Jérémie Heitz gehört bei der Freeride World Tour sicherlich zu den Ridern mit dem alpinistischtem Background. Wie sein Buddy Sam Anthamatten nutzt der Schweizer den Berg als kompletten Spielplatz – im Sommer wie im Winter. Wir haben den sympatischen Freeride-Profi über die Tour und seine Movie-Projekt „La Liste“ befragt.

Hey Jérémie! Du hast einen recht individuellen Style beim Skifahren. Kannst du jemandem, der nichts mit Skifahren, Bergen oder Winter am Hut hat, beschreiben, was du auf Skiern treibst?

Ich würde es so versuchen: Seitdem ich zwei Jahre alt bin, stehe ich auf den Brettern – das ist inzwischen 25 Jahre her –, und ich entwickle mich und mein Riding seither bei Contests und Filmdrehs immer weiter. Außerdem habe ich meinen Lebensmittelpunkt mitten in den Alpen, wo ein großer Teil der Skihistorie ihren Lauf nahm. Hier versuche ich, auf den Spuren der Steilwand-Pioniere zu wandeln und an den bekanntesten 4.000ern die Evolution unseres Sports bei der Befahrung dieser imposanten Faces zu zeigen. Freeriden ist einfach eine extrem geniale Art, sich in den Bergen zu bewegen. Du kannst über Felsen springen und schneller sein als alles andere, was sich auf dem Schnee bewegt. Obwohl ich ja Profi bin, hat Skifahren nie seinen Reiz verloren, und ich fühle mich gerade im Highspeed-Bereich immer noch wie ein Superheld.

Dann erzähle uns doch mal, wie aus dem kleinen Jérémie ein Superheld im Freeskiing geworden ist, dessen Superpower sein überirdischer Speed ist?

So dramatisch ist es nun auch wieder nicht. Nach zwei Jahren bei der FIS habe ich damals beschlossen, die alpine Wettkampfwelt zu verlassen – alles viel zu strikt. Zudem konnte ich auf internationaler Ebene keine nennenswerten Erfolge feiern. Gerade für Jugendliche steht doch der Fun an erster Stelle, und Sprünge oder Powder sind weitaus interessanter als rote und blaue Stangenwälder. Wenn ich also nicht für Rennen trainieren musste, trieb ich mich abseits der Pisten herum. Ich begann, die Berge immer besser zu verstehen, wobei mir mein Stiefvater als Bergführer oder die Falquet-Brüder extrem hilfreich waren. Ich bin ich auch der Überzeugung, dass ich in eine Familie und in eine Gegend hineingeboren wurde, die mir eine natürliche Art des Freeridens in die Wiege legten und mir ein Verlangen nach dem Spaß im Leben einimpften. Rückblickend muss ich aber zugeben, dass ich froh bin, so viel Zeit auf alpinen Racetracks verbracht zu haben, denn eine bessere Skiausbildung als den Rennlauf gibt es nicht.

„Meiner Meinung nach hat sich Freeriden im Gegensatz zum Freestyle nicht maßgeblich weiterentwickelt. “

Beim Freeriden lief es deutlich besser als bei der FIS, schließlich bist du inzwischen Profi. Wann hast du gemerkt, dass du diese Karriere einschlagen willst und tatsächlich von deinem Sport leben kannst?

Als ich damals mit dem Freeriden begann, hatten mich ja wie gesagt die Falquets unter ihre Fittiche genommen. Die Jungs waren damals schon Vollprofis und konnten ihr Leben ganz gut durch Filme und Sponsorengelder finanzieren. Von ihnen habe ich auch gelernt, wie das ganze Business überhaupt funktioniert und dass es möglich ist, den Traum eines Freeski-Pros zu leben. Und das wollte ich ja schließlich – das ganze Jahr auf Skiern stehen.