema. Euer Focus hat sich in letzter Zeit sehr auf das Biken verlagert. Bleibt ihr dem Wintersport trotzdem treu?
Mit dem MTB einen Trail runter feuern ist echt ein hammer Gefühl. Und die Körperposition sowie Bewegungen sind fast identisch wie beim Skifahren. Das musst du mal ausprobieren…! Aber ja, unsere Wurzeln liegen im Wintersport und wir werden ihm auch immer treu bleiben.

Seitdem die großen Skifirmen Helme im Sortiment haben ist der Markt so gut wie tot.

Ich fühle mich auf 2 Brettern immer noch sicherer als auf 2 Rädern, aber vielleicht drehen wir beide ja mal zusammen eine Runde durch die Trail´s?
Da der Markt natürlich immer den neuen Trends folgt, ist es sicherlich nicht so einfach sich gegen die „großen“ Brands durchzusetzen, da diese Firmen eine breite Palette an Produkten anbieten können und die Shops sich daher viele Telefonate mit unterschiedlichen Vertretern sparen können. Wie schwer ist es sich da noch zu profilieren?
Bei den Protektoren sieht es gut aus, da können wir uns nicht beklagen. Jedoch hast du bei den Helmen als „kleine“ Firma schlechte Karten. Ich spreche jetzt nicht von Core Brands sondern von Mainstream Firmen. Seitdem die großen Skifirmen Helme im Sortiment haben ist der Markt so gut wie tot. Alleine von den Preisen kannst du gar nicht mehr mithalten bzw. werden Helme oftmals von den Big Playern als Topping bei großen Shop-Bestellungen gratis dazu gelegt. Sollte man das jedoch überlebt haben, bricht dir die radikale Preisschraube die nach Weihnachten angesetzt wird das Genick. Auch spüren wir die immer schlechter werdenden Winter. Komplett anders sieht es im Bike Bereich aus. Da es sich hierbei um eine Sportart handelt, die zumindest in den meisten Regionen, 365 Tage ausgeübt werden kann bleiben die Preise relativ stabil und die Nachfrage steigt stetig.

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Credit: Severin Wegener

Wo liegt denn eigentlich euer Marketingschwerpunkt? Investiert ihr viel in Werbung oder trägt euer Team den größten Teil eurer Vermarktung bei?
BLISS setzt auf einen ausgewogenen Mix aus Team und klassische Werbe-Maßnahmen. Bei unseren Teamridern ist mir besonders wichtig, dass sie hinter der Firma stehen und die Unternehmensphilosophie verkörpern.

Inwiefern werdet ihr, das Team und du, in die Produktentwicklung mit einbezogen? Fließen eure Ideen gleich in die Protektoren mit ein?
Unser Team ist die entscheidende Messgröße in der Produktentwicklung. Wie gut ein Produkt funktioniert oder was noch abgeändert werden muss, erkennt man nur, wenn mit dem Prototypen im Testlauf viel gefahren wird. Hierbei achtet unser R & D Department vor allem darauf, dass die Produkte von verschiedenen Teamridern gefahren werden. Also vom Grassroots Rider bis hin zum World Cup Athleten. Somit kann man sicher sein, dass die Bedürfnisse quer durch die Bank erfüllt werden.

Wird sich eure Produktpalette in den nächsten Jahren noch vergrößern oder seid ihr der Meinung „Qualität vor Quantität“?
Wir haben noch viel in der Pipeline jedoch geht ganz klar Qualität vor Quantität. Unsere Produktlebenszyklen gehen über mehrere Jahre. Somit ist genug Zeit den R & D Prozess ordentlich abzuschließen und das bestmögliche Produkt auf den Markt zu bringen. In der Ski Industrie ist es Gang und Gebe, dass Produkte nach einer Saison alt sind. Da wird das Design geändert und schon wird dem Endverbraucher weiß gemacht, er habe ein altes und überholtes Produkt. Meistens ändert sich am Shape oder Materialien gar nichts. BLISS hat hier ein anderes Mindset. Wir launchen ein Produkt nur, wenn es wirklich neu ist und für den Endverbraucher einen deutlichen Mehrwert gegenüber dem Vorgänger hat.

Also Andi, es war wirklich nett mit dir und ich hoffe, wir treffen uns mal wieder aufm Berg.
Das würde mich auch sehr freuen. Ich wünsche allen Lesern und dir eine schneereiche, verletzungsfreie und tolle Saison. SERVUS