AndiMayrDer Weg zum Freeski-Pro ist alles andere als ein Zuckerschlecken! Egal wie talentiert oder motiviert man ist, es gibt viele viele Steine, die sich einem in den Weg stellen können. Lukas Joas gehört zweifelsohne zu den besten deutschen Freeskiern da draussen, musste aber am eigene Leib erfahren, wie man sich diesen Steinen in den Weg stellt bzw. mit der Situation umgeht, wenn diese zum Beseitigen alleine zu schwer sind. Genau darüber haben wir auch in unserem Interview mit ihm gesprochen.

Dazu erzählt er uns auch noch wie er vergangene Saison ganz ohne den Support von Sponsoren ein Solo Projekt aufgezogen hat, welches am 9. Dezember released wird. Den Trailer dazu zeigen wir euch auch am Ende des Artikels, davor habt ihr aber noch etwas Lektüre vor euch:

Hey Lukas! Wie ist die Lage? Wo treibst du dich gerade rum?
Servus! Ich bin seit ein paar Tagen wieder zu Hause, nach 4 Wochen Prime Park Sessions mit dem Deutschen Team. Auch nicht schlecht mal wieder ein paar Tage ohne die ganzen nervigen Teamkollegen zu haben 😉 haha

Wir haben da etwas von einem Solo Project von dir gehört. Was genau hat es damit auf sich, erzähl doch Mal?
Da habt ihr hoffentlich nur Gutes gehört. Es war leider kein normaler Sommer mit Sonne, Strand und viel Bier. Ich habe die meiste Zeit vor meinem PC verbracht und an meinem eigenen Project gebastelt. Bier war aber auf jeden Fall auch dabei. Das Projekt ist eigentlich sehr spontan entstanden. Mir war von Anfang an klar, dass ich ein Video raus bringen möchte. In was für einem Umfang hab ich mir aber über die Saison noch keine Gedanken gemacht und ich habe versucht so viel Material zu sammeln wie es nur geht. Nach dem ich die Chance gehabt habe, bei beiden Legs of Steel Shootings in Zürs und im Stubai dabei zu sein, habe ich mit Tobi Reindl geredet und er hat sofort gesagt, dass sie mir mein Material zu Verfügung stellen können.

Ich glaube ohne diesen Support wäre das ganze Project nicht entstanden und ich hätte einen normalen Season Edit raus gebracht. Das Project soll eben über meine letzte Saison mit allen Ups & Downs gehen und auch zeigen, dass dieser Weg als professioneller Freeskier nicht einfach ist und in vielen Fällen auch nicht funktioniert.

IMG_9382Vom finanziellen Aspekt her war es wahrscheinlich auch nicht gerade leicht, wie hast du versucht das Ganze zu bewerkstelligen?
Ich habe mich letzten September entschieden, eine Pause als Schreiner zu nehmen und es als professioneller Freeskier zu versuchen.

Die erste Watschen kam eine Woche später und ich habe alle meine Sponsoren verloren. Es war natürlich hart, keine Rückendeckung von einer Firma zu haben, wenn man so einen Weg einschlägt. Aber alle wissen glaub ich, dass die Marken es auch nicht sehr einfach haben und es gerade als nicht sehr bekannter Fahrer schwer ist, ein Budget für die Saison zu bekommen. Der zweite Schlag hat nicht lange auf sich gewartet und ich habe mich am dritten Tag der Prime Park Session verletzt. Auch wieder 7 Wochen Pause und viel Zeit über diese Situation nach zu denken, ob es vielleicht doch eine falsche Entscheidung war. Mein größtes Problem war eben, dass ich nicht wusste wie ich das Finanzielle stützen soll ohne irgend einen Support.

Ich habe mit einer Saison geplant, die enorme Kosten mit sich bringt und dann sollst du es so schnell mal selber aufbringen. Irgendwann war mir aber klar, dass ich diesen Weg aber zu 100% durch ziehen will, weil ich die letzten Jahre noch nie die Chance gehabt habe, eine komplette Saison nur Ski zu fahren.

Ich habe natürlich ein paar Rücklagen gehabt, nachdem ich eine Schreiner Ausbildung gemacht habe und zwei Jahre als Geselle Angestellt war und da war ich dazu offen den ein oder anderen Teil zu investieren.

 
Es ist ja leider allgemein auch gerade nicht sehr einfach Sponsoren zu bekommen, obwohl der Sport durch die Aufnahme ins olympische Programm usw. eigentlich in den Medien immer mehr Aufmerksamkeit findet. Wieso denkst du kommen dennoch die Probleme?
Ich glaube, es hat natürlich damit zu tun, dass es schon lange keinen richtig guten Winter mehr gegeben hat. Die Nachfrage ist groß, aber unser Sport ist leider sehr teuer mit Liftkarten und allen Sachen die daran hängen.

Die Eltern oder auch die Kids haben natürlich nicht so viel  Geld um jeden Winter eine neue Ausrüstung zu kaufen. Deshalb fallen die Verkaufszahlen natürlich auch. Wäre ich an der gleichen Stelle, würde ich mir wahrscheinlich auch eine Skihose aus dem Lidl kaufen (Die sind echt cool, müsst ihr mal Ole Pavel fragen)! Ich merke es selber wie krass schwer es ist Sponsoren zu bekommen. Deshalb bin ich froh, dass sich wenigstens ein bisschen was zur letzten Saison verändert hat. 

Credit: Pally Learmond
Credit: Pally Learmond

Auf jeden Fall gibt es ja auch immer mehr unglaublich gute Rider da draußen. Wie schwer ist es da sich einen Namen zu machen und was braucht es deiner Meinung nach dazu heutzutage?
Ja, es gibt so viele unglaublich gute Rider! Ich war letzte Saison das erste Mal in Amerika und es war krass zu sehen wie gut die kleinen Kids schon fahren. Ich hätte mit vielen nicht mithalten können. Es ist enorm schwer heraus zu stechen, bei so vielen guten Ridern. Ich versuche ständig an meinem Style zu arbeiten und kreativ im Park zu sein. Jeder versucht das Level unglaublich zu pushen und vielen Kids geht es nur noch darum Doubles und Triples zu machen. Viele können nicht einmal einen coolen Dreier. Das finde ich schade. Darum versuche ich, bevor ich etwas krasses probiere, alle meine Tricks zu 99% perfekt zu machen. Zufrieden werde ich nie sein, weil es immer besser geht! Ich habe eben versucht jeden einzelnen Trick so zu machen, dass sich andere Leute denken, sie können ihn nicht mehr viel besser machen. Das ist mein Weg, wie ich mich vielleicht von anderen abheben möchte und hoffentlich deswegen ein bisschen aufmerksam auf mich mache.

Credit: Pally Learmond
Credit: Pally Learmond

Sind das auch genau die Punkte, die du versucht hast in deinem Projekt umzusetzen, auch um dich von all den anderen Season Edits abzuheben?
Ja absolut. Ich versuche immer etwas anders zu machen am Berg. Tobi Reindl nennt mich auch den „Parkgeist“, weil ich immer von allen Seiten angeflogen komme, haha.

Was mir eben am meisten am Herzen liegt, ist meinen eigenen Style in jeden Trick zu bekommen und so sicher zu fahren, dass ich jeden Trick so perfekt wie nur möglich landen kann.

Dass ist vielleicht auch der Grund warum ich nicht über einen 900 im Movie drehe, haha. Ich mag es eben nicht, wenn man einen Trick neu gelernt hat und gleich damit zu frieden ist. Du musst diese Tricks 1000 mal machen, dass er dir einfach von der Hand geht und du ihn bei jedem Wetter an jedem Obstacle machen kannst. Das war mein größtes Ziel diese Saison, neue Tricks standen nicht wirklich im Vordergrund, das kommt von alleine wenn man viel am Skifahren ist.

Credit: Martin Erd
Credit: Martin Erd

Was sind deine Erkenntnisse, die du aus dem letzten Jahr für dich gewonnen hast?
„skigoodmoneywillcome“ haha. Nein, es kann immer was schief laufen. Das habe ich letzte Saison zu spüren bekommen. Der Versuch den ganzen Sport professionell zu betreiben ist schwierig.

Aber wenn du den Willen hast etwas zu erreichen, und heutzutage musst du in der Freeski-Szene viele Sachen selber in die Hand nehmen, dann kannst du sowas auch schaffen. Wenn du das zu 100% machen willst und alles daran legst gibt es einen Weg. Aber da musst du auch viel Shit auf dich nehmen. Ich habe bei meinem Projekt alles von Konzeption, Organisation und vor allem Editing selber übernommen.

Wenn du so etwas noch nie gemacht hast, sitzt du da und hast gar keine Ahnung. Dann fängst du an entweder irgendwelche Leute zu fragen, schaust Youtube Tutorials oder machst einen auf Yolo und versuchst es einfach aus. Das dauert natürlich Stunden lang, wenn du es noch nie gemacht hast. Aber ich bin froh, dass ich mich jetzt so gut in diesem Bereich auskenne. Das hilft dir in vielen Sachen, wenn du weißt wie du dich vermarkten und alles selber produzieren kannst.

 

Wie sieht dein Plan für kommenden Winter aus?
Ich will auf jeden Fall wieder ein Video Projekt umsetzen. Ich versuch gerade ein eigenes Budget auf die Beine zu stellen und will etwas machen, wo noch nicht viele hier in Deutschland  gemacht haben. Natürlich bin ich viel mit dem Deutschen Team unterwegs und werde den ein oder anderen großen Contest fahren. Ein Videocontest werde ich mit dem Crystal Ground Snowpark umsetzten und hoffentlich ein paar junge Shredder dazu motivieren!

Aber das wichtigste ist, dass ich viel zum Skifahren komme und selber Spaß daran habe. Sonst würde ich das alles nicht mehr machen, wenn ich nicht den Ehrgeiz habe, immer besser zu werden!

Credit: Pally Learmond
Credit: Pally Learmond

Jetzt bist du ja doch schon länger im Freeski-Business mit dabei. In welche Richtung glaubst du wird sich der Sport hin entwickeln? Und vielleicht noch viel wichtiger, siehst du dem ganzen positiv entgegen, auch wenn es immer schwieriger werden wird?
Ich glaube, dass es immer mehr zwei Richtungen geben wird. Einmal die Contest und die Filmrichtung. Nach der Prime Park Session muss ich zugeben, wird das Contest fahren immer verrückter und ich weiß nicht wo es noch hingehen soll. Die Jungs arbeiten an ihren back-to-back triples. Big Air Rider werd ich in dem Leben auf jeden Fall nicht mehr, außer 180 und switch Zeros geben in Zukunft auch viele Punkte.

Ich schau viele Snowboard Videos. Ich hoffe jemand setzt im Freeskiing das Backcountry Kicker Zeug so gut um wie die Snowboarder es machen. Andererseits liebe ich die Urban Parts und hoffe, dass ich auch noch ein Projekt in diese Richtung machen kann. Und ja, ich schau allem positiv entgegen. Dem einen mehr dem anderen weniger.

Fakten und Zahlen zum Project Phoenix:
138 Skitage
1 Knie Verletzung
2 Hüftprellungen
72 Tage Verletzt
28 Stunden Urbanspots schaufeln
24 000 km Autofahren
2457€ Benzinkosten
160 Minuten vor der Kamera
8.15 Minuten Video


 
So, zum grande Finale haben wir nun auch noch den Trailer für euch. Danach wird fleißig geshared Freunde 😉